E-Logistik – die neue Superbranche?

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proxicomi:

E-Logistik – die neue Superbranche?

 
25.02.01 01:42
Edward M. Wolfe
Bear Stearns

Edward M. Wolfe ist Aktienanalyst bei Bear
Stearns und auf die Bereiche Logistik und
Supply Chain Technology spezialisiert.

E-Logistik – die neue Superbranche?

Der SCE-Bereich (Supply Chain Execution) ist relativ neu, aber er wird angesichts der
steigenden Tendenz zum Outsourcing, zur steigenden Transparenz der Beschaffungskette
und zur Kosteneinsparung rasch wachsen. Es handelt sich hier um einen dynamischen
Wirtschaftszweig, in dem viele private Unternehmen und Aktiengesellschaften drängen. Es
ist zwar noch zu früh, um sagen zu können, wer die Gewinner sind, doch steht bereits jetzt
fest, dass es mehrere sein werden für deren Identität wir eine ganze Reihe von
Anhaltspunkten haben. Für Anleger gibt es hier viele Gelegenheiten, frühzeitig in eine sich
schell entwickelnde Wachstumsbranche einzusteigen.
Wir schätzen die Logistikbranche weltweit auf
über 3 Billionen US-Dollar – wobei dem
Logistikgeschäft durch Drittunternehmen ein
Anteil von etwa 100 Milliarden US-Dollar
zukommt – und wir schätzen die jährliche
Wachstumsrate über die nächsten fünf Jahre
auf mindestens 16% ein. Den WMS-Anteil
(Warehouse Management Software =
Lagerverwaltungs-Software) dieser Gleichung
prognostizieren wir weltweit auf etwa 2 bis 3
Milliarden US-Dollar mit einer jährlichen
Umsatzwachstumsrate in den nächsten fünf
Jahren von über 30%. Den Geschäftszweig
Transportmanagement-Software (zu dem auch
solche Tools gehören wie „Track and Trace“,
Programme zur Frachtbrieferstellung,
Überweisungs- und Routing-Software,
Berechnungsprogramme internationaler
Einstandspreise und Wegsteuerungs-Software)
schätzen wir auf etwa 8 Milliarden US-Dollar bei

einer geschätzten Wachstumsrate des
Jahresumsatzes in den nächsten fünf Jahren
von über 35%.
Schnell wachsender Wirtschaftszweig im
Frühstadium
Die SCE-Unternehmen, die wir in unsere
Analyseliste aufgenommen haben, sind unserer
Meinung nach gut genug ausgerüstet, um in
andere Bereiche der Beschaffungsketten-Technologie
zu expandieren, auch wenn sie zur
Zeit stark an einen einzelnen Bereich der
Beschaffungskette gebunden sind (wie
beispielsweise Lagerverwaltung oder
Transportmanagement). Zu diesem Zeitpunkt
sprechen wir uns für Unternehmen aus, die
bereits über ein etabliertes Produkt, einen
festen Kundenbestand, Cashflow und ein
Finanzmodell mit positiven Erträgen verfügen.

