In der Regel, so kann man in ungezaehlten Buechern lesen,
hat die Boerse gegenueber Entwicklungen der Realwirtschaft
einen Vorlauf von sechs bis zwoelf Monaten. Auf diesem
Zusammenhang fusst auch die Charttechnik, deren Vertreter
fuer sich in Anspruch nehmen, Trendwenden an den Wertpapiermaerkten
frueher identifizieren zu koennen als Fundamentalanalysten,
die Unternehmenszahlen, konjunkturelle und monetaere Eckdaten
untersuchen. Die fundamentalen Gruende fuer eine Trendwende,
so die Ueberzeugung der Chartisten, wuerden mit mehrmonatiger
Verspaetung nachgeliefert.
Wenn man die Entwicklung in den USA betrachtet, kommen
allerdings Zweifel auf, ob die Regel diesmal greifen wird.
Im Dezemberquartal 2002 sind die Gewinne amerikanischer
Unternehmen zum dritten Mal in Folge gestiegen. Kaum jemand
zweifelt daran, dass dieser Trend auch in den ersten drei
Monaten 2003 anhalten wird. Auf Unternehmensebene haben wir
das Tief also bereits vor etwa einem Jahr gesehen. Theoretisch
haette die nunmehr seit drei Jahren anhaltende Baisse an den US-
Aktienmaerkten demnach spaetestens im Herbst 2001 enden muessen.
Davon kann leider keine Rede sein; von einer wirklichen Trendwende
ist noch immer weit und breit nichts zu sehen.
Die Exzesse der spaeten 90er Jahre sind abgebaut. Der Nasdaq
Composite Index hat das Niveau von Ende 1996 erreicht, und von
einer Ueberbewertung der US-Aktien gegenueber Staatsanleihen
kann laengst keine Rede mehr sein. Dennoch kommt die Wall Street
nicht in die Gaenge, und das hat viel mit Psychologie zu tun.
Man koennte den Eindruck gewinnen, die Anleger warteten nur
auf Argumente sich von Aktien zu verabschieden. Ein gutes
Beispiel dafuer lieferte vor wenigen Tagen die Reaktion auf
die Zahlen von Hewlett-Packard (HP): HP hatte im vierten
Quartal 2002 die Gewinnprognosen der Analysten klar uebertroffen.
Zudem hat das Unternehmen auf der Kostenseite nachhaltige Erfolge vorzuweisen. Der Umsatz blieb allerdings hinter den Erwartungen
zurueck. Das reichte, um die Aktie – immerhin ein Dow-Jones-Wert
- am naechsten Handelstag um zeitweise 20 Prozent einbrechen zu
lassen. Mit Vernunft und Zahlen hat so etwas nicht viel zu tun.
So hat zum Beispiel AOL Time Warner im selben Quartal zwar den
hoechsten Umsatz seiner Geschichte erzielt, gleichzeitig aber
einen Verlust von 98,7 Milliarden Dollar verbucht. Noch niemals
hat ein Unternehmen in einem so kurzen Zeitraum soviel Geld
vernichtet – da verblassen selbst die Zahlen der Deutschen Telekom.
Zur Zeit muss die Irak-Krise und die damit verbundene Unsicherheit
als Begruendung fuer viel Irrationales herhalten, was an der
Wall Street und an anderen Boersen passiert. Weil es sich
hier um eine Entweder-oder-Frage handelt – Krieg oder kein
Krieg -, kann die Stimmung schlagartig kippen. Nach den
Verlusten der letzten drei Jahre, und weil die Boersianer
positive Tendenzen bei zahlreichen Unternehmen und Branchen
derzeit einfach nicht zur Kenntnis nehmen wollen, sollte man
sich allmaehlich positionieren, um die Wende nicht zu verpassen.
Das gilt nicht nur fuer die USA; auch viele Aktien aus Deutschland
und anderen europaeischen Laendern sind nach allen Regeln
der Wertpapieranalyse so billig wie seit 20 Jahren nicht mehr.
Wohl dem, der nach dem Desaster der letzten drei Jahre das
noetige Geld hat, die aktuellen Ausverkaufskurse zu nutzen.
(QUELLE: Doersambriefe.de)
=================================================
Ich würde dem zustimmen, aber wer will das denn noch hören?
