ENDLICH fundierte Argumente gegen eine Zinssenkung


Thema
abonnieren
Beiträge: 5
Zugriffe: 540 / Heute: 1
Seth Gecko:

ENDLICH fundierte Argumente gegen eine Zinssenkung

 
03.12.02 17:38
OK, der Titel (dieses Threads) ist mißverständlich formuliert, aber ging nicht anders, wg. der geringen Anzahl an max. möglichen Zeichen...
Folgender Artikel liefert nämlich NICHT Argumente dafür, daß die EZB die Leitzinsen am Do womöglich doch nicht senkt, sondern beschreibt vielmehr die Gefahren und "Sinnlosigkeit" einer Zinssenkung, und das ist ja doch viel interessanter.

Ich persönlich bin allerdings durchaus der Meinung, daß die EZB am Donnerstag die Zinsen senken sollte, aber nur deshalb, weil schon 10 EZB-Mitglieder Andeutungen in diese Richtung gemacht haben. Jetzt die Zinsen nicht zu senken, könnte der Europäischen Zentralbank doch einiges an Vertrauen und Verläßlichkeit kosten (erst groß ankündigen (wenn auch durch die Blume, aber in unserer Medienlandschaft haben selbst Gänseblümchen messerscharfe Zähne!), und dann doch nicht handeln, daß gefiele den wenigsten Investoren). Hier widerspricht meine Meinung ein wenig der Argumentation des folgenden Artikels, der eine Zinssenkung für einen Verlust an Glaubwürdigkeit verantwortlich macht (was leider auch stimmt), aber aus dieser Perspektive wäre "meine" ;-) Lösung wohl das kleiner Übel.

Andernfalls wäre ich im momentanen ökonomischen Umfeld natürlich einer der ersten Arivaner, die sich zu einer Zinssenkung der EZB negativ an Board äußern würde.

Und jetzt, viel Spaß beim Lesen :-)

cu, seth

03.12.2002 - 15:56 Uhr
ZEI-Experten gegen EZB-Rat-Zinssenkung

Frankfurt (vwd) - Der EZB-Rat sollte an diesem Donnerstag nach dem Urteil der Experten des Bonner Zentrum für Europäische Integrationsforschung (ZEI die Leitzinsen nicht senken. Bei der Präsentation ihres neuen "EMU Monitor begründeten die ZEI-Direktoren und Universitätsprofessoren Jürgen von Hagen und Manfred J.M. Neumann am Dienstag ihre Aufforderung mit den niedrigen realen Zinsen im Euroraum. Diese lägen auf einem Rekordtief mit 0,75 Prozent am kurzen und 2,25 Prozent am langen Ende, eine Zinssenkung würde bei den Investitionsüberlegungen keine Rolle spielen.

Eine Zinssenkung würde vor allem die Glaubwürdigkeit der Europäischen Zentralbank (EZB) gefährden, betonten von Hagen und Neumann, die EZB würde in diesem Falle den gleichen Fehler machen wie 1999, als sie sich an der schwachen deutschen Konjunktur orientierte und die Leitzinsen um 50 Basispunkte auf 2,50 Prozent senkte, obwohl die Erholung in anderen Bereichen schon im Gange war. In der Folge stieg die Inflation von rund einem Prozent auf 2,5 Prozent. Würde die EZB jetzt den Leitzins wieder um 50 Prozent auf 2,75 Prozent senken, wie das die Märkte erwarten, würde die Kerninflation auf drei Prozent steigen, so das ZEI.

Die ZEI-Experten sehen auch, dass das Wachstum im Euroraum mit voraussichtlich 0,8 Prozent 2002 und 1,8 Prozent 2003 lahmt; damit bleibe der Euroraum unter seinem Potenzial, wie auch die US-Wirtschaft mit etwa 2,3/2,7 Prozent BIP-Wachstum 2002/2003. Dennoch sehen die Bonner Professoren im Euroraum keine Deflation drohen. Vielmehr sei die Inflation deutlich mit einer Kernrate von rund 2-1/2 Prozent hartnäckig hoch, und über der EZB-Stabilitätsnorm von "unter zwei Prozent" für die HVPI-Inflation.

