Quelle: Focus Money 12.04.2023
Interview: Dr. Werner Lanthaler CEO
Evotec erwartet für dieses Jahr ein beschleunigtes Wachstum beim Ebitda auf 115 bis 130 Millionen EURO. Wie soll das gelingen bei den anhaltend hohen Forschungs- und Entwicklungsausgaben?
W. L. : Unser Basisgeschäft, ist sehr gut ausgelastet. Bei etlichen Vertragspartnern haben wir zuletzt moderate Preiserhöhungen durchgesetzt. Darüber hinaus rechen wir aus unseren Forschung-
Allianzen mit höheren erfolgsabhängigen Meilensteinzahlungen als 2022. Zugleich reduzieren sich
die Verluste aus dem Ausbau von J.POD. der ersten Produktionsstätte von biologischen Wirkstoffen,
die unsere Tochterfirma Just - Evotec Biologics, in den USA betreibt.
Frage: ERFÜLLT HAT DER ERSTE J. POD. DIE ERWARTUNGEN BISLANG NICHT? *
W. L.: Wir waren uns immer bewusst, dass der Abschluss der ersten Kooperation dauert.
Das hätten wir dem Kapitalmarkt klarer kommunizieren müssen (...)
Wir sind aber auf gutem Weg, ein Umsatzportfolio mit drei Kundengruppen aufzubauen:
Staatliche Investitionen, wie das US-Verteidigungsministerium. Biotech- und Pharmakonzerne
und über bis Mitte 2023 laufende Pilotstudie mit einem Hersteller von Biosimiiars.
Frage: Was versprechen Sie sich von den Imitiaten biologischer Arzneien, mit abgelaufenen
Patentschutz?
W. L.: Bekommen wir hier einen Fuß in de Tür: ist das ein enorm wichtiger Schritt für die
künftige Kapitalausstattung der beiden Produktionsanlagen, der bereits laufenden und der
zweiten in Toulouse, die 2023 den Betrieb aufnehmen wird.
Eine Mrd. US-Dollar Umsatz und 300 Mill. US-Dollar auf Ebitda-Basis will Evotec bis dahin
erreichen. Auf der Ergebnisseite muss da noch einiges passieren.
W. L.: Die Zahl der potenziellen Meilensteinzahlungen wird sich erhöhen. Die erweiterte
Kooperation mit Bristol-Meyers Squibb in Neurodegeneration, ist das beste Beispiel dafür,
wie Evotec in den letzten Jahren die Partnerschaften mit etlichen Pharmapartnern ausgebaut
hat. Wir sprechen hier über 15 Mrd. US-Dollar Potenzial an prozentuellen Meilensteinzahlungen
in insgesamt über 130 Kooperationsprojekten. Dazu kommen jeweils über 200 Mill. US-Dollar
Jahresumsatz mit den beiden J. PODs, die eine Bruttomarge von über 30 Prozent erreichen sollen, wenn sie mit genügend Auslastung arbeiten.
Frage: KI-basierte Datenbanken werden immer wichtiger für die Identifizierung von Wirkstoffen.
Welche Impulse erwarten Sie?
W. L.: Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen revolutionieren die Medikamenten-
Entwicklung. Das gilt vor allem für die Präzisionsmedizin, wo es immer mehr um die komplette
Heilung von Krankheiten gehen wird. Beispielsweise mit der Transplantation von BetaZellen, die
für Diabetespatienten Insulin produzieren. Zudem müssen viele Experimente in Zukunft nicht
mehr physisch durchgeführt werden. Sondern können vorher am Computer simuliert werden.
Das spart Zeit und Kosten, und vor allem erhöht es Erfolgswahrscheinlichkeiten. Wir haben diese Potenzial vor mehr als fünf Jahren erkannt. Mit Plattformen wie PanOmics für die Analyse von
klinischen und biologischen Daten sind wir hier Weltmarktführer.
Frage: Schlussendlich werden sich die Investoren jedoch erst wieder für die Aktie begeistern,
wenn Evotec dieses Jahr auf der Gewinnseite liefert.
W. L.: Wir haben trotz der gestiegenen Kosten alle unsere Produkte weiterlaufen lassen, auch
wenn das Ebitda dadurch 2022 belastet wurde. 2023 wird sich unsere Kostenbasis verbessern. Außerdem bin ich überzeugt, dass die Anleger wieder im Blick haben werden, dass wir mit der
historisch besten Technologie- und Kapitalausstattung in den nächsten Jahren die Früchte unserer
Investitionen ernten.
* Dieser Satz sagt alles und gibt Aufschluss über unser Monatelanges Rätselraten, was bei
Evotec noch im Busch ist, weil das mit der Bayer- Geschichte, gab das ja nicht her. M. M.
Zudem:
Gibt es für Interessierte im Heft, auch noch die Sichtweise von Focus-Money zu Evotec.
crosso