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Premiere World sucht Alternativen zur D-Box
Beim Bezahlfernsehen Premiere World läuft derzeit eine fieberhafte Suche nach Alternativen zur D-Box, jenem Empfangsgerät für das digitale Programmangebot von Premiere, das Leo Kirch bereits Milliarden und den Abonnenten viele Nerven gekostet hat.
Im Vergleich zu anderen Empfangsgeräten gilt die D-Box als bedienerunfreundlich. Die permanente Verschiebung der Einführung geplanter interaktiver Dienste für die Premiere-Abonnenten deutet zudem darauf hin, dass die D-Box auch technisch anfällig ist. Trotzdem hielt die Kirch-Gruppe als Mehrheitsaktionär von Premiere bislang stur an dem System fest. Grund: Die Software der D-Box wird von der Kirch-Tochter Beta Research entwickelt.
Findungsphase
Doch nun konnte offensichtlich auch Leo Kirch davon überzeugt werden, dass es höchste Zeit wird, sich nach technisch günstigeren und besseren Verbreitungswegen des hoch defizitären Bezahlfernsehens Premiere umzusehen. Ein Sprecher von Premiere World bestätigte der Financial Times Deutschland, dass in letzter Zeit andere Systeme getestet wurden, fügte jedoch hinzu: "Wir sind noch in der Findungsphase. Welches System wir künftig verwenden, ist noch völlig offen." Gleichzeitig betonte er: "Es wird zurzeit geprüft, inwieweit man sich technologisch verbreitern kann. Das ist aber alles andere als ein Abgesang auf die D-Box."
Ein Branchenbeobachter sieht das anders: "Allein die Tatsache, dass Premiere andere Systeme testet, ist ein deutlicher Misstrauensbeweis gegen Beta Research." Dort gibt man sich über das Fremdgehen von Premiere diplomatisch. "Es ist das gute Recht eines Kunden, sich nach Alternativen zu unserem System umzusehen", heißt es. Und weiter: "Wir sind aber sicher, dass die Prüfung letztendlich nur ein Ergebnis hat - dass Premiere uns behält."
Die Konkurrenz wartet schon
Ob das Selbstbewusstsein berechtigt ist, scheint fraglich, denn die Konkurrenz steht bereits in den Startlöchern. Besonders der börsennotierten Digital-TV-Technologiefirma Open-TV werden dabei gute Karten zugeschrieben. Open-TV rüstet - unter anderem - bereits die Empfangsgeräte beim britischen Pay-TV BSkyB mit Software aus. Rupert Murdochs BSkyB wiederum ist Minderheitsaktionär bei Premiere und überhaupt nicht begeistert über die D-Box: Sie sei zu teuer und für die interaktive Welt technisch noch immer nicht wirklich ausgereift. In der Tat ist verwunderlich, warum Premiere bis heute seinen Kunden keine Dienste wie Homebanking oder Homeshopping über den TV-Apparat anbietet, während dies bei ausländischen Anbietern längst Gang und Gäbe ist. "Mit der D-Box kriegen die das einfach nicht hin", so ein ehemaliger Mitarbeiter von Premiere und guter Kenner des Unternehmens. Ein Angestellter bei Beta Research behauptet hingegen, die technologischen Voraussetzungen für solche Dienste stünden fest.
Das Ende der D-Box?
Trotzdem ist nicht unwahrscheinlich, dass die Tage der D-Box gezählt sind. Sollte Premiere sich tatsächlich für ein anderes System entscheiden, so hätte das möglicherweise nicht nur Auswirkungen auf die zukünftigen Boxen, sondern auch auf viele bestehende. Mehr als eine Million der rund 2,4 Millionen D-Boxen in den deutschen Haushalten lassen nämlich einen zentral gesteuerten Austausch der Software zu. Während die videorekorderähnlichen Geräte nach außen hin zwar völlig unverändert bleiben würden, liefen sie plötzlich nicht mehr auf der Software von Beta Research, sondern auf Open-TV oder einem anderem System. "Mit den eingebauten Loading-Mechanismen ist das technisch durchaus möglich", meint Ulrich Reimers von der Universität Braunschweig, international anerkannter Experte für Digital-TV.
Das Problem ist weniger technischer als vielmehr finanzieller Art. Das Bezahlfernsehen von Kirch hat zur Finanzierung der D-Boxen eine Fondsgesellschaft gegründet. Die buchhalterische Abschreibung dieser Boxen ist dabei ausgesprochen großzügig auf sieben Jahre angelegt. Kommte es nun zu einem Systemtausch für über eine Million Boxen, wären plötzlich massive Sonderabschreibungen notwendig. Die Lizenzgebühren für das neue System wären vergleichsweise gering. Firmen wie Liberate und Open-TV verlangen rund 20 DM pro Box.
Branchenkennern zufolge wäre Premiere trotzdem gut beraten, einen solchen Schritt zu gehen. Die Probleme mit der D-Box hätten viele Abonnenten vergrault. Premiere dürfte in den nächsten Wochen eine Entscheidung fällen.
