OK, der Titel (dieses Threads) ist mißverständlich formuliert, aber ging nicht anders, wg. der geringen Anzahl an max. möglichen Zeichen...
Folgender Artikel liefert nämlich NICHT Argumente dafür, daß die EZB die Leitzinsen am Do womöglich doch nicht senkt, sondern beschreibt vielmehr die Gefahren und "Sinnlosigkeit" einer Zinssenkung, und das ist ja doch viel interessanter.
Ich persönlich bin allerdings durchaus der Meinung, daß die EZB am Donnerstag die Zinsen senken sollte, aber nur deshalb, weil schon 10 EZB-Mitglieder Andeutungen in diese Richtung gemacht haben. Jetzt die Zinsen nicht zu senken, könnte der Europäischen Zentralbank doch einiges an Vertrauen und Verläßlichkeit kosten (erst groß ankündigen (wenn auch durch die Blume, aber in unserer Medienlandschaft haben selbst Gänseblümchen messerscharfe Zähne!), und dann doch nicht handeln, daß gefiele den wenigsten Investoren). Hier widerspricht meine Meinung ein wenig der Argumentation des folgenden Artikels, der eine Zinssenkung für einen Verlust an Glaubwürdigkeit verantwortlich macht (was leider auch stimmt), aber aus dieser Perspektive wäre "meine" ;-) Lösung wohl das kleiner Übel.
Andernfalls wäre ich im momentanen ökonomischen Umfeld natürlich einer der ersten Arivaner, die sich zu einer Zinssenkung der EZB negativ an Board äußern würde.
Und jetzt, viel Spaß beim Lesen :-)
cu, seth
03.12.2002 - 15:56 Uhr
ZEI-Experten gegen EZB-Rat-Zinssenkung
Frankfurt (vwd) - Der EZB-Rat sollte an diesem Donnerstag nach dem Urteil der Experten des Bonner Zentrum für Europäische Integrationsforschung (ZEI die Leitzinsen nicht senken. Bei der Präsentation ihres neuen "EMU Monitor begründeten die ZEI-Direktoren und Universitätsprofessoren Jürgen von Hagen und Manfred J.M. Neumann am Dienstag ihre Aufforderung mit den niedrigen realen Zinsen im Euroraum. Diese lägen auf einem Rekordtief mit 0,75 Prozent am kurzen und 2,25 Prozent am langen Ende, eine Zinssenkung würde bei den Investitionsüberlegungen keine Rolle spielen.
Eine Zinssenkung würde vor allem die Glaubwürdigkeit der Europäischen Zentralbank (EZB) gefährden, betonten von Hagen und Neumann, die EZB würde in diesem Falle den gleichen Fehler machen wie 1999, als sie sich an der schwachen deutschen Konjunktur orientierte und die Leitzinsen um 50 Basispunkte auf 2,50 Prozent senkte, obwohl die Erholung in anderen Bereichen schon im Gange war. In der Folge stieg die Inflation von rund einem Prozent auf 2,5 Prozent. Würde die EZB jetzt den Leitzins wieder um 50 Prozent auf 2,75 Prozent senken, wie das die Märkte erwarten, würde die Kerninflation auf drei Prozent steigen, so das ZEI.
Die ZEI-Experten sehen auch, dass das Wachstum im Euroraum mit voraussichtlich 0,8 Prozent 2002 und 1,8 Prozent 2003 lahmt; damit bleibe der Euroraum unter seinem Potenzial, wie auch die US-Wirtschaft mit etwa 2,3/2,7 Prozent BIP-Wachstum 2002/2003. Dennoch sehen die Bonner Professoren im Euroraum keine Deflation drohen. Vielmehr sei die Inflation deutlich mit einer Kernrate von rund 2-1/2 Prozent hartnäckig hoch, und über der EZB-Stabilitätsnorm von "unter zwei Prozent" für die HVPI-Inflation.
Neumann und von Hagen können es sich nicht vorstellen, wie der EZB-Rat jetzt eine Zinssenkung und gleichzeitig einen unveränderten Referenzwert von 4-1/2 Prozent für die M3-Geldmengenexpansion beschließt, wobei dieser schon seit längerem und zuletzt mit sieben Prozent deutlichen übertroffen worden ist. In normalen Zeiten müsste dies zu einer Zinserhöhung Anlass geben gegenwärtig wäre Abwarten und Analyse der Rahmendaten von Wirtschaft und Finanzmärkten die richtige Entscheidung, so von Hagen.
Mit Blick auf den anstehenden EZB-Beschluss für den M3-Referenzwert für 2003 mit der entsprechenden Ableitung plädieren die ZEI-Experten für ein M3-Band von 3,5-5,5 Prozent statt des M3-Referenzwertes von 4,5 Prozent auch die Ableitung sollte in Bänder gefasst werden mit 1,0 bis 2,0 Prozent für die normative Inflation, 2,0 bis 2,5 für das BIP-Potenzialwachstum und 0,5 bis 1,0 Prozent für die trendmäßige Verringerung der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes.
Ein M3-Korridor zwinge die EZB beim Über- oder Unterschreiten zu einer besseren Erklärung für den Fall des zinspolitischen Tolerierens. Klar müsse sein, dass die Wachstumsschwäche im Euroraum und auch in Deutschland strukturelle Gründe habe, es seien mutige Strukturreformen vor allem am Arbeitsmarkt gefordert, nicht die Geldpolitik. +++ Hans Hutter
vwd/3.12.2002/hu/ptr/apo
Folgender Artikel liefert nämlich NICHT Argumente dafür, daß die EZB die Leitzinsen am Do womöglich doch nicht senkt, sondern beschreibt vielmehr die Gefahren und "Sinnlosigkeit" einer Zinssenkung, und das ist ja doch viel interessanter.
