Es wird in den USA bald steigende Gewinne geben...


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chf1:

Es wird in den USA bald steigende Gewinne geben...

 
07.02.01 20:51
...und zwar massiv!

Einerseits haben die US-Unternehmen gelernt, dass der Ausblick viel wichtiger ist als ein übertroffenes Ergebnis. Also werden sie mit legalen und mit anderen sich im Graubereich befindlichen Mitteln (sprich Gesetzeslücken) Gewinne möglichst ein Quartal später ausweisen. Die Lehre, die man aus den letzten Monaten ziehen kann, ist, dass man ein Ergebnis nur übertreffen sollte, wenn auch der Ausblick stimmt! Das werden sich manche zu Herzen nehmen.

Andererseits gibt es in den USA eine neue Vorschrift für die Buchhaltung, die bald in Kraft tritt. Diese sagt aus, dass man bei Fusionen und Firmenübernahmen, den Goodwill nicht mehr abschreiben muss. D.h., dass dadurch die Gewinne mit einem Schlag nicht mehr belastet werden. Besonders für Firmen wie Cisco, die jedes Jahr eine grosse Zahl Akquisitionen tätigen, wird sich das positiv auswirken. Bisher musste Goodwill während 20 Jahren abgeschrieben werden.

Wollen wir jetzt darüber spekulieren, welche Unternehmen das Spiel 1
(verzögerte Gewinne) am besten beherrschen und welche von den neuen Spielregeln 2 (Goodwill) am meisten profitieren? Irgend welche Tipps?

Gruss, CHF
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Makelo:

zu besseren Verständnis...

 
07.02.01 21:35
Wenn Goodwill keine schlechten Kurse mehr macht
 
Entlastung für viele Unternehmen des neuen Marktes
 

Amerikanische Unternehmen erhalten Schützenhilfe von ungewohnter Seite. Eine Änderung der Bilanzierungsregeln nach US-GAAP macht Schluss mit den Goodwill-Abschreibungen. Das freut auch viele Unternehmen Deutschland.

Bisher unterschied US-GAAP (Generally Accepted Accounting Principles) zwei Möglichkeiten der Bilanzierung von Unternehmenskäufen. Wenn eine Gesellschaft die Übernahme einer anderen nach der Pooling-of-Interest-Methode bilanziert hat, war der Grundgedanke die Übernahme und Eingliederung mit Aktiva und Passiva. Der Bedarf einer Goodwill-Abschreibung entstand hier vom Prinzip her nicht.

Die zweite, so genannte Purchase-Methode errechnet bei einer mehrheitlichen Übernahme aus Kaufpreis und Bilanzpositionen des übernommenen Unternehmens den Goodwill. Dieser Geschäftswert muss über einen Zeitraum zwischen 5 und 20 Jahren abgeschrieben werden. Diese Regeln werden auch von vielen europäischen Unternehmen angewendet. So bilanzieren rund die Hälfte aller Unternehmen am Neuen Markt nach US-GAAP. Künftig entfällt die Pooling-of-Interest-Methode. Und auch die Goodwill-Abschreibungen werden abgeschafft. Ihre Aussagekraft ist ohnehin beschränkt. Welchen Stellenwert der Goodwill aber gegenwärtig hat, wird aus einer Untersuchung von Morgan Stanley deutlich: Die 500 größten US-Unternehmen haben zusammen rund 750 Mrd.$ in den Büchern stehen. Das ergäbe eine Steigerung des Gewinns um durchschnittlich mehr als 15%.

Zu viel Freude wäre aber verfrüht. Erstens ändern sich die Relationen zwischen den Unternehmen ja kaum, wobei allerdings die mit einer besonders aggressiven Übernahmepolitik im Vorteil wären. Zweitens wird die Praxis der gewohnheitsmäßigen Goodwill-Abschreibungen ersetzt durch eine regelmäßige Prüfung des Wertes jeder einzelnen Beteiligung. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die Bilanzen immer die zeitnahen Unternehmenwerte ausweisen. Drittens schließlich sollen Übergangsregelungen greifen, so dass hier keine sprunghaften Änderungen zu erwarten sind.

