N E U E R M A R K T
In einem verbalen Rundumschlag versucht der Chef der Deutschen Bank den Zusammenbruch des Neuen Marktes zu erklären. Auch für das eigene Haus räumt er Versäumnisse und mangelnde Sorgfalt ein.
Frankfurt/Main - Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Rolf Breuer, hat eine Mitschuld der Banken am Kursdesaster eingeräumt. Bei der Begleitung von Börsengängen der Unternehmen habe das Geldgewerbe oftmals "mangelnde Sorgfalt" walten lassen, sagte Breuer am Montag auf einer Veranstaltung des Frankfurter Vereins "Finanzplatz" zu den Perspektiven des Neuen Marktes. Die Institute müssten sich stärker ihrer "Pflicht einer sorgfältigen Kontrolle" bei der Auswahl von Börsen-Kandidaten bewusst werden.
Der Chef der größten deutschen Bank betonte jedoch, dass alle Börsen-Akteure am Absturz des Neuen Marktes beteiligt gewesen seien. So habe die Deutsche Börse AG als Hausherr in den Anfangsjahren des 1997 ins Leben gerufenen Marktsegments mit einem unzureichenden Regelwerk operiert. Analysten hätten mit zu optimistischen Urteilen die "Stimmung" hochgeschraubt, Anleger in ihrer "Zeichnungseuphorie" nicht richtig hingeschaut. "Unseriöse Marktteilnehmer" hätten das Image außerdem zusätzlich geschädigt.
Breuer zeigte sich dennoch optimistisch, dass die Krise bald überwunden sein könnte. Der Finanzplatz Deutschland brauche einen funktionierenden Markt für Risikokapital. "Der Neue Markt hat eine zweite Chance nicht nur verdient, wir müssen sie ihm auch geben", sagte er. Er forderte dazu ein "Stabilitätsprogramm". Gesetzgeber, Börse und Marktteilnehmer sollten gemeinsam für mehr Transparenz und Anlegerschutz sorgen. Die Unternehmen des Neuen Marktes müssten zudem profitable Geschäftsmodelle liefern.
Die Bundesregierung verspricht rasche gesetzliche Maßnahmen zur Verbesserung des Anlegerschutzes in Deutschland. Die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundeswirtschaftsministerium, Margareta Wolf (Grüne), kündigte in Frankfurt an, möglicherweise schon im Oktober könne das 4. Finanzmarktförderungsgesetz verabschiedet werden und dann 2002 in Kraft treten. Dieses schaffe eine Voraussetzung, das Vertrauen der Anleger in die Börsenlandschaft zu stärken. Unter anderem sollen Kursmanipulationen schärfer verfolgt und die Kompetenzen der Aufsichtsbehörden neu verteilt werden.
Die späten Einsichten des Rolf Breuer
In einem verbalen Rundumschlag versucht der Chef der Deutschen Bank den Zusammenbruch des Neuen Marktes zu erklären. Auch für das eigene Haus räumt er Versäumnisse und mangelnde Sorgfalt ein.
Frankfurt/Main - Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Rolf Breuer, hat eine Mitschuld der Banken am Kursdesaster eingeräumt. Bei der Begleitung von Börsengängen der Unternehmen habe das Geldgewerbe oftmals "mangelnde Sorgfalt" walten lassen, sagte Breuer am Montag auf einer Veranstaltung des Frankfurter Vereins "Finanzplatz" zu den Perspektiven des Neuen Marktes. Die Institute müssten sich stärker ihrer "Pflicht einer sorgfältigen Kontrolle" bei der Auswahl von Börsen-Kandidaten bewusst werden.
Der Chef der größten deutschen Bank betonte jedoch, dass alle Börsen-Akteure am Absturz des Neuen Marktes beteiligt gewesen seien. So habe die Deutsche Börse AG als Hausherr in den Anfangsjahren des 1997 ins Leben gerufenen Marktsegments mit einem unzureichenden Regelwerk operiert. Analysten hätten mit zu optimistischen Urteilen die "Stimmung" hochgeschraubt, Anleger in ihrer "Zeichnungseuphorie" nicht richtig hingeschaut. "Unseriöse Marktteilnehmer" hätten das Image außerdem zusätzlich geschädigt.
Breuer zeigte sich dennoch optimistisch, dass die Krise bald überwunden sein könnte. Der Finanzplatz Deutschland brauche einen funktionierenden Markt für Risikokapital. "Der Neue Markt hat eine zweite Chance nicht nur verdient, wir müssen sie ihm auch geben", sagte er. Er forderte dazu ein "Stabilitätsprogramm". Gesetzgeber, Börse und Marktteilnehmer sollten gemeinsam für mehr Transparenz und Anlegerschutz sorgen. Die Unternehmen des Neuen Marktes müssten zudem profitable Geschäftsmodelle liefern.
Die Bundesregierung verspricht rasche gesetzliche Maßnahmen zur Verbesserung des Anlegerschutzes in Deutschland. Die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundeswirtschaftsministerium, Margareta Wolf (Grüne), kündigte in Frankfurt an, möglicherweise schon im Oktober könne das 4. Finanzmarktförderungsgesetz verabschiedet werden und dann 2002 in Kraft treten. Dieses schaffe eine Voraussetzung, das Vertrauen der Anleger in die Börsenlandschaft zu stärken. Unter anderem sollen Kursmanipulationen schärfer verfolgt und die Kompetenzen der Aufsichtsbehörden neu verteilt werden.