Technologie-Aktien haben eine harte Zeit hinter sich: Keine Branche wurde im Abschwung der letzten zwei Jahre so gebeutelt wie die Hightechs. Doch im Zuge des immer wahrscheinlicheren Konjunkturaufschwungs könnte das Comeback der Verschmähten unmittelbar bevorstehen.
Lange ist es her: Vor etwas mehr als zwei Jahren erklommen Hightech-Werte ihren bisherigen Gipfel. Bei exorbitanten 5000 Punkten notierte die Technologiebörse Nasdaq am 10. März 2000 - das Allzeithoch. Was danach folgte, ging als einer der dramatischsten Crashs in die Börsengeschichte ein: 75 Prozent verlor die Nasdaq in der Spitze vom Hoch, mehr als 90 Prozent büßte gar das deutsche Wachstumssegment, der Neue Markt, ein.
Seitdem sind Analysten nicht müde geworden, das Ende der Technologie-Baisse zu beschwören. Erst die Internet-Garde um Henry Blodget (Merrill Lynch), dann auch Goldman Sachs-Vorzeigefrau Abbey Cohen: Immer wieder wurden Kaufchancen für die einstigen Highflyer bemüht. Geholfen hat es niemandem - Blodget hat inzwischen den Analystenjob an den Nagel gehängt, Joseph Cohen wird bei Experten-Einschätzungen immer konsequenter gemieden. Geblieben sind indes die Sorgen um die Hightechs.
Hightechs: Noch dominiert die Skepsis
Daran hat sich auch trotz der jüngsten Wirtschaftsdaten, die auf einen baldigen Konjunkturaufschwung hindeuten, wenig geändert: Gegen den Aufwärtstrend des breiten Marktes verlor die Technologiebörse Nasdaq seit Jahresbeginn mehr als vier Prozent. Exemplarisch für den Status quo der Technologiebranche übte sich auch Schwergewicht Oracle vorletzte Woche in Zurückhaltung. Nachdem der Hersteller von Datenbanken die Investoren mit einem schwachen Ausblick für das Gesamtjahr verschreckt hatte, enttäuschte Oracle auch noch bei der Bekanntgabe der aktuellen Quartalszahlen.
Zwar konnten die Analystenerwartungen gerade noch getroffen werden, doch der Software-Gigant musste im abgelaufenen dritten Quartal des Geschäftsjahres einen deutlichen Gewinn-einbruch vermelden. Zudem senkte Ellison die Gewinnprognose für das kommende vierte Quartal um fast ein Viertel! Die Aktie verlor seit Bekanntgabe der Quartalszahlen zweistellig.
Reduzierte Analysten-Erwartungen
Angesichts solcher Enttäuschungen sind die Analysten bei ihren Einschätzungen inzwischen vorsichtiger geworden. So äußerte Goldman Sachs-Analyst Rick Sherlund die Vermutung, dass Microsoft, das mit 350 Milliarden Dollar höchst bewertete Technologie-Unternehmen der Welt, im nächsten Quartal unter den Analystenerwartungen bleiben werde. Die Aktie des Redmonder-Unternehmens gab am selben Handelstag mehr als fünf Prozent nach.
Nicht besser traf es zuletzt die Aktie des Netzwerkausrüsters Juniper Networks. Der Cisco-Herausforderer kam nach einer Herabstufung von ABN Amro deutlich unter die Räder. Aufgrund des "kompetitiven Umfelds" reduzierte die Investmentbank die Einschätzung für die Aktie von "Zukaufen" auf "Halten".
Auch der zuletzt wieder erstarkte Onlinehändler Amazon musste in der Analystengunst einen herben Rückschlag einstecken. Nach einem Kommentar von Lehman Brothers gaben die Amazon-Papiere deutlich nach. Die bekannte Internet-Analystin Holly Becker hat erklärt, der faire Wert der Aktie liege ihrer Meinung nach lediglich zwischen 10 bis 13 Dollar - also bis zu einem Drittel unter dem aktuellen Kurs.
Zuversicht bei HSBC Trinkaus
Deutlich mehr Optimismus versprüht indes Klaus Lüpertz, Leiter des Bereichs Private-Banking-Strategie bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Gegenüber manager-magazin.de erklärte Lüpertz exklusiv: "Unser Szenario sieht eine wirtschaftliche Erholung in 2002 vor. In einem solchen Umfeld haben sich konjunktursensitive Titel stets sehr gut entwickelt. Zu den letztgenannten Aktien zählen zweifellos auch die Techwerte, so dass wir in 2002 von einer guten Entwicklung der Technologieaktien ausgehen, wenn auch mit deutlich geringeren Zuwachsraten als noch vor zwei oder drei Jahren."
