Auch mit etwas Abstand zur Publikation der Umsatzprognose für 2026 kann ich den Strom der Entrüstung und "Überraschung" auf Analystenseite kaum nachvollziehen. Rein mathematisch waren die bisherigen Konsensziele nach Abschluss des Sandozdeals unhaltbar.
Für 2025 wurden 788 Mio EUR Umsatz gemeldet.
Darin enthalten ist eine Einmallizenzahlung von Sandoz iHv 50 Mio USD. Zudem sind in den Just Umsätzen ein zweistelliger Millionenbetrag aus Toulouse enthalten, der 2026 ersatzlos wegfällt. Bei Just USA sind weitere Millionenumsätze mit Sandoz enthalten, von denen auszugehen ist, dass sie 2026 nach Toulouse verlagert werden und künftig inhouse bei Sandoz laufen. Wenn Evo bzw. die Analysten nicht realisiert haben, dass Sandoz 2026 alles für eine sofortige Vollauslastung der erworbenen Toulouse Betriebsstätte tun würden, waren sie naive Narren.
Hinzu kommt eine 15% Abwertung des USD, was bei Evo, die nahezu sämtliche Umsätze mit Big Pharma traditionell in USD fakturieren, in der EUR Bilanz brutal einschlägt.
Um den 2025er Umsatz in 2026 auch nur näherungsweise stabil zu halten, hätte Evo unter diesen Rahmenbedingungen, die seit Monaten bekannt waren, ein mittleres Wachstumswunder benötigt. Dass man die Umsatzschätzungen weder an die USD Abwertung, noch an die klar absehbaren Umsatzverluste aus dem Sandoz Deal angepasst hat, ist betriebswirtschaftlich nicht nachvollziehbar. Man könnte meinen, einige Analysten wollten die Fallhöhe einer Enttäuschung so hoch wie irgendmöglich halten, um Shortsellern in einer hochnervösen Gesamtmarktstimmung den roten Teppich auszurollen.
Bei Abrechnung der Einmallizenz läge der Umsatz 2025 bei ca 740 Mio EUR, was exakt dem Mittelwert der für 2026 abgegebenen Guidance entspricht. Unter Berücksichtigung einer 10% USD Abwertung vs 2025 enthält die 2026er Guidance signifikantes inflationsbereinigtes Wachstum.
Dass Just 2026 negatives Umsatzwachstum sehen wird, ist angesichts des Sandozdeals und besagter 50 Mio USD Einmallizenz sowie wegfallender Sandoz Umsätze in USA sowie Toulouse zwangsläufig, da die ex Sandoz erzielten Just Umsätze zwar mit mehr als 30% wachsen, aber von der Basis her deutlich zu klein sind, um den Sandoz Wegfall zu kompensieren.
Ich erwarte von Analysten, mit spitzem Bleistift zu rechnen und nicht zu träumen. Schlimm genug, wenn Aktionäre mehr auf Charts als Fundamentaldaten fixiert sind. Ich brauche keine Analysten, die mir vorbeten, wo der Aktienkurs irgendwann mal war... spätestens nach dem Toulouse Exit hat Evo ein mit der Vergangenheit nicht mehr vergleichbares Geschäftsmodell. Was historische Charts über die Bewertungschancen eines grundlegend veränderten, m.E. klar verbesserten Geschäftsmodells aussagen sollen, wird mir aus Unternehmensbewertersicht immer schleierhaft bleiben.
Dass Analysten mittlerweile das kleine 1x1 nicht mehr beherrschen und Phantasiezahlen als Konsensschätzung ausgeben, ist frech.
Natürlich darf man nicht übersehen, dass Evos intransparente Marktkommunikation diese Farce maßgeblich stützt.
Der jüngste Analystencall war an stümperhafter Stammelei kaum zu übertreffen. Dass die dt. Investorengemeinde widerspruchslos akzeptiert, dass Mittelständler ihre PKs in miserablem Englisch statt in ihrer Muttersprache auf Deutsch abhalten, ist vermutlich ein Teil des Niedergangs der Transparenzkultur. Dass man es ferner klaglos hinnimmt, dass in einer schwierigen Restrukturierungsphase vorläufige Geschäftszahlen ohne die überragend wichtigen Angaben zu Konzernergebnis, Net Debt / Net Cash und Eigenkapital publiziert, ist schlicht eine Sauerei! Von Analystenseite hätte ich spätestens in der dritten Frage eine unmissverständliche Kritik an den zur Beurteilung der Geschäftslage völlig unzureichenden Teilergebnissen erwartet. Ich hätte dem Management glasklar signalisiert, meine Lebens- und Arbeitszeit nicht mit der Analyse offensichtlich unvollständiger Unternehmensdaten zu verschwenden gedenke und man die Intransparenz entweder nonstop einstellt oder solch sinnlose Calls fortan keine Teilnahme mehr sehen werden!
