Auch mit Fonds lässt sich wieder der Einsatz verdoppeln. Doch erst auf den zweiten Blick erkennt man die wirklich erfolgreichen Börsenbullen
von Frank Stocker
Jetzt werden wieder Helden gekürt. Die Indices schwingen sich empor. Und die einschlägigen Trommler der Finanzbranche umjubeln jene Bullenreiter, die von dem übermütigen Tier am weitesten emporgeworfen wurden.
Allen voran die Manager der High-Tech-Fonds. Sie nutzten die Hausse an den Aktienmärkten in den vergangenen Monaten zu deutlichen Wertsteigerungen. So verdoppelte sich seit Anfang April beispielsweise der Kurs des Nordasia.com, ein auf asiatische Internetwerte spezialisierter Fonds von Nordinvest. "Etwas, das schon totgesagt wurde, meldet sich nun mit einem großen Knall zurück", freut sich Fondsmanager Volker Kuhnwaldt. "Das trifft auf eine Anlegerschaft, die das Thema schon abgehakt hatte, und der Kurs erstrahlt in neuer Schönheit."
Doch auch weniger spezialisierte Anlagevehikel profitierten kräftig. Einige weltweit anlegende Fonds konnten ihren Wert seit Anfang des Jahres um 20, 30 oder gar 40 Prozent steigern - während der Vergleichsindex MSCI World im gleichen Zeitraum nur ein kümmerliches Plus von rund drei Prozent hervorbrachte. Die Fondsmanager also als neue Zauberer der Finanzmärkte?
Fast scheint es so. Immerhin etwas mehr als die Hälfte der weltweit anlegenden deutschen Fonds konnte im laufenden Jahr den Vergleichsindex schlagen. Auf Sicht von einem Jahr sind es sogar erstaunliche 84 Prozent. "Nimmt man jedoch einen Zeitraum von drei Jahren als Basis, dann kommt die Wahrheit ans Licht", betont Adriaan Bonauer von der Fondsratingagentur Morningstar. Auf solch lange Sicht liegen nur 42,6 Prozent der Anlageexperten besser als ihre Benchmark. "Zumindest nach drei Jahren hat die Mehrzahl der Fondsmanager ihren Auftrag verfehlt", resümiert Bonauer daher enttäuscht.
Noch schlimmer: Viele der gegenwärtigen Überflieger sind langfristig grandiose Geldvernichter. So rangiert der Julius Baer Creativ Fonds mit einem satten Plus von 37,1 Prozent auf Platz 2 der besten Fonds seit Jahresbeginn. Doch auf der Drei-Jahres-Rangliste landet eben jener Fonds auf dem drittletzten Platz. Performance: - 89,9 Prozent. Ähnlich sieht es beim DAC-Kontrast-Universal-Fonds aus, der von dem umstrittenen Finanzunternehmer Bernd Förtsch beraten wird. Kurzfristig +23,9 Prozent. Langfristig -90,3 Prozent.
Die wahren Helden unter den Fondsmanagern sind daher nicht jene, die beim Bullenreiten die größten Sätze machen, sondern - wie im richtigen Leben auch - jene, die sich am längsten im Sattel halten. Die wirklichen Meister warten nicht mit 100-Prozent-Steigerungen auf, sondern mit einer Null bei der Performance. Denn sie haben es geschafft, die Verluste der vergangenen Jahre wenigstens annähernd auszugleichen.
Am besten ist das dem Münchener Vermögensverwalter Wolfgang Mayr gelungen. Kunden, die vor drei Jahren in seinen WM-Aktien Global UI-Fonds investierten, sind nun ungefähr wieder da, wo sie eingestiegen sind. Mayr ist der einzige Fondsmanager weit und breit, der seinen Anlegern eine solche Nachricht überbringen kann. Schon deutlich schlechter, aber im Vergleich zu allen anderen weltweit anlegenden Fonds immer noch sehr gut, haben auch der Templeton Growth Fund und der Global Fundamental Value Fund von Merrill Lynch abgeschnitten.
Obwohl Mayr auch in den vergangenen Monaten sehr gut abgeschnitten hat, rät Fondsexperte Bonauer: "Nie nach kurzfristiger Performance kaufen". Anleger sollten sich vielmehr anschauen, wie der Fonds im mehrjährigen Vergleich dasteht, wie konstant das Fondsmanagement und wie schlüssig die Investmentphilosophie ist. Das Rating von Agenturen wie Morningstar oder S&P kann dabei helfen, ist aber auch nur eine Richtschnur.
Mit den kurzfristigen Highflyern lässt sich dagegen vielleicht mal ein schneller Euro verdienen. "Für langfristige Investments sind diese spekulativen Fonds jedoch selten geeignet", sagt Adriaan Bonauer.
Seriöse Fondsmanager, die derzeit überdurchschnittlich von den Märkten profitieren, wollen daher auch gar nicht zu Heroen ausgerufen werden, sondern weisen ausdrücklich auch auf die Risiken hin. "Es muss klar sein, dass nach solch einer bemerkenswerten Performance Rückschlagspotenzial nicht auszuschließen ist", gibt Volker Kuhnwaldt zu. Heldenhaft offenherzig.