Vielleicht sollte man mit dem Inkrafttreten der neuen US-GAAP Richtlinien daher eher über Aktien von internationalen Wirtschaftprüfungsgesellschaften nachdenken. Die sollten auf jeden Fall profitieren. Im Ernst zählt aber wahrscheinlich die Telekommunikations-Wirtschaft insgesamt zu den Branchen, die durch eine solche Änderung am stärksten entlastet werden.

Die Auswirkungen im Einzelfall lassen sich z.B. an SAP SI verdeutlichen. Für die ersten neun Monate des vergangenen Jahres kam das operative Ergebnis vor Fusions-bedingten Goodwill-Abschreibungen auf 16,7 Mio.€. Nach Goodwill entstand ein Verlust von 17,4 Mio.€. Auf die einzelne Aktie heruntergebrochen ergibt sich vor Goodwill ein Ergebnis von plus 0,25€, nach Goodwill aber eines von minus 0,70€.

Weitere bekannte Namen an Neuen Markt, die nach US-GAAP bilanzieren und nennenwerten Goodwill in den Büchern stehen haben: Adva, Broadvision, D.Logistics, Kontron, Net AG, PSI. Die Liste ließe sich noch beliebig verlängern.

Autor: Klaus Singer, 16:26 06.02.01

Da sind auch ein paar namentlich genannt. Allerdings ist erstmal eine Übergangslösung geplant. ich weiss nicht wie diese aussieht und kann deshalb auch nicht sagen wie stark diese Unternehmen davon profitieren oder profitieren wollen. Denn mehr Gewinn, bedeutet auch gleichzeitig eine höhere Steuerbelastung. Also wird auf andere Wahlrechte umgestiegen, um den Gewinn nicht gleich an den Fiskus weiterzuleiten.

Interessant finde ich übrigens folgende Betrachtungsweise.
Bush will die Steuern senken und die Konjunktur anzukurbeln.
Alan hält den Abbau der Staatsschulden für wichtiger.
Betrachtet man dies im obigen Zusammenhang, ist zu erkennen, das sinkende Steuern bei höherem Gewinnausweis, auch zu steigenden Steuereinnahmen führen könnte. Es ist also beiden geholfen. Ich weiss nicht ob da wirklich ein Zusammenhang besteht, aber das Resultat spricht für sich.

Gruss make
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Kicky:

Sag mal makelo,wo finde ich das mit US-GAAP-

 
08.02.01 01:49
Bilanzierung bzw.gibts da ne Liste,wer das so macht?Und trifft das dann tatsächlich auch für deutsche Firmen zu oder nur für die auch in USA gelistet sind?
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DarkKnight:

und das ganze nun in Zahlen ausgedrückt:

 
08.02.01 08:36
Börsen-Zeitung, 8.2.2001
swa Frankfurt - Die mit der Abschaffung des Pooling of Interests (Buchwertmethode) bei Unternehmenszusammenschlüssen nach amerikanischer Rechnungslegung vorgesehenen veränderten Abschreibungsmodalitäten für den Goodwill können teils erhebliche Ergebniswirkungen mit sich bringen. Wie aus einer auf den Dax und die Euro Stoxx 50 übertragenen Berechnung des Helaba Trust hervorgeht, ergäbe sich ohne Goodwill-Abschreibungen für 2002 eine durchschnittliche Steigerung des Gewinns je Aktie im Euro Stoxx von 13,0 % und im Dax 30 von 19,7 %. Optisch besonders profitieren würden natürlich die Unternehmen, die in der Vergangenheit durch zahlreiche Übernahmen viel Goodwill angesammelt haben. So dürften nach Einschätzung des Helaba Trust zum Beispiel Telekomwerte eine Verbesserung des Investmentsentiments erfahren.
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Makelo:

@Kicky ...wenn auch sehr spät...