Dazu gehören zum Beispiel EXE Technologies
und Manhattan Associates, die beide als WMS-Anbieter
angefangen haben, aber dabei sind,
ihre Anwendungen so zu erweitern, dass sie
über gesteigerte Fähigkeiten außerhalb der vier
Wände eines Lagerhauses verfügen. Wir gehen
davon aus, dass einige der TMS-Modelle
(Transportation Management System =
Transportmanagementsystem), wie
beispielsweise Descartes und Vastera, die
Zugkraft für Kunden erhöhen und ihren
Cashflow sowie ihre Ertragskraft und dadurch
auch ihr Risiko/Nutzen-Verhältnis verbessern
werden.
Revolution in der Beschaffungskette
Für die nächsten sechs bis zwölf Monate
erwarten wir, dass die Sichtbarkeit in der SCE-Nische
exponentiell wächst. E-Commerce und
rasanter Informationsfluss ändern die Art und
Weise, in der Unternehmen ihre Geschäfte
tätigen. Um in einem Markt langfristig
wettbewerbsfähig zu bleiben, ist das
Konkurrieren um Preise und Dienstleistungen in
letzter Zeit entscheidend geworden. Dadurch
hat die Beschaffungskette an Bedeutung
gewonnen, wie die Notwendigkeit, Produkte
und Dienstleistungen schnell und relativ billig
auf den Markt zu bringen. Die
Beschaffungsketten-Technologien im
allgemeinen (und der Fokus der SCE-Unternehmen
im besonderen) ist quer durch
alle Branchen auf Kosteneinsparungen für die
Kunden gerichtet, ebenso auf die Optimierung
der Erträge, des Cashflows und des
Dienstleistungsniveaus. Auf einen Nenner
gebracht, glauben wir, dass durch die
Kosteneinsparung bei gleichzeitiger
Optimierung des Dienstleistungsniveaus eine
nachhaltige Dienstleistungsbranche entsteht,
die sicherlich nicht wieder verschwindet.
Darüber hinaus sind Kosteneinsparungen in
allen Wirtschafts- und Industriezweigen
konsistent und entscheidend. Aus diesem
Grund sind Unternehmen, die die Instrumente
zu Kosteneinsparungen verkaufen, unserer
Meinung nach in gewisser Weise antizyklisch.
Deshalb erwarten wir, dass diese oftmals
übersehene Kehrseite aller Geschäftstätigkeit
sowohl für Business-to-Customer (B2C)- als
auch für Business-toBusiness- (B2B)-Märkte
steigende Bedeutung erlangen wird.
Zurzeit stellt sich langsam heraus, welche SCE-Drittunternehmen
die gewinnbringenden
Lösungen haben. Diese Unternehmensgruppen
wird weder ausreichend beobachtet noch
verstanden. Da sich SCE in einem frühen
Stadium befindet, wird es bis jetzt von den
Branchenanalysten so gut wie gar nicht erfasst
und anscheinend kennen nur einige wenige
Spezialisten die Antwort auf alle Fragen. Die
Folge ist, dass sich Kapitalanlegern, wenn sie
ihre Ärmel hochkrempeln und diese
Unternehmen in Augenschein nehmen, die
Gelegenheit bietet, Titel dieser
Unternehmensgruppe zu kaufen, noch bevor
die einzelnen Firmen zu großen erfolgreichen
Unternehmen heranwachsen. Wie die Tabelle 4
zeigt, hat diese relativ unbeachtete Gruppe den
Markt während der letzten 13 Monate bis zum
gegenwärtigen Zeitpunkt (24. Januar)
übertroffen. Sie stieg in diesem Zeitraum um
312% (im Vergleich zu Manhattan Associates
unverhältnismäßig viel). Zum Vergleich: die
NASDAQ fiel um 30% und der Russell 2000 um
1%. Die vier Aktiengesellschaften, die wir seit
kurzem in unserer Beobachtungsliste erfassen
werden durchschnittlich von lediglich vier oder
fünf Investmenthäusern gecovert, wobei von
diesen bezeichnenderweise drei oder vier
bereits am IPO beteiligt waren. Noch
unglaublicher erscheint das Fehlen einer
zusammenhängenden Erfassung aller
Unternehmen: vor uns hat kein anderer Analyst
alle vier Titel und nur ein anderer Analyst mehr
als zwei Aktien erfasst.
Der Markt ist enorm groß
Beim Erstellen unserer Marktschätzung 2000
bis 2004, waren wir auf 1999er Daten über die
Logistikgesamtausgaben in den USA
angewiesen, die vom Cass-Institut
zusammengestellt wurden. Aus diesen
Gesamtzahlen haben wir einen Nischenmarkt
herausgelöst, der sich für den BCO-Markt für
das Jahr 2000 auf etwa 12 Milliarden US-Dollar
beläuft, wie dies von IDC Research geschätzt
wurde. Davon ausgehend erstellten wir unsere
eigenen geschätzten Wachstumsraten für jeden
Markt. Wir schätzen die gesamten
Logistikausgaben in den USA auf etwa 959
Milliarden US-Dollar, das sind geschätzte 4%