Neumann und von Hagen können es sich nicht vorstellen, wie der EZB-Rat jetzt eine Zinssenkung und gleichzeitig einen unveränderten Referenzwert von 4-1/2 Prozent für die M3-Geldmengenexpansion beschließt, wobei dieser schon seit längerem und zuletzt mit sieben Prozent deutlichen übertroffen worden ist. In normalen Zeiten müsste dies zu einer Zinserhöhung Anlass geben gegenwärtig wäre Abwarten und Analyse der Rahmendaten von Wirtschaft und Finanzmärkten die richtige Entscheidung, so von Hagen.

Mit Blick auf den anstehenden EZB-Beschluss für den M3-Referenzwert für 2003 mit der entsprechenden Ableitung plädieren die ZEI-Experten für ein M3-Band von 3,5-5,5 Prozent statt des M3-Referenzwertes von 4,5 Prozent auch die Ableitung sollte in Bänder gefasst werden mit 1,0 bis 2,0 Prozent für die normative Inflation, 2,0 bis 2,5 für das BIP-Potenzialwachstum und 0,5 bis 1,0 Prozent für die trendmäßige Verringerung der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes.

Ein M3-Korridor zwinge die EZB beim Über- oder Unterschreiten zu einer besseren Erklärung für den Fall des zinspolitischen Tolerierens. Klar müsse sein, dass die Wachstumsschwäche im Euroraum und auch in Deutschland strukturelle Gründe habe, es seien mutige Strukturreformen vor allem am Arbeitsmarkt gefordert, nicht die Geldpolitik. +++ Hans Hutter
vwd/3.12.2002/hu/ptr/apo

Antworten
Seth Gecko:

noch eine kritische Anmerkung zum Artikel:

 
03.12.02 17:50
Die EZB hat ja in den letzten tagen immer betont, daß eine eventuelle Zinssenkung nur dann stattfindet, wenn (wie es momentan der Fall ist) kaum Inflationsgefahr droht. Hans Hutters vergleich im zweiten Absatz mit dem Jahr 1999 hinkt insofern, zumal sich seit einiger Zeit auch in Euroland trotz der aktuellen M3-Situation leicht(!!) deflationäre Tendenzen(!!) einschleichen, welche in den letzten Monaten auf den schlecht laufenden Aktienmarkt (bis vor etwa sieben wochen)und in den letzten Wochen wohl z.B. auf den Ölpreisrückgang, daß Weihnachts(rabatt:-)geschäft und die Deutsche Steuererhöhungsorgie zurückzuführen sind...
All diese Probleme gab es 1999 eher nicht, vor allem wenn man die Dimension des '98er Börsencrashes (wenn man das überhaupt so nennen darf) mit der des '01/02er-DAX-Crashes vergleicht oder sich die grundlegend verschiedenen Investitionsstimmungen vor Augen hält.

cu, seth
Antworten
baer45:

Was soll eine Zinssenkung

 
03.12.02 17:57
bringen? Ob die kurzfristigen Zinsen jetzt 25 Basispunkte höher oder tiefer sind beeinflusst kaum eine Investitionsentscheidung. Die Konsumzurückhaltung bleibt. Die Sparquote steigt weiter. Die Monetaristen werden fürchterlich überschätzt und Verschlimmbessern im Regelfall mit ihren Marktmanipulationen nur die Entwicklung.

Gruß baer45
www.baer45.de.vu

Antworten
Seth Gecko:

Meine Rede, baer45.

 
03.12.02 18:04
Jedem VWL-Studenten werden im laufe des Studiums zig Grafiken vorgelegt, auf denen der Zusammenhang zwischen Zinsniveau (real oder nominal) und Investitionsnachfrage dargestellt wird: Es ist eine (beinahe) völlig zufällige Anhäufung von Punkten, die eindrucksvoll belegt, daß der Zusammenhang kaum meßbar ist. Aber wer eben vor jeder vierten Prüfung stupide die "Weisheit" 'zinsen runter => investitionen rauf' auswendig lernt, verblödet wohl zwangsläufig... Und diese Leute sind jetzt eben Chefvolkswirte, Analysten und Börsenjournalisten...

cu, seth (der jetzt offline gehen muß)
Antworten
mod:

Missverständnis, Monetarismus ...

 
03.12.02 18:17
Der moderne Monetarismus à la Friedman
plädiert für eine stetige, wachstumsorientierte
Geldpolitik und gegen eine Hüh-und-Hott-Politik
in Sachen Zinsen.
Die Geldpolitik (ua. Zinshöhe) ist danach kein geeignetes
Mittel der Konjunkturpolitik.
Antworten
Auf neue Beiträge prüfen
Es gibt keine neuen Beiträge.


Börsen-Forum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--