 
09.02.01 22:47
Die Vorschriften in Deutschland sehen keine Rechnungslegung nach US-GAAP vor. Diese Vo gelten nur für in USA gehandelte Aktien, also alle die dort gelistet sind. Allerdings wenden auch sehr viele deutsche Unternehmen diese Rechnungslegung an. Aus welchen Gründen auch immer.

Diese Vo führen zu einer wesentlich höheren Transparenz über die tatsächliche Ertrags- und Finanzlage eines Unternehmens und erlauben damit eine bessere Einschätzung und Prognose des Unternehmens.

Wie die Unternehmen, die nicht zu dieser Rechnungslegung verantwortlich sind, ihren Jahresabschluss (Bilanz+ GuV + Anhang + Lagebericht) machen, teilen sie eigentlich in diesem mit.
Allerdings ist es für einen unerfahrenen Betrachter relativ schwer der Berechnung zu folgen und eine vielversprechende Analyse aus diesen Daten zu gewinnen. Da musst du wahrscheinlich schon den Analysten vertrauen.

Der wichtigste Unterschied liegt eigentlich in der Beurteilung der Finanzlage des Unternehmens anhand des Cash Flow. Nach US-GAAP kann man seine Berechnung schon als Geld- oder Kapitalflussrechnung bezeichnen.

Der CF zeigt die finanziellen Überschüsse des Unternehmens an und ist ein Ausdruck für die Innenfinanzierungskraft des Unternehmens.
Innenfinanzierungskraft heisst, was steht zur verfügung für:
- Investitionen
- Schuldentilgung
- Dividendenzahlung
- und Speisung des Finanzmittelbestandes
(Cash Flow lt. DVFA/SG... Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Anlagenberatung/ Schmalenbach-Gesellschaft)


Du siehst, das es für uns Normalverbraucher recht schwer ist etwas brauchbares danmit anzufangen.

Nun zurück zum Goodwill.

Eigentlich macht die oben genannte Regeländerung gar nicht so viel aus. Zwar können Unternehmen die stark durch Unternehmenskäufe wachsen (also kein inneres Wachstum)durch diese regelung nun höhere Gewinne ausweisen, aber dies wird von Analysten und in deren Prognosen natürlich berücksichtigt. Der Vorteil ist lediglich darin zu sehen das die Abschreibungen nicht mehr gemacht werden müssen. Aber der Goodwill (der aus dem Image des gekauften Unternehmens besteht und keinen VG ggü. stehn hat)ist i.d.R. auch nicht mehr enthalten und drückt somit einen zu hohen Gewinn aus.

Es ist eigentlich nur eine Bilanzverlängerung und somit Beschönigung des Gewinns. Allerdings lässt sich darüber streiten ob der Goodwill des gekauften Unternehmens nicht doch irgendwie auf das kaufende Unternehmen übergeht.
Ich würde sagen in gewissen Massen schon, aber auf keinen Fall in selber Höhe wie bezahlt.
Es ist einfach nur eine buchtechnische Sache.

Bsp. ACG (3. Quartal 2000)
Gewinn/Aktie nach Goodwillabschreibung = 0.01 E
"           vor           "           = 0,64 E

Für den ungeübten Betrachter natürlich ein gewaltiger Unterschied.
Aber die alte Regelung war auch falsch, da ein gewisser Imagewert schon auf das kaufende Unternehmen übergeht. Wenn sich durch den Aufkauf Synergien ergeben und es sich nicht um ein Schlucken eeines Konkurenten handelt, sondern um eine Ergänzung und Erweiterung, dann ist die nNeuregelung schon wesentlich besser.

Mein Gott... ich glaube das was ich da jetzt verzapft habe versteht kein Mensch.

Make
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