Technologiewerte gelten vor allem deshalb als heiße Wette auf den Konjunkturaufschwung, weil sie schneller als andere Branchen von einer wirtschaftlichen Erholung profitieren. Als so genannte "Prozykliker" reagieren sie früh auf eine steigende Investitionsbereitschaft bei Unternehmen und Konsumenten. Ebenso profitieren sie von den aggressiven Zinssenkungen der amerikanischen Notenbank: Die Zinsbelastung der verschuldeten Konzerne wird dadurch geringer - potenzielle Kunden können ihre Aufträge leichter finanzieren. In Verbindung mit den gesunkenen Energiepreisen und den Steuererleichterungen der Bush-Regierung werden die niedrigen Zinsen so zum Hauptargument der Volkswirte für eine spürbare Erholung der US-Wirtschaft im zweiten Halbjahr.
Infineon, STMicro und Nokia als Favoriten
Sich dabei in Branchensegmenten zu versteigen, hält Lüpertz für unangemessen: "Ich glaube nicht, dass sich wirklich überlegene Sektoren ausmachen lassen. Alle Subsegmente werden in der Aufschwungphase gewinnen. Die dominierenden Unternehmen werden dann die großen Player in jedem Bereich sein, die erfahrungsgemäß Zeiten wie die vergangenen zwölf Monate trotz aller Schwierigkeiten nutzen können, um den kleinen Anbietern Marktanteile abzunehmen, die Kostenseite effizienter zu gestalten und so ihre Marktposition zu festigen." Zu seinen Technologiefavoriten zählt der Trinkaus-Analyst die Halbleiterwerte Infineon, STMicro sowie den finnischen Mobilfunkausrüster Nokia.
Die Stunde der Wahrheit könnte schon in der nächsten Woche schlagen, wenn die berüchtigte Ertragssaison startet. Nach Angaben von First Call haben die Unternehmen im Vergleich zu den vier Vorquartalen zwischen 27 und 40 Prozent weniger gewarnt - ein Indiz auf verbesserte Quartalsergebnisse. Den Auftakt bilden am kommenden Montag und Dienstag traditionell der Mobilfunkanbieter Motorola, der B2B-Softwareproduzent Ariba und das Internetportal Yahoo.
Lange ist es her: Vor etwas mehr als zwei Jahren erklommen Hightech-Werte ihren bisherigen Gipfel. Bei exorbitanten 5000 Punkten notierte die Technologiebörse Nasdaq am 10. März 2000 - das Allzeithoch. Was danach folgte, ging als einer der dramatischsten Crashs in die Börsengeschichte ein: 75 Prozent verlor die Nasdaq in der Spitze vom Hoch, mehr als 90 Prozent büßte gar das deutsche Wachstumssegment, der Neue Markt, ein.
Seitdem sind Analysten nicht müde geworden, das Ende der Technologie-Baisse zu beschwören. Erst die Internet-Garde um Henry Blodget (Merrill Lynch), dann auch Goldman Sachs-Vorzeigefrau Abbey Cohen: Immer wieder wurden Kaufchancen für die einstigen Highflyer bemüht. Geholfen hat es niemandem - Blodget hat inzwischen den Analystenjob an den Nagel gehängt, Joseph Cohen wird bei Experten-Einschätzungen immer konsequenter gemieden. Geblieben sind indes die Sorgen um die Hightechs.
Hightechs: Noch dominiert die Skepsis
Daran hat sich auch trotz der jüngsten Wirtschaftsdaten, die auf einen baldigen Konjunkturaufschwung hindeuten, wenig geändert: Gegen den Aufwärtstrend des breiten Marktes verlor die Technologiebörse Nasdaq seit Jahresbeginn mehr als vier Prozent. Exemplarisch für den Status quo der Technologiebranche übte sich auch Schwergewicht Oracle vorletzte Woche in Zurückhaltung. Nachdem der Hersteller von Datenbanken die Investoren mit einem schwachen Ausblick für das Gesamtjahr verschreckt hatte, enttäuschte Oracle auch noch bei der Bekanntgabe der aktuellen Quartalszahlen.
Zwar konnten die Analystenerwartungen gerade noch getroffen werden, doch der Software-Gigant musste im abgelaufenen dritten Quartal des Geschäftsjahres einen deutlichen Gewinn-einbruch vermelden. Zudem senkte Ellison die Gewinnprognose für das kommende vierte Quartal um fast ein Viertel! Die Aktie verlor seit Bekanntgabe der Quartalszahlen zweistellig.