Premiere World sucht Alternativen zur D-Box
Beim Bezahlfernsehen Premiere World läuft derzeit eine fieberhafte Suche nach Alternativen zur D-Box, jenem Empfangsgerät für das digitale Programmangebot von Premiere, das Leo Kirch bereits Milliarden und den Abonnenten viele Nerven gekostet hat.
Im Vergleich zu anderen Empfangsgeräten gilt die D-Box als bedienerunfreundlich. Die permanente Verschiebung der Einführung geplanter interaktiver Dienste für die Premiere-Abonnenten deutet zudem darauf hin, dass die D-Box auch technisch anfällig ist. Trotzdem hielt die Kirch-Gruppe als Mehrheitsaktionär von Premiere bislang stur an dem System fest. Grund: Die Software der D-Box wird von der Kirch-Tochter Beta Research entwickelt.
Findungsphase
Doch nun konnte offensichtlich auch Leo Kirch davon überzeugt werden, dass es höchste Zeit wird, sich nach technisch günstigeren und besseren Verbreitungswegen des hoch defizitären Bezahlfernsehens Premiere umzusehen. Ein Sprecher von Premiere World bestätigte der Financial Times Deutschland, dass in letzter Zeit andere Systeme getestet wurden, fügte jedoch hinzu: "Wir sind noch in der Findungsphase. Welches System wir künftig verwenden, ist noch völlig offen." Gleichzeitig betonte er: "Es wird zurzeit geprüft, inwieweit man sich technologisch verbreitern kann. Das ist aber alles andere als ein Abgesang auf die D-Box."
Ein Branchenbeobachter sieht das anders: "Allein die Tatsache, dass Premiere andere Systeme testet, ist ein deutlicher Misstrauensbeweis gegen Beta Research." Dort gibt man sich über das Fremdgehen von Premiere diplomatisch. "Es ist das gute Recht eines Kunden, sich nach Alternativen zu unserem System umzusehen", heißt es. Und weiter: "Wir sind aber sicher, dass die Prüfung letztendlich nur ein Ergebnis hat - dass Premiere uns behält."
Die Konkurrenz wartet schon
Ob das Selbstbewusstsein berechtigt ist, scheint fraglich, denn die Konkurrenz steht bereits in den Startlöchern. Besonders der börsennotierten Digital-TV-Technologiefirma Open-TV werden dabei gute Karten zugeschrieben. Open-TV rüstet - unter anderem - bereits die Empfangsgeräte beim britischen Pay-TV BSkyB mit Software aus. Rupert Murdochs BSkyB wiederum ist Minderheitsaktionär bei Premiere und überhaupt nicht begeistert über die D-Box: Sie sei zu teuer und für die interaktive Welt technisch noch immer nicht wirklich ausgereift. In der Tat ist verwunderlich, warum Premiere bis heute seinen Kunden keine Dienste wie Homebanking oder Homeshopping über den TV-Apparat anbietet, während dies bei ausländischen Anbietern längst Gang und Gäbe ist. "Mit der D-Box kriegen die das einfach nicht hin", so ein ehemaliger Mitarbeiter von Premiere und guter Kenner des Unternehmens. Ein Angestellter bei Beta Research behauptet hingegen, die technologischen Voraussetzungen für solche Dienste stünden fest.
Das Ende der D-Box?
Trotzdem ist nicht unwahrscheinlich, dass die Tage der D-Box gezählt sind. Sollte Premiere sich tatsächlich für ein anderes System entscheiden, so hätte das möglicherweise nicht nur Auswirkungen auf die zukünftigen Boxen, sondern auch auf viele bestehende. Mehr als eine Million der rund 2,4 Millionen D-Boxen in den deutschen Haushalten lassen nämlich einen zentral gesteuerten Austausch der Software zu. Während die videorekorderähnlichen Geräte nach außen hin zwar völlig unverändert bleiben würden, liefen sie plötzlich nicht mehr auf der Software von Beta Research, sondern auf Open-TV oder einem anderem System. "Mit den eingebauten Loading-Mechanismen ist das technisch durchaus möglich", meint Ulrich Reimers von der Universität Braunschweig, international anerkannter Experte für Digital-TV.
Das Problem ist weniger technischer als vielmehr finanzieller Art. Das Bezahlfernsehen von Kirch hat zur Finanzierung der D-Boxen eine Fondsgesellschaft gegründet. Die buchhalterische Abschreibung dieser Boxen ist dabei ausgesprochen großzügig auf sieben Jahre angelegt. Kommte es nun zu einem Systemtausch für über eine Million Boxen, wären plötzlich massive Sonderabschreibungen notwendig. Die Lizenzgebühren für das neue System wären vergleichsweise gering. Firmen wie Liberate und Open-TV verlangen rund 20 DM pro Box.
Branchenkennern zufolge wäre Premiere trotzdem gut beraten, einen solchen Schritt zu gehen. Die Probleme mit der D-Box hätten viele Abonnenten vergrault. Premiere dürfte in den nächsten Wochen eine Entscheidung fällen.
