Meine zuletzt geäußerte Befürchtung eines neuerlichen Rücksetzers an der SMA 100 hat sich - leider - bewahrheitet.
Nach einem non-stop 30%-Aufwärtscrash und einem bis zum Anschlag ausgereizten RSI 14 > 90 war die Prognose eines signifikanten Rücksetzers nicht wirklich gewagt, wenngleich die Hoffnung, dass der Shortsqueeze die Aktie direkt zum ultimativen Endgegner SMA200 und der psychologisch wichtigen 6 EUR-Marke führen könnte, natürlich nicht vollkommen unberechtigt war.
Letztlich fand der Aufwärtscrash im Bereich einer alten Kaufzone um 5,75 EUR ein abruptes Ende.
Das gigantische GAP zwischen SMA100 (5,45 €) und den kurzfristigen SMAs 50 (5,05 €) und 38 (4,79 €) inmitten einer absehbar nachrichtenlosen Zeit bis zum nächsten Quartalsbericht am 06.05.2026 war für Algos und Charttrader natürlich gefundenes Fressen. Daher war meine Prognose ebendieses Rücksetzers keine allzu gewagte These.
Wer nach Überschreiten der SMA100 dennoch weiter gekauft hat, steht nun schon wieder min. 8% unter Wasser. Vom Bewegungshoch bis zum aktuellen Kurs bei 5,07 € sind es schon wieder -12%.
Die Vola bei Evo ist einfach unfassbar, ja bisweilen kaum erträglich.
Das Motto... und ist der Ruf erst ruiniert...
Als Langfristanleger ist man bei Evo ja im Grunde seit min drei Jahren nichts anderes mehr gewohnt und sollte sich den allzu häufigen Blick ins Depot lieber ersparen.
Wer im Bewegungstief zwischen 4,50 € und 4,20 € beherzt zugegriffen hatte, liegt noch immer stabil vorn. Wer einmal mehr erst in der Rallye auf den fahrenden Zug aufsprang, hat die Position vermutlich längst wieder liquidiert oder hat seinen zwischenzeitlichen Buchgewinne wieder abgegeben...
So ist das eben bei Evo... Kurzfristzocker haben in beide Richtungen ihren Spaß...
Sobald sich bei Longies hingegen eine gewisse Zufriedenheit einstellt... findet der Spaß abrupt sein Ende... kann man hier im Forum immer wieder gut ablesen... der Umschwung zwischen zu Tode betrübt (Insolvenz, alles Sch..) und Himmel hoch jauchzend (Kursziel 10 €, nie wieder schwach...) ist aktuell bei kaum einer Aktie so stark ausgeprägt wie bei Evotec.
Fundamental hat sich die Situation nach Verkündung des neuen Sparprogramms Horizon in keinster Weise verbessert. Q1 2026 dürfte dank Restrukturierungsrückstellungen, ca. 7% USD-Abwertung vs. Q1 25 , weiterhin schwacher Umsatzentwicklung im D&PD-Geschäft sowie negativen Sondereffekten des Sandoz Deals auf die JUST-Umsatzentwicklung (-> Verlagerung von US-Sandoz-Umsätzen nach Toulouse, Wegfall Toulouse-Umsatz) - sowohl umsatzseitig als auch auf Ebene des Quartalsergebnisses - einen neuerlichen Tiefpunkt darstellen. Rote Zahlen, wo immer man hinschaut.
Wer in den Q1 - Zahlen irgendeinen Licktblick erwartet, wird am 06.05. m.E. eine herbe Enttäuschung erleben... wieder mal...
Wie ich bereits schrieb, dürfte Q1 2026 m.E. einen Tiefpunkt markieren, von dem aus es in den Folgequartalen umsatz- und gewinnseitig stetig nach oben gehen sollte.
Die positive News dürfte demnach nicht in den Q1-Zahlen zu suchen sein, sondern in einem vorsichtig positiven Ausblick auf eine stetig verbesserte sequentielle Umsatz- und Margenentwicklung ab Q2 2026. Sofern der EUR vom aktuellen Niveau um 1,17 USD nicht weiter signifikant aufwertet, könnte Q1 2026 den absoluten Tiefpunkt des mehrjährigen Ergebnis-Rückgangs markieren.
Ergebnisseitig dürften ca. 100 Mio USD Veräußerungsgewinn aus dem Tubulis-Verkauf Q2 2026 in die Gewinnzone pushen. Der Zufluss der 100 Mio USD Vorabzahlung dürfte dem Free Cashflow in Q2 2026 ebenfalls eine Sonderkonjunktur bescheren. Gegenläufig dürften sich hier allerdings erste Teile der insgesamt 100 Mio EUR geplanten Horizon-Auszahlungen negativ bemerkbar machen.
Wie gesagt... Zukunftsmusik für Q2 2026...