Im März, inmitten der laufenden Jahresabschlussprüfung sind dem Management selbstverständlich vorläufige Daten für jede einzelne GuV und Bilanzposition bekannt.
Wenn ich da mauere, dann mutmaßlich deshalb, weil ich mit den WiPs über die Höhe von Fair Values und Impairments streite...
Sich gegenüber den Anteilseignern hierzu nicht glasklar zu äußern, zeugt von Schwäche des Managements!
M.E. ist das Management mit dieser Intransparenzoffensive unfassbar schlecht beraten, weil ein dem Grunde nach für Investoren hochinteressantes Unternehmen am Kapitalmarkt sehenden Auges extrem unter Wert verkauft wird. Als Unternehmensberater würde ich dem Management eine 180 Grad Kehrtwende in der Kapitalmarktkommunikation empfehlen. Andernfalls werden CEO und CFO das Ende des Geschäftsjahrs 2026 m.E. nicht mehr im Unternehmen erleben. Niemand braucht Kapitalvernichter an der Unternehmensspitze!
Das Horizon-Programm halte ich für 100% begrüßenswert, seit langer Zeit überfällig und absehbar wertsteigernd. Erstmalig bekennt sich Evo nun zur Profitabilität als oberstem Unternehmensziel, nachdem man 20 Jahre lang Umsatzwachstum um jeden Preis betrieben hatte.
Es ist bitter, dass die Erkenntnis, dass hiefür ein weit über den priority reset hinausgehender Kapazitätsabbau benötigt wird, weitere 12 Monate benötigt hat. Allerdings sage ich an dieser Stelle besser spät als nie und mit dem Toulousekaufpreis hat man nun auch ein finanzielles Cashpolster, mit dem man die notwendigen Restrukturierungskosten aus eigener Kraft problemlos finanzieren kann.
Für Aktionäre kurzfristig enttäuschend, dass die Restrukturierung 2026 weiter anhält, aber dafür hat das Programm nun endlich das für die Erreichung der angestrebten 20% EBITDA Marge notwendige Ausmaß.
M.E. liegt nun erstmals ein glaubhaftes Unternehmenskonzept vor, das für 2028 angestrebte Margenziel auch tatsächlich zu erreichen. Ich hatte zuvor mehrfach kritisiert, dass es zuvorderst um EPS- und FCF- Maximierung gegen muss und nicht um Umsatz!
Das 2026 angestrebte EBITDA von 0 bis 40 Mio EUR ist zweifellos ernüchternd, angesichts tief negativer EBITDAs 2025 in beiden Geschäftsbereichen aber definitiv ein Schritt in die richtige Richtung, wenngleich noch nicht näherungsweise zufriedenstellend.
Wenn man das für 2025 gemeldete bereinigte EBITDA um 50 Mio USD Einmallizenzertrag bereinigt, war auch Just in 2025 noch meilenweit von einer angemessenen Gewinnmarge entfernt. Dass Evo diesen klassischen Einmalertrag überhaupt im bereinigten EBITDA erfasst hat und nur hierdurch die Guidance gerettet hat, ist m.E. einer der wesentlichen Gründe für den Kursabsturz. Diese Schönfärberei schafft eben kein Vertrauen... wenn man zeitgleich sämtliche Restrukturierungskosten ganz selbstverständlich aus dem bereinigten EBITDA herausrechnet... klassisches cherry picking...
Mit mir als Abschlussprüfer wäre das bereinigte EBITDA 2025 wahrheitsgemäß leicht negativ ausgefallen und dann hätte eine 2026er Prognose mit 0 bis 40 Mio EUR deutlich positver ausgesehen.
Zudem wäre das Ziel glasklar, eine konservative EBITDA Guidance für 2026 abzugeben und diese schlussendlich signifikant zu übertreffen, um den Aktionären zu signalisieren, dass Prognosen ab sofort eingehalten bzw. übererfüllt werden!
z