Ein Crash ist nichts anderes als eine Umverzeilung von oben nach unten und wahrscheinlich sogar die Lösung unserer Probleme. Ich kenne Krall nicht, aber kann mir denken, um was es geht. Die Probleme des weltweiten Finanzsystems sind ja allgemein bekannt. Seit den 80er Jahren mit Reagan/Thatcher und dann vor allem bei Amtsantritt von Greenspan 1987 wurden die Probleme der Industreigesellschaft damit beantwortet, dass man eine Dienstleistungsgesellschaft etabliert hat, in der die Finanzdienstleistungen viele Arbeitsplätze schufen und viel Geld. Dieses Geld wurde dadurch immer mehr, dass man jede kleine Krise mit Niedrigzinsen beantwortet hat und dadurch den Finanzkapitalismus immer weiter aufgebläht hat, inklusive Geldmenge. Alle Krisen, die wir danach hatten (Blase 2000 am Aktienmarkt und Finanzkrise 2008 durch Immobilienblase) sind doch nur die logische Folge des viel zu großen Finanzsektors. Die Banken sind "too big to fall" geworden und sowohl sie als auch die großen Versicherungen und Finanzinstitute wie Blackrock etc bleibt immer gar keine andere Wahl als das ewige Spiel immer weiter zu drehen. Irgendwann muss der große Crash kommen, der die Finanzdienstleistungsbranche um 80-90% schrumpfen lässt.
ABER … den Euro wird es in anderer Form auch in 30 Jahren noch geben. Dass das Geldsystem per sè wackelt, glauben nur ein paar Crashpropheten. Ich glaub da nicht dran. Und ob Gold in solchen Fällen die Lösung ist, wage ich auch zu bezweifeln. An diesen Voraussagen verdienen auch genug Leute, inklusive selbsternannte Heilsbringer wie Dirk Müller und Co, die ansonsten nichts auf die Reihe kriegen. Zudem stört mich ein crashender Euro insofern weniger als das ich mich im Binnenland bewege und meine Kaufkraft einsetze. Das wäre ja nur bei einer riesigen Inflation ein Problem. Erwartest du die? Ich glaub eher, wir werden mittelfristig den von einigen Leute wie Dr.Sinn proklamierten Kern-Euro oder Nord-Euro bekommen, damit auch die Probleme der südlichen Staaten leichter durch Abwertung ihrer nationalen Devisen gelöst werden können.
Aber ja, der Crash wird meines Erachtens kommen müssen. Verlierer werden die Gläubiger sein, inklusive der Banken selbst. Das wird eine tiefe Rezession mit sich bringen, aber sie wird Teil der nachfolgenden Lösung sein. Im Grunde muss ein riesiger Schuldenschnitt her plus politische Veränderungen, was Bankenkontrolle, Notenbankpolitik und Zukunft des Euroraums betrifft. Das wird wohl leider nicht durch eine eiche Landung passieren, wie ich nach 2009 gehofft hatte, wo sich also all die Risiken über 10-15 Jahre hinweg langsam aber stetig reduzieren (das hat man leider bis heute verschlafen) sondern es wird durch eine großen Crash passieren. Die Frage ist nur, wann der kommt und ob wir das vor allem politisch danach lösen, ohne wieder Rechtsextremisten an die Macht zu bringen. Das Letztere ist unsere eigentliche Aufgabe. Irgendwelche Bankenpleiten sind mir ehrlich gesagt egal, auch wenn ich dann auch teilweise mein Geld verliere.
the harder we fight the higher the wall