Euro-Raum vor Rezession

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Euro-Raum vor Rezession Nassie

Euro-Raum vor Rezession

 
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FTD-Indikator: Wirtschaft im Euro-Raum steht am Rande der Rezession
Von Sebastian Dullien, Berlin

Der Ausbruch des Irak-Kriegs droht die Wirtschaft der Euro-Zone im ersten Halbjahr 2003 in die Rezession zu stoßen. Das lässt die April-Auswertung des Euro-Wachstumsindikators der Financial Times und der Financial Times Deutschland befürchten.


Europa im Abschwung


"Der Krieg hat unter Unternehmen und Verbrauchern die Unsicherheit über die Wirtschaftsaussichten verstärkt und dazu geführt, dass Ausgaben aufgeschoben werden", sagte Paavo Suni vom finnischen ETLA-Institut. Das ETLA ist Mitglied der Euroframe-Gruppe, einer Vereinigung von acht führenden Wirtschaftsinstituten, die den FTD-Euro-Indikator monatlich errechnet. Aus Deutschland arbeiten das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und das Institut für Weltwirtschaft (IfW) an der Aufbereitung des Indikators mit.

Der FTD-Indikator zeigt laut April-Auswertung für das erste Quartal ein Wirtschaftswachstum von nur noch 0,6 Prozent im Vorjahresvergleich, das im zweiten Quartal weiter auf 0,3 Prozent nachlassen dürfte. Damit revidierten die Institute wegen der jüngsten Negativmeldungen zur Konjunktur verglichen zur März-Auswertung um 0,3 Prozentpunkte für das erste und sogar um 0,5 Prozentpunkte für das zweite Quartal 2003 nach unten.


Widrige Bedingungen für Prognosen


"Im Quartalsvergleich der Wirtschaftsleistung impliziert dies eine leichte Schrumpfung der Wirtschaft vom vierten Quartal 2002 zum ersten Quartal 2003 und eine Stagnation im zweiten Quartal", sagte Suni. Damit stehe die Wirtschaft der Euro-Zone nach einer gängigen Definition derzeit am Rande einer Rezession: eine Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in zwei aufeinander folgenden Quartalen.


Catherine Mathieu vom französischen Institut OFCE, das den Indikator berechnet, wies allerdings darauf hin, dass in Zeiten großer geopolitischer Unsicherheit auch der Indikator mit größerer Vorsicht zu interpretieren sei als in Normalzeiten. Der Indikator könne nicht beantworten, ob der jüngste kriegsbedingte Stimmungsschock vorübergehend ist oder je nach Kriegsverlauf länger anhält. Diese Stimmungsindizes schwankten derzeit stark.

Der US-amerikanische ISM-Einkaufsmanagerindex etwa, der in den FTD-Indikator eingeht, um die Konjunktur auf den Exportmärkten abzubilden, war im März mit Kriegsausbruch drastisch gesunken. Dieser Einbruch alleine trug bei der März-Auswertung des FTD-Indikators 0,2 Prozentpunkte zur Abwärtsrevision des Wachstums im ersten Quartal und 0,3 Prozentpunkte zur Abwärtsrevision der BIP-Entwicklung im zweiten Quartal bei.


Krieg dämpft Konsum und Investitionen


"Es könnte durchaus sein, dass die US-Firmen derzeit die Kriegsfolgen unterschätzen", sagte Catherine Mathieu. Für die wirtschaftliche Entwicklung der kommenden Monate bleibt der Fortgang der US-Offensive in Irak entscheidend. "Wenn der Krieg länger dauert, wird sich der Abschwung verstärken." Sei der Krieg dagegen schnell vorbei, und käme es zu einem Stimmungsaufschwung in den Unternehmen, könne sich die Wirtschaft noch im zweiten Quartal wieder beleben.


Neben der schwachen Wirtschaftsentwicklung in den USA war vor allem die eingetrübte Stimmung in der europäischen Industrie und unter den Einzelhändlern in der Euro-Zone für den Rückgang des Indikators verantwortlich. Auch die jüngste Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar machte sich für das erste und zweite Quartal negativ bemerkbar.



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