Düstere Aussichten am Neuen Markt: Das fünfte Verlustquartal
Frankfurt, 2. Juli (Bloomberg) - Investoren am Neuen Markt haben schmerzlich erfahren, dass auf einen Höhenflug meist ein tiefer Fall folgt. Jetzt stellen sie sich die bange Frage, ob es nach dem Absturz jemals wieder aufwärts geht. Im zweiten Quartal hat der Frankfurter Technologie-Index 11 Prozent verloren und ist damit das fünfte Quartal in Folge abgesackt. Bei 1503,47 Zählern notiert der Index 82 Prozent unter seinem Höchststand vom 10. März 2000. Kabel New Media ist seit September das zehnte Unternehmen, das Gläubigerschutz beantragt hat, und es dürfte nicht das letzte sein. Am düstersten sieht es bei Telekommunikations- und Softwaretiteln aus. Die schlechte Performance der Aktien hat das Interesse der Anleger am Neuen Markt stark gedämpft und macht es den Unternehmen schwer, neues Kapital über Aktienemissionen einzusammeln. Das Vertrauen der Investoren "ist tief erschüttert", stellt Aktienstratege Kai Franke von der BHF-Bank in Frankfurt fest.
Die Unternehmen bleiben mit ihren Ergebnissen hinter den Erwartungen zurück und geraten gleichzeitig in Liquiditätsschwierigkeiten. "Einige werden noch Bankrott gehen und viele andere Gesellschaften werden viel länger als gedacht brauchen, um das zu erreichen, was die Anleger erwarten", konstatiert Gariesh Sharma, Fondsmanager bei Merrill Lynch & Co. in London. Erst in der letzten Woche wurde bei der Refugium Holding AG ein Insolvenzantrag gestellt. Sunburst Merchandising AG wird am 6. Juli aus dem Neuer Markt-Index ausscheiden, weil das Unternehmen kein Kapital auftreiben konnte und die Kriterien für eine Notierung nicht mehr erfüllt.
Im gerade beendeten Quartal fielen die Kurse von 248 der 342 am Neuen Markt notierten Unternehmen. Lediglich 89 Werte konnten zulegen. Der letzte Pleitekandidat Kabel New Media verzeichnete mit 89 Prozent den größten Kurseinbruch in dem Quartal. Die gesamte Marktkapitalisierung der am Neuen Markt notierten Unternehmen ist von 234 Mrd. Euro im März 2000 auf inzwischen 70 Mrd. Euro geschrumpft. Ein unschönes Beispiel für die Geldvernichtung ist Brokat AG, die Software für den Handel im Internet herstellt. Der Marktwert des Unternehmens ist von 7,7 Mrd. Euro auf 105 Mio. Euro abgesackt, während die Verluste immer größer wurden. Inzwischen verhandelt Brokat mit potentiellen Investoren, um das Überleben der Firma zu sichern.
Der Telekommunikationsindex des Neuen Marktes hat im letzten Quartal 31 Prozent seines Wertes verloren. Vor allem Telegate AG, Telesens KSCL AG und TelDaFax AG belasteten das Börsenbarometer. Kaum besser sieht es bei den Softwaretiteln aus, die im zweiten Quartal um 22 Prozent abgesackt sind. Allen voran fielen die Aktien von CAA AG, einem Produzenten von Software für die Autoindustrie. Im ersten Quartal erlitt das Unternehmen durch Expansionskosten einen Betriebsverlust. "Einige dieser Unternehmen verbrennen schon seit Jahren Geld", berichtet Franke. Einer der wenigen Lichtblicke im Neuen Markt sind Biotechnologieaktien, die sich von ihrem Einbruch im ersten Quartal erholten. MWG-Biotech AG stiegen um 81 Prozent.
Neue Kandidaten für den Neuen Markt haben es schwer, Anleger für ihre Aktien zu begeistern. Im zweiten Quartal wurden nur fünf Unternehmen am Neuen Markt neu gelistet, ebenso viele wie im ersten Quartal. In den ersten sechs Monaten des letzten Jahres brachten dagegen 82 Unternehmen ihre Aktien an den Neuen Markt. Der Windkraftanlagenhersteller Nordex AG musste im März die Zeichnungsspanne für seine Aktie ermäßigen und erzielte einen um 36 Prozent geringeren Erlös aus dem Börsengang als geplant. Pulsion Medical Systems AG legte die Börsenpläne im März vorerst auf Eis. Im Mai brachte der Hersteller von Monitoren für Intensivstationen dann seine Aktien mit einem reduzierten Ausgabepreis auf den Markt. Zentaris AG, die Biotechnologietochter der Degussa AG, hat ihren Börsengang im Juni abgesagt. "Es gibt attraktivere Anlagemöglichkeiten als den Neuen Markt", befindet Matthias Joerss, Stratege bei Sal. Oppenheim Jr. & Cie. "Ich setze auf Blue Chips und Werte mit mittelgroßer Marktkapitalisierung."
Analysten sehen die einzige Hoffnung für den Neuen Markt in Übernahmen oder dem Einstieg großer Unternehmen. GFT Technologies AG haben in diesem Jahr 70 Prozent ihres Wertes verloren. Nachdem das Computer-Consultingunternehmen am Montag bekanntgab, dass die Deutsche Bank im Rahmen einer Technologieallianz als Großaktionär einsteigt, legte die Aktie um 20 Prozent zu.
