Droht den internationalen Börsen das Japan-Syndrom ?
Die Talfahrt an den internationalen Aktienmärkten hält unvermindert an, ja sie scheint sich sogar noch dramatisch zu beschleunigen. Der Dow Jones brach erstmals seit dem 09. April 2001 unterhalb der 10.000 Punktemarke ein. Der Nikkei-225-Index in Japan stürzte in dieser Woche erstmals seit Oktober 1984, also seit knapp 17 Jahren unter die 11.000 Punkteschwelle ab. Nun droht auch der DAX die wichtige Marke bei 5.000 Zählern nicht mehr halten zu können.
Zinssenkungen verpuffen wirkungslos
Das Allheilmittel für schwache Aktienbörsen, nachhaltige Zinssenkungen, eine Waffe, die in den vergangenen zehn Jahren zumindest an den Börsen in den USA und Westeuropas immer stach scheint nun ebenso zu verpuffen, wie es bereits seit Jahren in Japan der Fall ist.
Die Bank of Japan (BoJ) fährt bereits seit nahezu 5 Jahren eine Quasi-Null-Zinspolitik. Das Ergebnis ist jedoch verheerend. Der Nikkei-225-Index erreichte im Jahr 1989 beinahe die Marke bei 40.000 Zählern und schmierte dann binnen 12 Jahren fast 75 Prozent ab. Transferiert man dieses Szenario auf den Dow Jones, so könnte der in 10 Jahren nicht bei 25.000 Punkten stehen, wie von einigen Optimisten erhofft, sondern nur bei 3.000 Zählern, im Jahr 2010 ein trauriges Mauerblümchendasein fristen.
Der DAX stünde im Jahr 2010 nicht bei 15.000 Punkten sondern nur bei rund 2.000 Punkten, wenn man den Höchststand bei 8.100 Zählern im März 2000 nimmt und einen 10 Jahre andauernden Kursrückgang von 75 Prozent unterstellt.
Ist die Lage wirklich so schlecht ?
Dies zu beantworten fällt zur Zeit nicht einfach. Es gibt noch immer keine eindeutigen Signale, dass die Konjunktur diesseits und jenseits des Atlantiks wieder an Fahrt gewinnt. Von Japan ganz zu schweigen. Zu Jahresbeginn erhoffte man sich von der US-Konjunktur noch eine V-Formation der Entwicklung. Auf einem schnellen Absturz erfolgt eine rasche Erholung. Nun ist zumindest bereits das U-Szenario Wahrheit geworden, dass nach einem raschen Absturz eine längere Konsolidierung von nöten ist, um wieder einen Aufschwung generieren zu können. Pessimisten erwarten jedoch sogar eine L-Formation. Das heißt erst in 6 bis 12 Monaten, nach einer unverhältnismäßig langen Phase der Stagnation kann sich die US-Wirtschaft wieder berappeln.
Worst-Case-Szenario: Die US-Wirtschaft schrumpft eine längere Zeit
Schwarz-Seher, oder sind dies sogar Realisten, erwarten eine Blitzförmige-Formation der konjunkturelle Entwicklung in den USA. Nach einem schnellen Absturz der US-Wirtschaft kommt eine Phase der Stabilisierung, um dann aber nochmals kräftig nach unten abzustürzen. Die US-Wirtschaft hätte demnach das schlimmste noch bevor. Anstelle der Stagnation droht nicht nur die Rezession, sondern sogar die Depression. Ein solches Ereignis liegt aber bereits einige Jahre zurück. Der Börsencrash von 1929 führte die Weltwirtschaft in die bislang tiefste Depression der Wirtschaftsgeschichte und die Völkergemeinschaft in die schwersten militärischen Auseinandersetzungen seit Menschengedenken. Eigentlich erst mit dem Ende des zweiten Weltkrieges 1945 konnte sich die weltweite Konjunktur rasch und nachhaltig erholen.