Ich persönlich bin allerdings durchaus der Meinung, daß die EZB am Donnerstag die Zinsen senken sollte, aber nur deshalb, weil schon 10 EZB-Mitglieder Andeutungen in diese Richtung gemacht haben. Jetzt die Zinsen nicht zu senken, könnte der Europäischen Zentralbank doch einiges an Vertrauen und Verläßlichkeit kosten (erst groß ankündigen (wenn auch durch die Blume, aber in unserer Medienlandschaft haben selbst Gänseblümchen messerscharfe Zähne!), und dann doch nicht handeln, daß gefiele den wenigsten Investoren). Hier widerspricht meine Meinung ein wenig der Argumentation des folgenden Artikels, der eine Zinssenkung für einen Verlust an Glaubwürdigkeit verantwortlich macht (was leider auch stimmt), aber aus dieser Perspektive wäre "meine" ;-) Lösung wohl das kleiner Übel.
Andernfalls wäre ich im momentanen ökonomischen Umfeld natürlich einer der ersten Arivaner, die sich zu einer Zinssenkung der EZB negativ an Board äußern würde.
Und jetzt, viel Spaß beim Lesen :-)
cu, seth
03.12.2002 - 15:56 Uhr
ZEI-Experten gegen EZB-Rat-Zinssenkung
Frankfurt (vwd) - Der EZB-Rat sollte an diesem Donnerstag nach dem Urteil der Experten des Bonner Zentrum für Europäische Integrationsforschung (ZEI die Leitzinsen nicht senken. Bei der Präsentation ihres neuen "EMU Monitor begründeten die ZEI-Direktoren und Universitätsprofessoren Jürgen von Hagen und Manfred J.M. Neumann am Dienstag ihre Aufforderung mit den niedrigen realen Zinsen im Euroraum. Diese lägen auf einem Rekordtief mit 0,75 Prozent am kurzen und 2,25 Prozent am langen Ende, eine Zinssenkung würde bei den Investitionsüberlegungen keine Rolle spielen.
Eine Zinssenkung würde vor allem die Glaubwürdigkeit der Europäischen Zentralbank (EZB) gefährden, betonten von Hagen und Neumann, die EZB würde in diesem Falle den gleichen Fehler machen wie 1999, als sie sich an der schwachen deutschen Konjunktur orientierte und die Leitzinsen um 50 Basispunkte auf 2,50 Prozent senkte, obwohl die Erholung in anderen Bereichen schon im Gange war. In der Folge stieg die Inflation von rund einem Prozent auf 2,5 Prozent. Würde die EZB jetzt den Leitzins wieder um 50 Prozent auf 2,75 Prozent senken, wie das die Märkte erwarten, würde die Kerninflation auf drei Prozent steigen, so das ZEI.
Die ZEI-Experten sehen auch, dass das Wachstum im Euroraum mit voraussichtlich 0,8 Prozent 2002 und 1,8 Prozent 2003 lahmt; damit bleibe der Euroraum unter seinem Potenzial, wie auch die US-Wirtschaft mit etwa 2,3/2,7 Prozent BIP-Wachstum 2002/2003. Dennoch sehen die Bonner Professoren im Euroraum keine Deflation drohen. Vielmehr sei die Inflation deutlich mit einer Kernrate von rund 2-1/2 Prozent hartnäckig hoch, und über der EZB-Stabilitätsnorm von "unter zwei Prozent" für die HVPI-Inflation.
Neumann und von Hagen können es sich nicht vorstellen, wie der EZB-Rat jetzt eine Zinssenkung und gleichzeitig einen unveränderten Referenzwert von 4-1/2 Prozent für die M3-Geldmengenexpansion beschließt, wobei dieser schon seit längerem und zuletzt mit sieben Prozent deutlichen übertroffen worden ist. In normalen Zeiten müsste dies zu einer Zinserhöhung Anlass geben gegenwärtig wäre Abwarten und Analyse der Rahmendaten von Wirtschaft und Finanzmärkten die richtige Entscheidung, so von Hagen.
Mit Blick auf den anstehenden EZB-Beschluss für den M3-Referenzwert für 2003 mit der entsprechenden Ableitung plädieren die ZEI-Experten für ein M3-Band von 3,5-5,5 Prozent statt des M3-Referenzwertes von 4,5 Prozent auch die Ableitung sollte in Bänder gefasst werden mit 1,0 bis 2,0 Prozent für die normative Inflation, 2,0 bis 2,5 für das BIP-Potenzialwachstum und 0,5 bis 1,0 Prozent für die trendmäßige Verringerung der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes.
Ein M3-Korridor zwinge die EZB beim Über- oder Unterschreiten zu einer besseren Erklärung für den Fall des zinspolitischen Tolerierens. Klar müsse sein, dass die Wachstumsschwäche im Euroraum und auch in Deutschland strukturelle Gründe habe, es seien mutige Strukturreformen vor allem am Arbeitsmarkt gefordert, nicht die Geldpolitik. +++ Hans Hutter
vwd/3.12.2002/hu/ptr/apo