Ganz anderes wissen E.On-Aktionäre zu berichten: Die Aktien zählen zu den Sorgenkindern im Dax. Der Kurs des Düsseldorfer Versorgers lag zurückgerechnet sogar 1997 schon einmal deutlich höher als aktuell. Gerade erst musste E.On 800 Millionen Euro nach Brasilien überweisen, um die dortige Energiebeteiligung MPX zu stützen. In normalen Zeiten wären die 800 Millionen Euro nicht mehr als der berühmte Griff in die Portokasse.
Doch die Zeiten für E.On sind schon lange nicht mehr normal. Die wirtschaftliche Nettoverschuldung liegt bei knapp 36 Milliarden Euro oder dem 3,3-Fachen des (bereinigten) Ergebnisses vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation (Ebitda). Ein durchwachsener Wert. Das Verhältnis aus operativem Cash-Flow und wirtschaftlicher Nettoverschuldung ist mit dem Faktor vier noch schwächer.
Übersetzt bedeutet dies, dass die Düsseldorfer vier Jahre bräuchten, um die Verschuldung auf null zu bringen – keinerlei Investitionen vorausgesetzt. Da wundert es schon, dass E.On noch Dividende zahlt. 1,10 Euro je Aktie fließen am 6. Mai in die Taschen der Aktionäre. Gemessen am aktuellen Kurs, ist das eine Rendite von gut acht Prozent. Die Ausschüttungsrendite ist jedoch nur deswegen so hoch, weil der E.On-Kurs sich vom Top fast geviertelt hat. Sie ist also mitnichten ein Zeichen von Stärke, sondern dient als fast letztes Argument für die Aktie.
Gemessen an den erwarteten Gewinnen und angesichts der hohen Schulden, ist die E.On-Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2012 von rund zwölf gut bezahlt. Zwar erhalten Anleger auf dem Papier ein Vermögen, das über ihrem Einsatz liegt. Doch spiegelt das Kurs-Buchwert-Verhältnis von nur 0,7 eher bilanzielle Risiken wider als große Kurschancen. Die Aktie ist immer gut für eine Zwischenerholung, aber derzeit kein Baustein für ein langfristig ausgerichtetes Depot.
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