Nachfrage im Maschinenbau boomt
Branchenverband VDMA verbucht "gigantisches" Wachstum / Trend bei der Beschäftigung zeigt aber noch abwärts
In einem der wichtigsten Zweige der deutschen Industrie brummt es. Die Nachfrage im Maschinen- und Anlagenbau wächst zweistellig. Aus Sicht des Branchenverbands VDMA gewinnt der Aufschwung inzwischen "an Breite"
Über das derzeit "gigantische" Wachstum der Bestellungen ist der Verband Deutscher Maschinen-und Anlagenbau selbst überrascht. Auch im Mai ist der reale Auftragseingang binnen Jahresfrist um 23 Prozent geklettert. Und dies trotz Handicaps wie dem starkem Euro und der nach wie vor schwachen Nachfrage aus den anderen Ländern des Euroraums, der für 35 Prozent des gesamten Exports des Maschinen- und Anlagenbaus steht. Floriert hat dabei vor allem das Auslandsgeschäft mit einem Anstieg um 34 Prozent im Mai. Aber auch die Entwicklung im Inland könne sich mit plus vier Prozent sehen lassen, sagt VDMA-Volkswirt Olaf Wortmann.
Hoher Nachholbedarf
Da es seit Monaten aufwärts geht, spricht die Organisation nun nicht mehr nur von Belebung, sondern von einem "Aufschwung, der an "Breite" gewinne. Die Produktionsprognose für 2004 war deshalb schon auf plus vier Prozent verdoppelt worden, was sich bei anhaltendem Boom letztlich als zu konservative Schätzung herausstellen könnte. Im von kurzfristigen Schwankungen weniger beeinflussten Dreimonatsvergleich März bis Mai ergibt sich ein Anstieg von 32 Prozent bei den Bestellungen aus dem Ausland und ein Zuwachs von 17 Prozent aus der Bundesrepublik.
"Viele Branchen müssen in neue Maschinen investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben", sagt Wortmann mit Blick auf das Inland. Der Nachholbedarf sei groß. In den vergangenen drei Jahren zusammen seien die Ausrüstungsinvestitionen im Vergleich zu 2000 um 16 Prozent geschrumpft.
Getragen wird der Auftrieb vom Ausland - 70 Prozent der Produktion im deutschen Maschinen- und Anlagenbau gehen in den Export. Eifrig bestellten vor allem Kunden aus Osteuropa, die Nachfrage aus Russland wuchs zuletzt zweistellig, sagt Wortmann. Mittel- und Osteuropa bestreiten rund ein Zehntel der Ausfuhren. Und der Boom in China hält bislang an. Das Land rangiert auf Platz drei der wichtigsten Abnehmerländer, ist aber auf dem besten Wege, Frankreich von Rang zwei - nach den USA - zu verdrängen.
Viele profitieren
Dass der Aufschwung an Breite gewonnen hat, zeigt der Blick auf die Fachgruppen. Von den insgesamt 36 verbuchten im Dreimonatsvergleich März bis Mai nur fünf einen Rückgang des Ordereingangs. In acht Sparten, darunter Druckmaschinen, die Hersteller von Turbinen, Hütten- und Walzwerken, Baustoff- und Holzbearbeitungsmaschinen, seien die Order zuletzt sogar um mehr als 40 Prozent geklettert.
Die Produktionsauslastung in der Branche hat nach Darstellung des Volkswirts zwar noch nicht das Optimum erreicht. Allerdings liegt bislang auch nur die für März ermittelte Quote von 84,3 Prozent vor - das waren 1,3 Punkte mehr als im Dezember. Wortmann schätzt aber, dass die Unternehmen inzwischen schon nahe an das als ideal erachtete Niveau von 86 bis 88 Prozent herangerückt sein dürften.
Der Aufschwung im Maschinen- und Anlagenbau hat großes Gewicht. Die Branche rangiert gemessen am Umsatz an dritter Stelle nach dem Fahrzeugbau und der Elektrotechnik und führt in der hiesigen Industrie bei der Zahl der Beschäftigten.
Beim Personal zeigt der Trend allerdings weiterhin abwärts (siehe Grafik). Wortmann ist aber zuversichtlich, dass der Stellenabbau nun ausläuft und bei anhaltendem Aufschwung vielleicht am Jahresende sogar mehr Arbeitnehmer gezählt werden als bislang vom VDMA prognostiziert.
Quelle:
www.fr-aktuell.de/ressorts/...nd_boerse/wirtschaft/?cnt=462353