Einwürfe zum Halbleiter-Markt

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Einwürfe zum Halbleiter-Markt Pate100

Einwürfe zum Halbleiter-Markt

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29. April 2005
 

Einwürfe zum Halbleiter-Markt

 

Zur Einschätzung des Halbleiter-Marktes lassen sich verschiedene Instrumentarien verwenden. Ein üblicher Indikator ist die „Semi-Book-to-Bill-Ratio“ des amerikanischen Halbleiterverbandes. Book-to-Bill heißt „Buchungen zu Rechnungen“ oder wirtschafts-deutsch „Auftragseingänge zu Auslieferungen“. Befinden sich mehr Auftragseingänge in der Pipeline, als Auslieferungen durchgeführt werden, so spricht dies für einen gesunden Halbleitermarkt. In einem solchen Fall befindet sich die Book-to-Bill-Ratio oberhalb von 1.

Book-to-Bill-Ratio und der Verlauf des Halbleiterindex korrelieren ganz gut miteinander, wie der folgende Chart zeigt.
 

Einwürfe zum Halbleiter-Markt 1921480

Quelle: www.semi.org

Nachteilig ist, dass die Book-to-Bill-Ratio mit etwa drei Wochen Verzögerung veröffentlicht wird, und obendrein nur einmal monatlich. Zum Handeln des dynamischen Halbleiterindex erscheint die Ratio daher zu träge zu sein.

Zur Einschätzung des Halbleitermarktes erscheint es uns sinnvoller, einen Indikator zu betrachten, der ebenfalls an einer Börse gehandelt wird. Wir meinen den DRAM-Spot-Markt, der an der Singapur Stock Exchange beheimatet ist. DRAMs sind Speicherchips, wie sie in PCs eingebaut werden. PCs sind etwa für die Hälfte des Speicherprodukte-Umsatzes verantwortlich, wie der folgende Chart zeigt, und können deshalb als einigermaßen repräsentativ für den Branchenumsatz gelten.


Endprodukte-Nutzung für Speicherchips

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Quelle: www.sia-online.org

Vergleicht man den Halbleiter-Index mit dem Verlauf des DRAM-Spot-Marktes, so wird auch in diesem Fall eine hohe Übereinstimmung deutlich. Der Vorteil ist, dass DRAM-Preise und Halbleiter-Index aktuell miteinander verglichen werden können. Bloomberg bietet tägliche und kostenlose DRAM-Preise.

Einwürfe zum Halbleiter-Markt 1921480


Quelle: Bloomberg

Man erkennt, dass sich der DRAM-Spot-Preis seit April 2004 in einem Abwärtstrend befindet, in dessen Rahmen der Preis von 6,5 auf gut 2 Dollar gefallen ist. Historisch betrachtet ist das ein sehr niedriger Wert. Die Frage stellt sich, ob die DRAM-Preise ihren Boden erreicht haben. Es gibt ein paar Hinweise, dass dies so ist, siehe beispielsweise diesen Artikel.

Doch wir sind keine Industrie-Experten und können diese Frage nicht beantworten. Nur eins erscheint klar: Ein Anstieg der DRAM-Preise hätte durchaus das Potential, auch den Halbleiter-Index aus seinem Dornröschenschlaf zu reißen.

Doch etwas anderes ist auffällig: In den letzten Tagen konnte man beobachten, wie die Halbleiter-Führungsfigur Intel entgegen dem Trend des Halbleiterindexes stieg. Immer, wenn dies geschieht, heißt es aufpassen. Bitte sehen Sie sich den folgenden Chart an. Dort sind die Intel/Halbleiter Ratio (blau) sowie der Halbleiter-Index abgetragen.

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Man hat den Eindruck, dass die Intel/Halbleiter-Ratio dem Halbleiter-Index vorausläuft. Diesen Effekt haben wir durch gelbe Striche markiert. Gegenwärtig zeigt Intel ganz eindeutig relative Stärke gegenüber dem Halbleiterindex, was in der Folge auch für den Index positiv sein sollte.

Fazit: Zur Richtungsbestimmung des Halbleiter-Index sollte man nicht nur auf die Book-to-Bill-Ratio schauen, sondern auch den DRAM-Spot-Markt beachten. Und zweitens lohnt sich die Beobachtung von Intel relativ zum Halbleiterindex. Gegenwärtig bahnt sich - aus unserer Sicht - für den Halbleiterindex eine mittelfristig positive Entwicklung an. Ein bestätigendes Signal wäre das Anziehen der DRAM-Preise.


Robert Rethfel
d
Wellenreiter-Invest






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