mehr als im Vorjahr. Der bei weitem größte Teil
dieser Gesamtausgaben sind die annähernd
563 Milliarden bzw. 59%, die direkt für die
Beförderung und Lieferung per LKW, Bahn,
Flugzeug und Schiff ausgegeben werden.
Der zweitgrößte Teil der Gesamtausgaben
entfiel auf Lagerkosten, wie zum Beispiel
Gebühren, Aufwandzinsen, Lagermieten und
Abschreibungen. Wir schätzen, dass sich diese
Ausgaben während des Jahres 2000 auf
insgesamt etwa 344 Milliarden US-Dollar
beliefen. Die Logistikausgaben, die durch die
Beauftragung von Drittfirmen (Third-party
Logistics) entstehen, beliefen sich im Jahr 2000
in den USA auf weitere circa 35 Milliarden US-Dollar
bzw. 3,6% der Gesamtausgaben. Dazu
zählt zum einen der Umsatz solcher
Unternehmen, wie etwa UPS oder Menlo
Logistics, die einen großen Anteil der
Lieferungen in allen Beförderungsarten für
andere Firmen übernehmen. Zum anderen
zählt auch der Nettoumsatz hinzu, der durch
LKW-Vermittlungen an Unternehmen ohne
Fuhrpark erwirtschaftet wurde, wie
beispielsweise C.H. Robinson und
Transplace.com; aber auch durch Luft- und
Seefrachttransportunternehmen, wie etwa
Expeditors, EAGL, und UTi Worldwide, sowie
durch kombinierte LKW-Bahn-Vermittler, wie
zum Beispiel Hub Group und Pacer.
Wir weisen darauf hin, dass die tatsächlichen
Ausgaben, die an Frachttransportunternehmen
mit Fuhrpark (zu Wasser, zur Luft und zu Land)
gezahlt wurden, in unserer
Gesamtmarktberechnung zu den Transport-und
Versandkosten gerechnet wurden. Sie
wurden als Differenz zwischen Brutto- und
Nettoeinnahmen verbucht. Unserer Schätzung
nach beliefen sich die Verwaltungsgebühren
und die Gebühren für den zusätzlichen
Dienstleistungswert, der durch die
verschiedenen Anbieter ohne Sachvermögen
hinzugefügt wurde, in den USA im letzten Jahr
auf insgesamt 35 Milliarden US-Dollar. Wir
rechnen für diesen Markt mit einer jährlichen
Wachstumsrate von fast 18% in den nächsten
fünf Jahren, im Vergleich zu den reinen
Transport- und Lagerkosten, für die wir über die
nächsten vier Jahre ein jährliches Wachstum
von lediglich 1,3% erwarten, da die
Beschaffungskette immer effizienter wird. Die
Kosten für das Outsourcing von
Geschäftsprozessen beziehen sich auf Kosten,
die im Zusammenhang mit dem Outsourcing für
Software und Host-Anwendungsprogramme
entstehen zum Erstellen, Speichern und
Optimieren des Datenflusses rund um die
Beschaffungskette. Der Begriff „Business
Process Outsourcing“ (BPO) wurde von IDC
Research geprägt. IDC schlüsselt diese
ausgelagerten Dienstleistungen weiter in das
Auftragsmanagement, das Lager, den Vertrieb,
die Lieferung, die Verwaltung von
Rücksendungen und
Kundendienstanwendungen auf. Wir schätzen
den gesamten BPO-Markt in den USA auf zwölf
Milliarden Dollar, die sich zu 40 Milliarden
Dollar im Jahr 2004 steigern werden – eine
jährliche Wachstumsrate von 34,7% über die
nächsten vier Jahre.
Der Markt verspricht hohe Skalenerträge
Die Unternehmensmodelle, die wir im Bereich
der Beschaffungsketten-Technologie sehen,
bieten unserer Einschätzung nach die
Möglichkeit zu hohen Skalenerträgen. Die vier
Unternehmen, mit deren Erfassung wir vor
kurzem begonnen haben, sind Manhattan
Associates, EXE Technologies, Vastera, und
Descartes. Ein starkes Softwareprodukt bzw.
eine starke Database-Engine, die über einen
Host zur Verfügung gestellt wird, eignet sich gut
zur Erzielung von Skalenerträgen. Diese
werden etwa von Descartes und Vastera
angeboten.
Die Wachstumsgrenzen dieser Unternehmen
hängen hauptsächlich davon ab, ob sie ihre
Absatzorganisation stärken können. Dabei
können sie die Reichweite ihres Vertriebes
erweitern, indem sie sich einerseits
Beratungsfirmen (wie beispielsweise IBM
Global Services, PricewaterhouseCoopers, Cap
Gemini E&Y, usw.) zu Partnern machen und
andererseits Verbundabsatzverträge mit
anderen Firmen abschließen (wie z. B. derVertrag zwischen EXE Technologies mit i2).
Insbesondere EXE Technologies und
Manhattan Associates können, da sie in
verschiedenen vertikalen Absatzwegen
Fachwissen und Glaubwürdigkeit aufbauen, ihr
Absatzmomentum in diesen Strukturen steigern
und die notwendige Installationszeit reduzieren.
Der Umsatz aus der Bestellungsabwicklung von