Frankfurt, 2. Juli (Bloomberg) - Investoren am Neuen Markt haben schmerzlich erfahren, dass auf einen Höhenflug meist ein tiefer Fall folgt. Jetzt stellen sie sich die bange Frage, ob es nach dem Absturz jemals wieder aufwärts geht. Im zweiten Quartal hat der Frankfurter Technologie-Index 11 Prozent verloren und ist damit das fünfte Quartal in Folge abgesackt. Bei 1503,47 Zählern notiert der Index 82 Prozent unter seinem Höchststand vom 10. März 2000. Kabel New Media ist seit September das zehnte Unternehmen, das Gläubigerschutz beantragt hat, und es dürfte nicht das letzte sein. Am düstersten sieht es bei Telekommunikations- und Softwaretiteln aus. Die schlechte Performance der Aktien hat das Interesse der Anleger am Neuen Markt stark gedämpft und macht es den Unternehmen schwer, neues Kapital über Aktienemissionen einzusammeln. Das Vertrauen der Investoren "ist tief erschüttert", stellt Aktienstratege Kai Franke von der BHF-Bank in Frankfurt fest.
Die Unternehmen bleiben mit ihren Ergebnissen hinter den Erwartungen zurück und geraten gleichzeitig in Liquiditätsschwierigkeiten. "Einige werden noch Bankrott gehen und viele andere Gesellschaften werden viel länger als gedacht brauchen, um das zu erreichen, was die Anleger erwarten", konstatiert Gariesh Sharma, Fondsmanager bei Merrill Lynch & Co. in London. Erst in der letzten Woche wurde bei der Refugium Holding AG ein Insolvenzantrag gestellt. Sunburst Merchandising AG wird am 6. Juli aus dem Neuer Markt-Index ausscheiden, weil das Unternehmen kein Kapital auftreiben konnte und die Kriterien für eine Notierung nicht mehr erfüllt.
Im gerade beendeten Quartal fielen die Kurse von 248 der 342 am Neuen Markt notierten Unternehmen. Lediglich 89 Werte konnten zulegen. Der letzte Pleitekandidat Kabel New Media verzeichnete mit 89 Prozent den größten Kurseinbruch in dem Quartal. Die gesamte Marktkapitalisierung der am Neuen Markt notierten Unternehmen ist von 234 Mrd. Euro im März 2000 auf inzwischen 70 Mrd. Euro geschrumpft. Ein unschönes Beispiel für die Geldvernichtung ist Brokat AG, die Software für den Handel im Internet herstellt. Der Marktwert des Unternehmens ist von 7,7 Mrd. Euro auf 105 Mio. Euro abgesackt, während die Verluste immer größer wurden. Inzwischen verhandelt Brokat mit potentiellen Investoren, um das Überleben der Firma zu sichern.
Der Telekommunikationsindex des Neuen Marktes hat im letzten Quartal 31 Prozent seines Wertes verloren. Vor allem Telegate AG, Telesens KSCL AG und TelDaFax AG belasteten das Börsenbarometer. Kaum besser sieht es bei den Softwaretiteln aus, die im zweiten Quartal um 22 Prozent abgesackt sind. Allen voran fielen die Aktien von CAA AG, einem Produzenten von Software für die Autoindustrie. Im ersten Quartal erlitt das Unternehmen durch Expansionskosten einen Betriebsverlust. "Einige dieser Unternehmen verbrennen schon seit Jahren Geld", berichtet Franke. Einer der wenigen Lichtblicke im Neuen Markt sind Biotechnologieaktien, die sich von ihrem Einbruch im ersten Quartal erholten. MWG-Biotech AG stiegen um 81 Prozent.
Neue Kandidaten für den Neuen Markt haben es schwer, Anleger für ihre Aktien zu begeistern. Im zweiten Quartal wurden nur fünf Unternehmen am Neuen Markt neu gelistet, ebenso viele wie im ersten Quartal. In den ersten sechs Monaten des letzten Jahres brachten dagegen 82 Unternehmen ihre Aktien an den Neuen Markt. Der Windkraftanlagenhersteller Nordex AG musste im März die Zeichnungsspanne für seine Aktie ermäßigen und erzielte einen um 36 Prozent geringeren Erlös aus dem Börsengang als geplant. Pulsion Medical Systems AG legte die Börsenpläne im März vorerst auf Eis. Im Mai brachte der Hersteller von Monitoren für Intensivstationen dann seine Aktien mit einem reduzierten Ausgabepreis auf den Markt. Zentaris AG, die Biotechnologietochter der Degussa AG, hat ihren Börsengang im Juni abgesagt. "Es gibt attraktivere Anlagemöglichkeiten als den Neuen Markt", befindet Matthias Joerss, Stratege bei Sal. Oppenheim Jr. & Cie. "Ich setze auf Blue Chips und Werte mit mittelgroßer Marktkapitalisierung."
Analysten sehen die einzige Hoffnung für den Neuen Markt in Übernahmen oder dem Einstieg großer Unternehmen. GFT Technologies AG haben in diesem Jahr 70 Prozent ihres Wertes verloren. Nachdem das Computer-Consultingunternehmen am Montag bekanntgab, dass die Deutsche Bank im Rahmen einer Technologieallianz als Großaktionär einsteigt, legte die Aktie um 20 Prozent zu.