Danke für deinen sachlichen konstruktiven Beitrag, da gebe ich gern auch ein interessant ;-)
Natürlich gebe ich dir in vielen Punkten recht, dass die ganze Angelegenheit eine Historie hat und man auch e.on für ihr Verhalten und Handeln keinesfalls verantwortlich machen kann bzw. sollte.
Für mich stellt sich die Sache jedoch wiefolgt dar:
1. Ein politisches wirtschaftliches gesellschaftliches System ist immer dynamisch und lebendig, daher halte ich nicht viel von langfristigen Verträgen, weil sie auf den ersten Blick vielleicht Verlässlichkeit und Sicherheit schaffen, jedoch die Weiterentwicklung stören und verzögern.
2. Erkenne ich, dass in einem System etwas nicht funktioniert (Indikatoren sind Finanzkrise, aussterbende Mittelschicht, fallende Reallöhne, steigende Verschuldungen, usw.), dann muss man das System verändern und Automatismen schaffen, die diese Fehlentwicklungen ausgleichen.
Aktuell haben wie ein System, bei dem die Kugel auf einem Berg sitzt und jede Abweichung in eine sich beschleunigenden Talfahrt mündet. Was wir brauchen ist ein System, bei dem die Kugel im Tal sitzt und bei jeder Abweichung wieder in die Mitte "gezogen" wird und die Mitte quasi die Mittelschicht und das Volk in der Masse darstellt. (Thema Basisdemokratie, direkte Demokratie, Regionalisierung, Personalisierung von Unternehmen durch Förderung von Familienunternehmen, sowie mehr Eigenverantwortung durch Haftung mit privatem Vermögen, Zerschlagung von Monopolen und Oligopolen durch Steuervorteile für die Konkurrenz, Mindestlöhne statt Tarifautonomie, die eh nur den großen mächtigen Unternehmen hilft, gleiche Arbeit muss auch annähernd gleich entlohnt werden in Abhängigkeit der Lebenshaltungskosten natürlich, usw.)
3. Sehe ich E.ON nicht als den Schuldigen, sondern lediglich als ein durchaus gut geführtes Unternehmen, welches sich im Rahmen eines (assozialen) Systems bewegt. Oder anders ausgedrückt, ein Unternehmen ist Heute meist am Erfolgreichsten, wenn es am Unsozialsten ist, z.B. Steuerschlupflöcher ausnutzt, die Macht gegen Verbraucher und Konkurrenz einsetzt und den Wettbewerb verzerrt, usw.
Dabei liegt es nicht an Unternehmen wie e.on, denen man unmoralisches Verhalten wahrlich nicht vorwerfen kann, sondern werden sie quasi dazu genötigt.
Würde e.on dafür belohnt, dass sie ihre Macht nicht für überflüssige Preissteigerungen ausnutzen, würden die Kapitalmärkte e.on für ein weniger starkes Wachstum genauso belohnen und Kapital bereit stellen, so würde e.on sicherlich nicht mit Macht den Gewinn steigern wollen und würde evt. auch über die finanzielle Seite des Atomausstiegs hinweg sehen können.
Da es vom Kapitalmarkt aber nunmal nur Geld für "assoziales" Wachstum gibt, wird sich daran nix ändern.
Ergo muss man nicht e.on ändern, sondern die Rahmenbedingungen.
Im Übrigen sei hierbei zu erwähnen, dass soetwas nix mit Kommunismus zu tun hat, wenn man z.B. die Gewinne sowie Verschuldung durch neue Rahmenbedingungen "begrenzt", denn im Grunde ist es der Stand, den wir in Dtl. vor einigen Jahrzehnten mal hatten, wo sich Unternehmen wie VW eben nicht über dicke Gewinne identifizierten, sondern stattdessen über ihre Belegschaft und Rahmenbedingungen.
Damals galt ein Wachstum über 10% als übrigens als unnormal und ich kenne Unternehmer, die dies Heute immer noch für unnormal halten und stattdessen eben auf Nachhaltigkeit setzen, dafür aber weit besser und ohne jede Hilfe durch die Krisen gekommen sind.
Doch was tun wir bzw. der Staat? Wir helfen denen, die sich verspekuliert haben und bestrafen die Anderen, die es besser gemacht haben.
Wir züchten quasi Monopole, spekulierende Millionäre und Milliardäre heran, bügeln sogar noch deren Fehlspekulationen aus und bestrafen gleichzeitig die guten mittelständigen Familienbetriebe.
So sieht die Realität aus und kann es da so falsch sein, diese Realität ändern zu wollen?
Will man hierbei etwas ändern, so muss man das System ändern, denn wiegesagt all diese Fehlentwicklungen entstehen nur deshalb, weil das System in sich instabil ist und keinen ausbalancierenden Mechanismus besitzt bzw. dieser Mechanismus durch Monopolisten, Lobbiisten in der Politik ausgehebelt wird.
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