Eichel beharrt auf Kontrollmitteilungen ans FA


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Dixie:

Eichel beharrt auf Kontrollmitteilungen ans FA

 
23.01.03 08:54
Finanzminister Eichel beharrt auf Kontrollmitteilungen auch für Inländer

Union lehnt Aufhebung des Bankgeheimnisses ab / FDP warnt vor Schnüffelstaat / Grüne für Pragmatismus


mas. BERLIN, 22. Januar. Nach der EU-Einigung über die Zinsbesteuerung ist in Berlin ein Streit über die Notwendigkeit von Kontrollmitteilungen ausgebrochen. Die Bundesregierung verteidigte am Mittwoch ihre Absicht, auch für Inländer Kontrollmitteilungen einzuführen. Der Sprecher von Bundesfinanzminister Hans Eichel sagte am Mittwoch: "Kontrollmitteilungen sind ein notwendiges Instrument zur Wahrung der Steuergerechtigkeit und der Gleichmäßigkeit der Besteuerung." Die Union lehnte eine Aufhebung des Bankgeheimnisses ab. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Friedrich Merz meinte, Kontrollmitteilungen der Banken an die Behörden seien überflüssig. Die Liberalen warnten vor einer Schwächung des Kapitalmarkts. Eichels Politik münde in einen Schnüffelstaat, den niemand wolle, meinte ihr finanzpolitischer Sprecher, Hermann Otto Solms.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz kritisierte den EU-Kompromiß als ein Konjunkturprogramm für Schweizer Banken. Die Regel werde dazu führen, daß noch mehr Kapital in die zunächst von der Informationspflicht ausgenommenen Länder fließe. Es wäre besser gewesen, bis auf weiteres die Zinsen einer anonymen Quellensteuer zu unterwerfen, urteilte der Bundesverband deutscher Banken.

Die EU-Finanzminister hatten sich am Dienstag abend nach langem Tauziehen geeinigt. Danach werden die Finanzinstitute vom nächsten Jahr an verpflichtet, Zinserträge ausländischer Anleger dem Finanzamt im Heimatland zu melden. Belgien, Luxemburg und Österreich können statt dessen anonym eine Quellensteuer auf Zinserträge erheben (2004: 15 Prozent, von 2007 an: 20 Prozent, von 2010 an: 35 Prozent). Das hatte auch die Schweiz angeboten. 75 Prozent der Einnahmen müssen sie an das Heimatland des Bankkunden abführen.

Sozialdemokraten und Grüne begrüßten die Regelung. "Im Kampf gegen die grenzüberschreitende Steuerflucht ist damit endlich der Durchbruch gelungen", bekundete das Finanzministerium. Die Finanzpolitikerin der Grünen Christine Scheel versprach, sich für eine pragmatische Regel einzusetzen, die Steuerflüchtlingen die Rückkehr ermöglichen soll. Die Bundesregierung will mit einer Abgeltungsteuer und einer Amnestie für Selbstanzeiger bis zu 100 Milliarden Euro ins Land zurücklocken. Gestufte Abgabensätze (bis Ende des Jahres ein Viertel des Vermögens, dann 35 Prozent bis Mitte 2004) sollen die Entscheidung der Kapitalflüchtlinge beschleunigen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.01.2003, Nr. 19 / Seite 11
     
 
 
 
 
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Dixie:

Zinssteuer läßt die Schweizer kalt

 
23.01.03 09:10
EU-Zinssteuer läßt die Schweizer vorerst kalt

ZÜRICH, 22. Januar. Wenn die Politiker in der EU mal wieder einen Kompromiß feiern, empfiehlt es sich aus Erfahrung, erst einmal skeptisch zu sein. Die am Dienstag in Brüssel von den EU-Finanzministern beschlossene grenzüberschreitende Zinsbesteuerung für Auslandseinkünfte von EU-Bürgern war zur Wochenmitte das Gesprächsthema am internationalen Kapitalmarkt. 12 der 15 EU-Staaten wollen ab 2004 zu einem "Informationsaustausch auf Anfrage" zwischen den Steuerämtern der EU übergehen. Drei Länder, Luxemburg, Belgien und Österreich, wollen ihr Bankgeheimnis schützen und alternativ eine Quellensteuer auf Zinseinkünfte von zunächst 15 Prozent einführen. Dies in der Hoffnung, daß auch die Schweiz und Liechtenstein mitspielen, während man die Amerikaner vorsorglich nicht angesprochen hat. Nach und nach soll die "Strafsteuer" für Kapitalflüchtlinge dann bis auf 35 Prozent erhöht werden, eine Absichtserklärung, die vorerst kaum mehr wert sein dürfte als das Papier, auf dem sie gedruckt wurde.

