EU-Kommissar Monti: Ost-Investitionshilfen kürzen


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EU-Kommissar Monti: Ost-Investitionshilfen kürzen

 
08.02.02 11:52
Von Christian Thiele, Berlin und Birgit Jennen, Brüssel

Nach dem Konflikt über den Autohandel und das deutsche Defizits droht neuer Streit zwischen der Bundesregierung und der EU-Kommission. Wettbewerbskommissar Mario Monti will nach einem der FTD vorliegenden Vorschlag die Grenzen für nationale Investitionshilfen bei industriellen Großprojekten senken.

Betroffen wäre vor allem Ostdeutschland. Montis Vorschlag sieht vor, dass die Förderung großer Industrieanlagen für Projekte ab 50 Mio. Euro um 50 Prozent und für Investitionen ab 100 Mio. Euro um 66 Prozent gekürzt werden. Der Kommissar setzt damit seine strenge Beihilfepolitik fort. Er will Subventionswettläufe einschränken und so den Wettbewerb auf Europas Binnenmarkt fördern.

Deutschland will verhindern, dass die EU-Kommission kommenden Mittwoch endgültig darüber entscheidet. Kein Land sei so stark betroffen wie Deutschland, heißt es in Regierungskreisen. Doch die Kommissare brauchen kein grünes Licht von den Mitgliedsstaaten.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reinhard Höppner sagte am Donnerstag der FTD, man werde die deutschen EU-Kommissare Günter Verheugen und Michaele Schreyer "für unsere Sache einspannen". Üblicherweise legt die Kommission Wert darauf, dass ihre von den EU-Staaten entsandten Mitglieder nicht auf nationale Weisungen hören.

Berlins will die hohen nationalen Fördermöglichkeiten beizubehalten. Danach können Großinvestitionen in Ostdeutschland mit bis zu 35 Prozent aus öffentlichen Kassen angeschoben werden. In der EU-Kommission setzt sich auch der für Regionalpolitik zuständige Kommissar Michel Barnier für Ostdeutschland ein. Er forderte am Donnerstag eine Übergangsfrist bis 2004, damit Ostdeutschland Zeit zur Anpassung hat.


© 2002 Financial Times Deutschland
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Die Förderung von Großprojekten in Ostdeutschland

 
12.02.02 09:28
Die Förderung von Großprojekten in Ostdeutschland ist sicher - zumindest vorerst

Beihilfen für Großprojekte im Osten sollen ein Jahr später gekürzt werden


Ho. BRÜSSEL, 11. Februar. Die Bundesregierung und die ostdeutschen Länder haben mit der Europäischen Kommission einen Kompromiß für die künftige Förderung industrieller Großprojekte im Osten Deutschlands erzielt. Danach setzt die von Wettbewerbskommissar Mario Monti verfügte deutliche Kürzung der deutschen staatlichen Beihilfen erst 2004 statt 2003 ein. Außerdem soll in der höchsten Förderstufe für besonders strukturschwache Gebiete ein Bonus von 1,15 Prozent der Investitionssumme gewährt werden.

Darauf haben sich Staatsminister Rolf Schwanitz vom Bundeskanzleramt und der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reinhard Höppner, am Montag mit Monti verständigt. Das Gremium der EU-Kommissare wird voraussichtlich an diesem Mittwoch dem Vorschlag Montis zustimmen. Die Höchstgrenze der Förderung soll mit 35 Prozent der Investitionssumme unverändert bleiben.

Die Eckwerte der künftigen Staatshilfen für industrielle Großvorhaben in der EU sehen vor, daß die nationalen Beihilfen für Investitionen von mehr als 50 Millionen Euro um die Hälfte und von 100 Millionen Euro an um zwei Drittel gekürzt werden. Ausgenommen sind die Automobil- und die Chemiefaserbranche, deren Förderung schon von 2003 an um 70 Prozent gekürzt wird. Daher müssen sich Unternehmen aus diesen beiden Branchen beeilen, wenn sie noch von der bisherigen Förderung profitieren wollen. Der neue Förderrahmen soll nur bis 2006 gelten, wenn Hilfsprogramme auch für die neuen EU-Beitrittsländer aus Mittel- und Osteuropa beschlossen werden müssen. Der Bonus von 1,15 Prozent soll jedoch bis 2009 gelten.

Schwanitz und Höppner zeigten sich mit dem Kompromiß zufrieden. "Wir haben eine klare Regelung, die den Investoren Sicherheit geben wird", sagte Höppner. Das Fördergefälle zu den übrigen Standorten garantiere den ostdeutschen Bundesländern noch gute Chancen für die Ansiedelung großer Unternehmen. Allein in Sachsen-Anhalt gebe es 15 große Investitionsvorhaben im Gesamtwert von rund 3 Milliarden Euro, die jetzt zügig ausgehandelt werden müßten. Deutliche Kritik äußerte Höppner an den süddeutschen Bundesländern, die es an Solidarität mit Ostdeutschland hätten fehlen lassen. Nach 2006 müsse es für alle ostdeutschen Bundesländer eine Übergangsregelung zu der schon heute absehbaren weiteren Eingrenzung der Fördergebiete geben.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.02.2002, Nr. 36 / Seite 11
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