Eon lässt die Sonne rein
[10:17, 24.08.11]
Von Kathrin Werner
Monatelang lobbyiert der Energiekonzern gegen die milliardenschwere Solarförderung. Doch er profitiert selbst davon: Eon verkauft chinesische Fotovoltaikmodule an deutsche Häuslebauer - unter dem Namen Eon Solar.
"Wir haben da etwas für Sie", verkündet Eon im Halbstundentakt im Radio. "Eine Solaranlage von Eon Solar." Eon Solar? Bis vor ein paar Monaten gab es diese Marke noch nicht. Über den Werbespot, den der Energiekonzern nach und nach bei den großen Radiosendern Deutschlands laufen lässt, erfährt die ohnehin krisengebeutelte Solarindustrie von ihrem jüngsten Wettbewerber - und von einem beinahe heimlichen Strategieschwenk des Düsseldorfer Konzerns.
Monatelang haben die großen Energiekonzerne bei Berliner Politikern gegen milliardenteure Solarsubventionen in Deutschland lobbyiert. "Spanien ist ein EU-Land mit besonders vielen Sonnenstunden", schwärmt Eon-Technikvorstand Klaus-Dieter Maubach noch vor Kurzem. In Südeuropa investiere er gern in Fotovoltaikparks, in Deutschland nicht, "weil es hier viel länger dauern wird, bis Solarenergie ohne hohe Subventionen wirtschaftlich ist. Bis dahin ist man von der Politik abhängig." Eine Beteiligung an einer Modulproduktion hat Eon im Mai 2010 verkauft.
Seit ein paar Wochen sieht das anders aus. Jetzt will Eon mit der einst bekämpften Technik Geld verdienen. "Es gab einfach eine enorme Nachfrage nach Solar", sagt Uwe Kolks im gegenüber der FTD. Er verantwortet bei der deutschen Eon-Vertriebstochter das Solarprojekt. "Und wenn die Nachfrage nun mal im Markt ist, muss sie auch bedient werden.
Und das wollen wir zusammen mit unseren Handwerkspartnern lieber selbst machen." Eon verkauft nun Solarmodule von dem chinesischen Hersteller Trina und vermittelt Handwerker, die sie aufs Dach schrauben. "Die Marken, die wir anbieten, wollen wir noch erweitern", sagt Kolks. "Da werden auch deutsche Hersteller dazukommen."
"Natürlich hat das Geschäft für uns auch einen Imageeffekt"
Mit der Energiewende ändert sich sogar beim Atom- und Kohlekonzern Eon das Geschäftsmodell. Im ersten Halbjahr steuerten erneuerbare Energien wie Offshore-Wind, Wasserkraft und ausländische Solarparks mit 753 Mio. Euro erstmals mehr Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen bei als die konventionelle Energie.
Allerdings zählt das Solargeschäft in Deutschland nicht zur Sparte Energieerzeugung, sondern zum Vertrieb - schließlich sind die Hausbesitzer die Eigner der Solaranlagen und damit selbst die Erzeuger. Eon ist nur Solaranlagenhändler. "Es geht uns im Vertrieb nicht um Energiepolitik, sondern um Kundenbindung", sagt Kolks. Ehe sich ökobewegte Stromkunden von Eon abwenden, verkauft ihnen der Konzern lieber verhasste Module.
Für Solarhändler ist Eon ein gefährlicher Rivale, viele der Unternehmen schreiben ohnehin rote Zahlen. Eon ist eine Marke, der die Leute Energiekompetenz zusprechen, sagt Kolks. "Wir waren vorher natürlich ein wenig unsicher, ob sich die Marke Eon auch im Vertrieb mit Solar vertragen würde." Doch die Nachfrage sei hoch und steige kontinuierlich. Eon habe schon Module mit einer Gesamtleistung von zwei Megawatt verkauft. Das ist wenig im Vergleich zur 500-mal höheren Leistung eines Atomkraftwerks. Es entspricht aber immerhin rund 200 Neukunden. Im vierten Quartal wolle Eon konkrete Absatzziele definieren.
"Natürlich hat das Geschäft für uns auch einen Imageeffekt", sagt Kolks. Eine reine PR-Aktion für das angeschlagene Bild in der Öffentlichkeit sei Eon Solar aber nicht. "Das Geschäft muss wirtschaftlich vernünftig sein und sich rechnen."

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