Jetzt stehen am 06.05. erst einmal mutmaßlich sehr schwache Q1-Zahlen an, in deren Vorfeld sich die laufende Korrektur des 30%-Aufwärtscrashs möglicherweise noch bis zur (derzeit noch immer täglich fallenden) SMA38 (aktuell 4,79 €) ausweiten könnte. Der RSI14 steht trotz des jüngsten 12%-Rücksetzers noch immer über 60... hat sich demnach bei weitem noch nicht so stark abgekühlt, dass man kurzfristig wahnsinnig große Hoffnung auf eine Stabilisierung an der SMA50 und der 5EUR-Marke haben könnte.
In Trump-Zeiten weiß man indes nie, ob nicht urplötzlich eine Politnachricht sämtliche charttechnischen Überlegungen zunichte macht.... somit ist jederzeit alles möglich!
Die Zukunft ist und bleibt ungewiss!
Das heißt für Evo allerdings auch, dass die Kursentwicklung der letzten drei Jahre NULL Relevanz für die Zukunft hat. Evo hat es weiterhin selbst in der Hand, die Zukunft positiv zu gestalten.
Horizon war betriebswirtschaftlich unvermeidlich und überfällig!
Der Tubulis-Verkauf wird Evotec - vollkommen unerwartet - 100 Mio USD zusätzliche Finanzmittel in die Kassen spülen und damit die für Horizon geplanten bis zu 100 Mio EUR Cashabflüsse nahezu vollständig finanzieren.
Wenn Horizon die erwarteten Kosteneinsparungen auch nur näherungsweise erfüllt, steht Evo nach dem saldierten "Newspaket" Horizon + Tubulis fundamental bei weitem besser da, als zu Jahresanfang.
Wer angesichts der beiden in 2026 gemeldeten Beteiligungs-Exits mit min. 13 Mio EUR + 100 Mio USD vollkommen unerwarteten Cashzuflüssen in 2026 das Wort "Insolvenzgefahr" auch nur in den Mund nimmt, hat sich für mich selbst diskreditiert und ist offenbar nur auf Unternehmens-Bashing aus!
Die beiden Beteiligungsverkäufe sind für Evotec ein absoluter Gamechanger, weil sie den ultimativen proof of concept des Beteiligungsportfolios darstellen. Die Tubulis-Beteiligung wurde im übrigen erst 2022 erworben und anschließend in Finanzierungsrunden erweitert.
Das Mantra, bei Evotec handelten nur blinde Vorstände, ist damit ebenfalls ad acta gelegt!
Wenn selbst zu Jahresanfang 2026 nicht ein einziger Evotec-Analyst den Marktwert von Dark Blue Therapeutics und Tubulis und dessen potenzielle Bedeutung für Evotecs Cash-Bilanz auch nur näherungsweise auf dem Schirm hatte, sollte uns allen allmählich dämmern, dass Wertsprünge teilweise gigantischen Ausmaßes zur DNA des Biotech-Sektors gehören.
Forschungs- und Entwicklungskosten und damit einhergehende Umsatz- und Gewinnpotenziale gehen bei Biotechunternehmen nicht einmal ansatzweise Hand in Hand. Niemand kann heute absehen, ob nicht morgen ein Evotec-Mitarbeiter ein bahnbrechendes Experiment / Forschungsergebnis liefert.
Dass Evotec heute gerade einmal mit dem Buchwert des bilanzierten Eigenkapitals bewertet wird, während Peer-Unternehmen wie etwa eine Tubulis gleichzeitig mit dem zigfachen des Eigenkapitals bewertet werden, erscheint mir unverändert als schlechter Witz!
Ich habe bei 4,50 EUR gepostet, erneut nachgekauft zu haben und es jederzeit für möglich zu halten, dass der Crash abrupt endet, Evotec plötzlich bei 7 EUR notiert und Charttrader ihre Shortpositionen in Longpositionen drehen, weil das Chartbild urplötzlich einen vielversprechenden Aufwärtstrend zeigt...
Solange ich keine Anhaltspunkte sehe, dass Evotec das Horizon-Programm nicht planmäßig exekutiert bzw. sich die erwarten Kosteneinsparungen nicht näherungsweise realisieren lassen, bleibe ich bullish für die mittel- und langfristige Kursentwicklung... ganz egal, was Kurzfristzocker hier auf Wochen- und Monatssicht veranstalten. Mein Anlagehorizont für meine EVO-Langfristposition liegt weiterhin bei 3 bis 5 Jahren. Im Tradingdepot werde ich weiterhin auch ein wenig mitzocken, um auch meine charttechnisch abgeleiteten Überlegungen zur kurzfristigen Kursentwicklung möglichst gewinnbringend umzusetzen. Warum soll man als Langfristanleger nicht auch etwas kurzfristigen Handelsspaß haben... die Shorties, Chart- und Daytrader im Forum sollen nicht glauben, dass sie allein kurzfristigen finanziellen Nutzen aus der horrenden Vola ziehen dürfen... ;-)
Die Kombination aus von tiefer Überzeugung in Evos mittel- und langfristiges Entwicklungspotenzial getragener Langfristinvestition und kurzfristiger Charttechnikspielerei im Tradingdepot macht diese Aktie für mich besonders reizvoll...