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In einem Punkt hat Frank Asbeck recht behalten. Die großen Versorger würden den Aufschwung der regenerativen Energien heftig zu spüren bekommen, prophezeite der Solarworld-Chef vor einigen Jahren, als Wind- und Solaranlagen in Deutschland noch selten waren. Auch wenn Asbecks schwer angeschlagene Solarfirma davon nichts mehr hat: Tatsächlich hat sich der Anteil regenerativer Energien am heimischen Stromverbrauch von 2006 bis 2012 auf 23 Prozent verdoppelt......
Waghalsige Akquisitionen
„Eon und RWE haben sich zu spät auf den Strukturwandel in Richtung Ökostrom eingestellt“, sagt Carsten Schlufter, Aktienanalyst von UBS Wealth Management. Nur ein Prozent des 2012 in Deutschland produzierten RWE-Stroms ist grün, bei Eon sind es ohne die alten Wasserkraftwerke kaum 0,5 Prozent.
In den Jahren, als Deutschlands Stromer blendend vom Verkauf zu hohen Preisen aus abgeschriebenen Kraftwerken verdienten, brachen sie zu waghalsigen Auslandsabenteuern auf, statt im regenerativen Zug mitzufahren. „Viele der Auslandsakquisitionen waren schlicht zu teuer“, bilanziert Schlufter.
Beispiel Eon: Der Konzern lieferte sich 2007 eine monatelange Übernahmeschlacht um Spaniens Versorger Endesa. Schließlich erwarb Eon Kraftwerke und Gesellschaftsanteile in Südwesteuropa für rund zehn Milliarden Euro. Zwei Jahre später musste die Firma mehr als zwei Milliarden Euro darauf abschreiben.
Auch bei der Expansion ins Gasgeschäft haben sich die Unternehmen verkalkuliert. Der Absatz sinkt europaweit, Preise und Margen schrumpfen. Nur mit Mühe und der Hilfe von Gerichten gelingt es ihnen, ihre einstmals zu überhöhten Preisen abgeschlossenen Lieferverträge mit Russland an das aktuelle Preisniveau anzupassen. Dennoch sind die Tarife angesichts der gefallenen Gaspreise nach Eon-Auskunft noch zu hoch.
....„Eon und RWE haben bei fossilen Energien ihre Stärke. Darauf sollten sie sich auch künftig konzentrieren“, empfiehlt Schlufter. Denn immerhin werden ihre Kraftwerke noch gebraucht, um den Ausbau von Sonne und Wind abzufedern. Die Bundesregierung könnte nach der nächsten Bundestagswahl entsprechende finanzielle Anreize setzen, damit es zu keiner weiteren Abschaltewelle kommt. Doch eine solche Schwalbe macht für RWE und Eon noch keinen Sommer. „Das Leiden der Stromversorger“, so Schlufter, „wird weitergehen.“
....Investor Info EON
Auf Wachstumssuche
Die Zeiten, in denen sich mit Strom aus alten Kernkraftwerken hohe Gewinne erzielen ließen, sind vorbei. Eon, das die Hälfte des Stroms mit Atomkraft erzeugt, muss seine Meiler in den kommenden Jahren abschalten. Deshalb sucht die Firma nach neuen Märkten und versucht eine Expansion ins Geschäft der erneuerbaren Energien. Das Risiko von Fehlschlägen ist groß. Scheitern die internationalen Wachstumspläne, dürfte auch die Verschuldung weiter zunehmen, was die Dividenden bedroht und eine Kapitalerhöhung wahrscheinlich macht.