Vastera bietet die Möglichkeit für Skalenerträge
da eine steigende Kundenanzahl an bereits
bestehende vertikale Absatzstrukturen
angebunden werden können. Erforderlich sind
lediglich Investitionen zum Aufbau einer
Datenbank sowohl für verschiedene vertikale
Absatzwege als auch – im Rahmen ihrer
Expansion – für das Dienstleistungsangebot in
anderen Ländern. Vasteras Geschäftszweig
des Dienstleistungsmanagements scheint
arbeitsintensiver zu sein und wir
prognostizieren geringere Skalenerträge als der
Umsatz aus der Bestellungsabwicklung.
Das Hostmodell von Descartes scheint mit
einem steigenden Umsatz aus
Transaktionsgebühren von allen Modellen das
zu sein, das die meisten Skalenerträge bieten
wird. Zwar korrelieren die Lizenzverkäufe zu
Beginn mit der Größe und Produktivität der
Absatzorganisation. Doch die anschließenden
Transaktionseinkommen erfordern relativ wenig
weitere Anstrengungen. In unseren Augen
verfügen alle SCT-Unternehmen, die wir
erfassen, über äußerst lukrative Produkte.
Erfolgreiche Cashflow- und
Kapitalrenditemodelle
Da die SCE-Unternehmen, wie oben
beschrieben, Lösungen bieten und über kein
Sachvermögen verfügen, stellt dies von Natur
aus ein äußerst lukratives Geschäft mit hohen
Kapitalrenditen dar. Die Hauptzutaten bestehen
aus geistigem Kapital und – in geringerem
Ausmaß – aus Software. Obwohl nur zwei der
vier Unternehmen, mit deren Erfassung wir
begonnen haben, zurzeit Gewinne
erwirtschaften, erwarten wir eine nachhaltige
Verbesserung der Gewinnspannen, da sich bei
steigender Kundenzahl die relativ geringe
Fixkostenstruktur positiv auswirken wird. Wir
erwarten innerhalb der nächsten zwei bis drei
Jahren für die führenden Unternehmen dieser
Gruppe eine Kapitalrentabilität zwischen 40%
und 60%, wobei die Möglichkeit für nachhaltige
Kapitalrenditen von über 60% gepaart mit
einem enormen Cashflow besteht. Manhattan
Associates, in bezug auf die Kapitlarendite und
der Generierung von liquiden Mitteln das
führende Unternehmen, hat im Geschäftsjahr
2000 bereits eine beeindruckende
Kapitalrendite von etwa 32% erwirtschaftet. Von
dieser erwarten wir, dass sie im Jahr 2003 auf
rund 60% ansteigt. Angesichts dieser
beeindruckenden Renditen prognostizieren wir
die Generierung eines starken Cashflows, von
dem wir erwarten, dass er im Jahr 2003 auf
1,84 US-Dollar je Aktie steigt. Nach unseren
Schätzungen steht EXE Technologies im
Geschäftsjahr 2000 kurz davor, liquide Mittel zu
erwirtschaften. Wir prognostizieren für das Jahr
2000 etwa 0,01 US-Dollar je Aktie. In den
Jahren 2001 und 2002 sollte sich der Betrag
auf 0,39 bzw. 0,65 US-Dollar je Aktie erhöhen.
In ähnlicher Weise erwarten wir für EXE
Technologies einen Umschwung der
Kapitalrendite von 0% im Jahr 2000 auf 62%
im Jahr 2003.
Risiken für SCE-Unternehmen
Zum Zeitpunkt dieses Berichts gibt es klare
Anzeichen für einen US-amerikanischen und
einen weltweiten Konjunkturrückgang. Der
NASDAQ liegt um mehr als 45% unter seinen
Höchstständen im März 2000, der Bear-Stearns-
SCE-Index etwa 35% unter seinem
Höchststand im Oktober. Es ist zu erwarten,
dass die IT-Aufwendungen während des Jahres
2001 bedeutend zurückgehen und die
Börsenstimmung für Wachstumsaktien ist
schlecht. Wir glauben dennoch fest daran, dass
auf Basis der Fundamentaldaten die
Qualitätstitel in der SCE-Gruppe auch in einer
konjunkturellen Abkühlung gedeihen, da
Spediteure in Zeiten von Umsatzausfällen ihr
Hauptaugenmerk auf Kosteneinsparungen
richten.
Diese Ansicht wird auch durch unsere
Erhebung des Supply-Chain-Indikator im
vierten Quartal 2000 gestärkt. Es handelt sichdabei um eine vierteljährliche Umfrage bei mehr
als 1000 Spediteuren. In dieser Umfrage
erkundigten wir uns bei den Spediteuren, ob sie
erwarten, dass ihre IT-Budgets für das Jahr
2001 verglichen mit dem Jahr 2000 höher,
niedriger oder gleich hoch ausfallen werden.
Außerdem fragten wir, ob der Prozentsatz
innerhalb dieses Budgets, der auf Ausgaben für
SCE-Lösungen entfällt, verglichen mit dem Jahr
2000 höher, niedriger oder gleich hoch sein
würde.
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25.02.01 01:45
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