Artikel erschienen am 3. Aug 2003
WAMS.de
von Frank Stocker
Jetzt werden wieder Helden gekürt. Die Indices schwingen sich empor. Und die einschlägigen Trommler der Finanzbranche umjubeln jene Bullenreiter, die von dem übermütigen Tier am weitesten emporgeworfen wurden.
Allen voran die Manager der High-Tech-Fonds. Sie nutzten die Hausse an den Aktienmärkten in den vergangenen Monaten zu deutlichen Wertsteigerungen. So verdoppelte sich seit Anfang April beispielsweise der Kurs des Nordasia.com, ein auf asiatische Internetwerte spezialisierter Fonds von Nordinvest. "Etwas, das schon totgesagt wurde, meldet sich nun mit einem großen Knall zurück", freut sich Fondsmanager Volker Kuhnwaldt. "Das trifft auf eine Anlegerschaft, die das Thema schon abgehakt hatte, und der Kurs erstrahlt in neuer Schönheit."
Doch auch weniger spezialisierte Anlagevehikel profitierten kräftig. Einige weltweit anlegende Fonds konnten ihren Wert seit Anfang des Jahres um 20, 30 oder gar 40 Prozent steigern - während der Vergleichsindex MSCI World im gleichen Zeitraum nur ein kümmerliches Plus von rund drei Prozent hervorbrachte. Die Fondsmanager also als neue Zauberer der Finanzmärkte?
Fast scheint es so. Immerhin etwas mehr als die Hälfte der weltweit anlegenden deutschen Fonds konnte im laufenden Jahr den Vergleichsindex schlagen. Auf Sicht von einem Jahr sind es sogar erstaunliche 84 Prozent. "Nimmt man jedoch einen Zeitraum von drei Jahren als Basis, dann kommt die Wahrheit ans Licht", betont Adriaan Bonauer von der Fondsratingagentur Morningstar. Auf solch lange Sicht liegen nur 42,6 Prozent der Anlageexperten besser als ihre Benchmark. "Zumindest nach drei Jahren hat die Mehrzahl der Fondsmanager ihren Auftrag verfehlt", resümiert Bonauer daher enttäuscht.
Noch schlimmer: Viele der gegenwärtigen Überflieger sind langfristig grandiose Geldvernichter. So rangiert der Julius Baer Creativ Fonds mit einem satten Plus von 37,1 Prozent auf Platz 2 der besten Fonds seit Jahresbeginn. Doch auf der Drei-Jahres-Rangliste landet eben jener Fonds auf dem drittletzten Platz. Performance: - 89,9 Prozent. Ähnlich sieht es beim DAC-Kontrast-Universal-Fonds aus, der von dem umstrittenen Finanzunternehmer Bernd Förtsch beraten wird. Kurzfristig +23,9 Prozent. Langfristig -90,3 Prozent.
Die wahren Helden unter den Fondsmanagern sind daher nicht jene, die beim Bullenreiten die größten Sätze machen, sondern - wie im richtigen Leben auch - jene, die sich am längsten im Sattel halten. Die wirklichen Meister warten nicht mit 100-Prozent-Steigerungen auf, sondern mit einer Null bei der Performance. Denn sie haben es geschafft, die Verluste der vergangenen Jahre wenigstens annähernd auszugleichen.
Am besten ist das dem Münchener Vermögensverwalter Wolfgang Mayr gelungen. Kunden, die vor drei Jahren in seinen WM-Aktien Global UI-Fonds investierten, sind nun ungefähr wieder da, wo sie eingestiegen sind. Mayr ist der einzige Fondsmanager weit und breit, der seinen Anlegern eine solche Nachricht überbringen kann. Schon deutlich schlechter, aber im Vergleich zu allen anderen weltweit anlegenden Fonds immer noch sehr gut, haben auch der Templeton Growth Fund und der Global Fundamental Value Fund von Merrill Lynch abgeschnitten.
Obwohl Mayr auch in den vergangenen Monaten sehr gut abgeschnitten hat, rät Fondsexperte Bonauer: "Nie nach kurzfristiger Performance kaufen". Anleger sollten sich vielmehr anschauen, wie der Fonds im mehrjährigen Vergleich dasteht, wie konstant das Fondsmanagement und wie schlüssig die Investmentphilosophie ist. Das Rating von Agenturen wie Morningstar oder S&P kann dabei helfen, ist aber auch nur eine Richtschnur.
Mit den kurzfristigen Highflyern lässt sich dagegen vielleicht mal ein schneller Euro verdienen. "Für langfristige Investments sind diese spekulativen Fonds jedoch selten geeignet", sagt Adriaan Bonauer.
Seriöse Fondsmanager, die derzeit überdurchschnittlich von den Märkten profitieren, wollen daher auch gar nicht zu Heroen ausgerufen werden, sondern weisen ausdrücklich auch auf die Risiken hin. "Es muss klar sein, dass nach solch einer bemerkenswerten Performance Rückschlagspotenzial nicht auszuschließen ist", gibt Volker Kuhnwaldt zu. Heldenhaft offenherzig.
Artikel erschienen am 3. Aug 2003
WAMS.de