Reduzierte Analysten-Erwartungen
Angesichts solcher Enttäuschungen sind die Analysten bei ihren Einschätzungen inzwischen vorsichtiger geworden. So äußerte Goldman Sachs-Analyst Rick Sherlund die Vermutung, dass Microsoft, das mit 350 Milliarden Dollar höchst bewertete Technologie-Unternehmen der Welt, im nächsten Quartal unter den Analystenerwartungen bleiben werde. Die Aktie des Redmonder-Unternehmens gab am selben Handelstag mehr als fünf Prozent nach.
Nicht besser traf es zuletzt die Aktie des Netzwerkausrüsters Juniper Networks. Der Cisco-Herausforderer kam nach einer Herabstufung von ABN Amro deutlich unter die Räder. Aufgrund des "kompetitiven Umfelds" reduzierte die Investmentbank die Einschätzung für die Aktie von "Zukaufen" auf "Halten".
Auch der zuletzt wieder erstarkte Onlinehändler Amazon musste in der Analystengunst einen herben Rückschlag einstecken. Nach einem Kommentar von Lehman Brothers gaben die Amazon-Papiere deutlich nach. Die bekannte Internet-Analystin Holly Becker hat erklärt, der faire Wert der Aktie liege ihrer Meinung nach lediglich zwischen 10 bis 13 Dollar - also bis zu einem Drittel unter dem aktuellen Kurs.
Zuversicht bei HSBC Trinkaus
Deutlich mehr Optimismus versprüht indes Klaus Lüpertz, Leiter des Bereichs Private-Banking-Strategie bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Gegenüber manager-magazin.de erklärte Lüpertz exklusiv: "Unser Szenario sieht eine wirtschaftliche Erholung in 2002 vor. In einem solchen Umfeld haben sich konjunktursensitive Titel stets sehr gut entwickelt. Zu den letztgenannten Aktien zählen zweifellos auch die Techwerte, so dass wir in 2002 von einer guten Entwicklung der Technologieaktien ausgehen, wenn auch mit deutlich geringeren Zuwachsraten als noch vor zwei oder drei Jahren."
Technologiewerte gelten vor allem deshalb als heiße Wette auf den Konjunkturaufschwung, weil sie schneller als andere Branchen von einer wirtschaftlichen Erholung profitieren. Als so genannte "Prozykliker" reagieren sie früh auf eine steigende Investitionsbereitschaft bei Unternehmen und Konsumenten. Ebenso profitieren sie von den aggressiven Zinssenkungen der amerikanischen Notenbank: Die Zinsbelastung der verschuldeten Konzerne wird dadurch geringer - potenzielle Kunden können ihre Aufträge leichter finanzieren. In Verbindung mit den gesunkenen Energiepreisen und den Steuererleichterungen der Bush-Regierung werden die niedrigen Zinsen so zum Hauptargument der Volkswirte für eine spürbare Erholung der US-Wirtschaft im zweiten Halbjahr.
Infineon, STMicro und Nokia als Favoriten
Sich dabei in Branchensegmenten zu versteigen, hält Lüpertz für unangemessen: "Ich glaube nicht, dass sich wirklich überlegene Sektoren ausmachen lassen. Alle Subsegmente werden in der Aufschwungphase gewinnen. Die dominierenden Unternehmen werden dann die großen Player in jedem Bereich sein, die erfahrungsgemäß Zeiten wie die vergangenen zwölf Monate trotz aller Schwierigkeiten nutzen können, um den kleinen Anbietern Marktanteile abzunehmen, die Kostenseite effizienter zu gestalten und so ihre Marktposition zu festigen." Zu seinen Technologiefavoriten zählt der Trinkaus-Analyst die Halbleiterwerte Infineon, STMicro sowie den finnischen Mobilfunkausrüster Nokia.
Die Stunde der Wahrheit könnte schon in der nächsten Woche schlagen, wenn die berüchtigte Ertragssaison startet. Nach Angaben von First Call haben die Unternehmen im Vergleich zu den vier Vorquartalen zwischen 27 und 40 Prozent weniger gewarnt - ein Indiz auf verbesserte Quartalsergebnisse. Den Auftakt bilden am kommenden Montag und Dienstag traditionell der Mobilfunkanbieter Motorola, der B2B-Softwareproduzent Ariba und das Internetportal Yahoo.