So long,
Calexa
www.investorweb.de
hat die Boerse gegenueber Entwicklungen der Realwirtschaft
einen Vorlauf von sechs bis zwoelf Monaten. Auf diesem
Zusammenhang fusst auch die Charttechnik, deren Vertreter
fuer sich in Anspruch nehmen, Trendwenden an den Wertpapiermaerkten
frueher identifizieren zu koennen als Fundamentalanalysten,
die Unternehmenszahlen, konjunkturelle und monetaere Eckdaten
untersuchen. Die fundamentalen Gruende fuer eine Trendwende,
so die Ueberzeugung der Chartisten, wuerden mit mehrmonatiger
Verspaetung nachgeliefert.
Wenn man die Entwicklung in den USA betrachtet, kommen
allerdings Zweifel auf, ob die Regel diesmal greifen wird.
Im Dezemberquartal 2002 sind die Gewinne amerikanischer
Unternehmen zum dritten Mal in Folge gestiegen. Kaum jemand
zweifelt daran, dass dieser Trend auch in den ersten drei
Monaten 2003 anhalten wird. Auf Unternehmensebene haben wir
das Tief also bereits vor etwa einem Jahr gesehen. Theoretisch
haette die nunmehr seit drei Jahren anhaltende Baisse an den US-
Aktienmaerkten demnach spaetestens im Herbst 2001 enden muessen.
Davon kann leider keine Rede sein; von einer wirklichen Trendwende
ist noch immer weit und breit nichts zu sehen.
Die Exzesse der spaeten 90er Jahre sind abgebaut. Der Nasdaq
Composite Index hat das Niveau von Ende 1996 erreicht, und von
einer Ueberbewertung der US-Aktien gegenueber Staatsanleihen
kann laengst keine Rede mehr sein. Dennoch kommt die Wall Street
nicht in die Gaenge, und das hat viel mit Psychologie zu tun.
Man koennte den Eindruck gewinnen, die Anleger warteten nur
auf Argumente sich von Aktien zu verabschieden. Ein gutes
Beispiel dafuer lieferte vor wenigen Tagen die Reaktion auf
die Zahlen von Hewlett-Packard (HP): HP hatte im vierten
Quartal 2002 die Gewinnprognosen der Analysten klar uebertroffen.
Zudem hat das Unternehmen auf der Kostenseite nachhaltige Erfolge vorzuweisen. Der Umsatz blieb allerdings hinter den Erwartungen
zurueck. Das reichte, um die Aktie – immerhin ein Dow-Jones-Wert
- am naechsten Handelstag um zeitweise 20 Prozent einbrechen zu
lassen. Mit Vernunft und Zahlen hat so etwas nicht viel zu tun.
So hat zum Beispiel AOL Time Warner im selben Quartal zwar den
hoechsten Umsatz seiner Geschichte erzielt, gleichzeitig aber
einen Verlust von 98,7 Milliarden Dollar verbucht. Noch niemals
hat ein Unternehmen in einem so kurzen Zeitraum soviel Geld
vernichtet – da verblassen selbst die Zahlen der Deutschen Telekom.
Zur Zeit muss die Irak-Krise und die damit verbundene Unsicherheit
als Begruendung fuer viel Irrationales herhalten, was an der
Wall Street und an anderen Boersen passiert. Weil es sich
hier um eine Entweder-oder-Frage handelt – Krieg oder kein
Krieg -, kann die Stimmung schlagartig kippen. Nach den
Verlusten der letzten drei Jahre, und weil die Boersianer
positive Tendenzen bei zahlreichen Unternehmen und Branchen
derzeit einfach nicht zur Kenntnis nehmen wollen, sollte man
sich allmaehlich positionieren, um die Wende nicht zu verpassen.
Das gilt nicht nur fuer die USA; auch viele Aktien aus Deutschland
und anderen europaeischen Laendern sind nach allen Regeln
der Wertpapieranalyse so billig wie seit 20 Jahren nicht mehr.
Wohl dem, der nach dem Desaster der letzten drei Jahre das
noetige Geld hat, die aktuellen Ausverkaufskurse zu nutzen.
(QUELLE: Doersambriefe.de)
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Ich würde dem zustimmen, aber wer will das denn noch hören?
So long,
Calexa
www.investorweb.de