In der Schweiz geht man davon aus, daß der Finanzplatz "um des lieben Friedens mit der EU willen" bei der Zinsbesteuerung wohl mitmachen wird. Denn das Bankgeheimnis bleibt uneingeschränkt bewahrt. Schon hat das Rechnen begonnen: Pro Kalenderjahr dürften die "administrativen Zinseintreibungskosten" rund 100 Millionen Franken erreichen, in 10 Jahren also eine runde Milliarde, das alles, um die EU-Sparer "zu disziplinieren".

Wie sähe die Bestrafung in der Praxis aus? In Deutschland würde die Zinssteuerbürokratie wahre Orgien feiern. Die Schweizer müßten erst mal Quellensteuer nach Deutschland anonym abführen. Steuerehrliche Bundesbürger mit Schweizer Zinseinkünften müßten Anträge auf Verrechnung der einbehaltenen Steuern mit ihren eigenen Steuerverpflichtungen stellen. Dies wäre ein Verfahren, das wegen der geplanten deutschen Inlands-Abgeltungssteuer von künftig 25 Prozent auf Zinsen wohl zur Produktion neuer Papierberge zwänge.

Doch dürfte die geplante "Zinsbürokratie nach Eichel-Art" wahrscheinlich ein Papiertiger werden, hieß es in ersten Kommentaren am Finanzplatz Schweiz. Die großen Auslandskonten sind nämlich längst in juristische Personen eingebracht worden. Diese können von der Steuer gar nicht erfaßt werden. Dies haben sich die Engländer zugunsten ihres Finanzplatzes London noch einmal von der EU bestätigen lassen. Soweit es noch größere diskrete Namenskonten von EU-Bürgern bei Schweizer Banken gibt, werden sie wohl auch in Trusts eingebracht werden. Übrig bleiben dann die Kleinkonten - für die aber werden rechtzeitig Spezialfonds vorbereitet werden, mit denen der Ausweis von Steuern vermieden werden kann.

Am internationalen Emissionsmarkt herrscht weiter Hochkonjunktur. "Bullen und Bären" - Haussiers und Baissiers - messen ihre Kräfte. Vorerst scheint das massive Angebot an Neuemissionen staatlicher und privater Schuldner den Markt aber noch nicht zu überfordern. Die großen Kapitalsammelstellen lösen Geldmarktkonten auf und erhöhen ihre Anleihebestände. Dazu kommt, daß bis zum 1. April viele Milliarden alten Anleihen zurückgezahlt werden, wofür schon jetzt Ersatz gesucht wird. In den nächsten Tagen bietet die Westdeutsche Landesbank eine Anleihe im Volumen von 1,25 Milliarden Euro mit einer Laufzeit von 10 Jahren und einem Kupon von 4,5 Prozent an. Das Land Baden-Württemberg wird eine Anleihe über eine Milliarde Euro bei mittlerer Laufzeit bis 2008 in der zweiten Wochenhälfte verkaufen. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau will "in Kürze" eine Dollar-Anleihe über 750 Millionen in den Markt bringen. Als Käufer kommen wohl Institutionen in Frage, die sich gegen Kursverluste des Dollars abzusichern verstehen. Die Deutsche Telekom hat eine fünfjährige Anleihe über eine Milliarde Euro angekündigt, die bewußt klein gestückelt über Sparkassen und Volksbanken fürs breite Publikum gedacht sein soll. Die Telekom-Anleihe mit wohl attraktiven Zinsen dürfte auch noch mit einer "Step up"-Klausel versehen werden: Würde das Rating der Telekom während der Laufzeit der Anleihe herabgestuft, würde die Kuponzahlung in den folgenden Jahren automatisch steigen.

Ein Hoffnungsschimmer zeichnet sich am Markt für Brasilien-Anleihen ab. Sollte der Regierung die große Pensionsreform gelingen, bestünde Aussicht auf eine Konsolidierung der Staatsschulden und damit auch der Rückzahlung der vielen Brasilien-Anleihen im Ausland. Der Markt honoriert diese Hoffnungen mit anziehenden Kursen. Brasilien-Bonds werden jetzt schon zwischen 72 und 78 Prozent des Nennwertes gehandelt.

HEINZ BRESTEL

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.01.2003, Nr. 19 / Seite 21
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