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Die Schiedsrichter - Pressespiegel


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schnee:

Die Schiedsrichter - Pressespiegel

 
23.06.02 17:13
"Profiteure einer wohl gesinnten Spielleitung"

Der tägliche Fußball-Pressespiegel von "indirekter-freistoss". Heute: Respekt vor den WM-Leistungen der vermeintlichen Außenseiter, aber auch Kritik an den angeblich schwachen Schiedsrichterleistungen, von denen besonders Deutschlands Halbfinalgegner Südkorea profitiert haben soll.

"Der World Cup im Fernen Osten ist der ideale Schauplatz, um hier eine Bestmarke zu erreichen - und sich dort bereits die Nächste vorzunehmen. Wer hat noch nicht? Wer will nochmals? Die vermeintlich Großen und Starken dieses Geschäfts verabschieden sich nacheinander, in die Bresche springen die so genannten Kleinen, für die jeder Tag mit einem Rekord garniert werden kann."

Dieses Resümee der "Neuen Zürcher Zeitung am Sonntag" (NZZaS) ist dem Halbfinaleinzug der beiden Mannschaften aus Südkorea und Türkei (eigentlich auch dem deutschen Erfolg) geschuldet. Doch in die Freude über den Erfolg der "Kleinen" mischt sich angesichts mancher Schieds- und Linienrichterleistungen der Wermutstropfen der Ungerechtigkeit, wie man auch an den Aussagen zahlreicher Fußballautoren ablesen kann. Die "Frankfurter Zeitung am Sonntag" (FAS) bezeichnet Südkoreas aufstrebenden Turnierauftritt als eine "Märchenreise mit Zweifeln".

"Am Establishment arg gerüttelt"

Mark Schilling ("NZZaS") zieht ein Zwischenfazit nach den Viertelfinals. "Eine der Kardinalfragen vor der XVII. Fußball-WM lautete: Wie würde sich der Umstand auswirken, dass die Leistungsschau globalen Fußballschaffens erstmals auf "neutralem Terrain" und nicht auf europäischem oder amerikanischem Grund stattfindet? Wer kann sich besser an die ungewohnten Bedingungen anpassen? Die "großen" Südamerikaner? Oder doch die europäischen Favoriten? Nach drei Wochen Weltfußball auf asiatischem Grund ist die Fragestellung längst zu Makulatur geworden. Und bereits jetzt kann das Fazit gezogen werden, dass der World Cup 2002 als derjenige in Erinnerung bleiben wird, an welchem am Establishment arg gerüttelt wurde."

"Sportlicher Wettbewerb verschärft"

Michael Ashelm ("FAS") fasst zusammen. "Die Globalisierung des Fußballs hat den sportlichen Wettbewerb verschärft und Außenseitern den Eintritt nun sogar in allerhöchste Ränge ermöglicht. Noch nie gelangte ein asiatisches Fußballteam bei einer WM in diese Sphären, geschweige denn ihre türkischen Sportskameraden (...) Das Establishment sucht verzweifelt Gründe: Es beklagt die unsichre Regelauslegung schwacher Unparteiischer. Oder sieht eine Wettbewerbsverzerrung, weil Teams aus Südkorea, Japan und den Vereinigten Staaten sich monatelang auf das Weltturnier vorbereiten konnten, ohne dabei auf Spieler verzichten zu müssen, die für ihre Klubs mehr als achtzig Spiele pro Saison bestreiten (...) Die neuen Verhältnisse beschäftigen auch den Generalsekretär der Vereinten Nationen. Kofi Annan, ein Ghanaer, hat das Ganze auf eine politische Ebene gehoben und erklärt, dass aus dieser Entwicklung alle Benachteiligten der Welt neue Hoffnung schöpfen könnten."

"Vielleicht nur ein Zufall und doch peinlich genug"

Zur Schiedsrichterdiskussion wirft Roland Zorn ("FAS") ein. "Dem sportlich allenfalls mittelmäßigen Wert dieser andererseits aufregenden WM der Überraschungen haben die erstaunlichen zahlreichen Misstöne der Schiedsrichter und das wilde Fähnchenschwenken der Linienrichter zusätzlich geschadet. Italien ist bei der Weltmeisterschaft schlecht weggekommen, auch Portugal und nun Spanien - und jedes Mal war der Gastgeber Südkorea im Spiel. Vielleicht nur ein Zufall und doch peinlich genug."

Mark Schilling ("NZZaS") zum Turnierauftritt des Co-Gastgebers. "Auf Grund des Gezeigten stehen die unglaublich lauffreudigen Südkoreaner nicht zufällig im Halbfinal, doch im gleichen Atemzug darf nicht verschwiegen werden, dass sie sowohl im Achtelfinal gegen Italien als auch im gestrigen Viertelfinal gegen Spanien in entscheidenden Situationen Profiteure einer ihnen sehr wohlgesinnten Spielleitung waren. Drei Siege und ein Remis später sind sie nun am Dienstag Gastgeber - und zugleich Favorit."

"Besondere Textdramaturgie des Turniers"

Felix Reidhaar ("NZZaS") über den Faktor Glück. "Dem Team aus dem Veranstalterland war es im entscheidenden Moment (Penaltyschießen) gut gesinnt, aber zuvor schon hatte es zum dritten Mal hintereinander von indiskutablen Fehlentscheiden des Spielleitertrios - der Linienrichter - profitiert. Auch dieser Umstand beeinflusst die besondere Textdramaturgie des Turniers in Asien. Es sind nicht mehr wie früher die so genannt Kleinen, die von den Schiedsrichtern wegen Hierarchiedenkens benachteiligt werden. Jetzt trifft es das Establishment mit schmerzlicher Wucht. Portugal, Italien und Spanien, der gesamte lateinische Hochadel Europas, wissen davon ein Trauerlied zu singen. Sie waren alle klar favorisiert in die Spiele gegen den Gastgeber gegangen, aber erst die Spanier wurden am Samstagnachmittag dieser Rolle standesgemäß gerecht."

"Freistoß, Kopfball, Tor"

"Arme Sieger" findet Michael Horeni ("FAS"). "Sieger sehen anders aus. So wie Brasilianer. Oder Südkoreaner. Oder Türken. Da wird getanzt, gesungen und gelacht, als gebe es kein Morgen mehr. Und nicht nur für eine Minute nach dem Schlusspfiff mal kurz die Arme hochgerissen. Aber wer es bei der Fußball-WM unter die vier besten Mannschaften der Welt bringt, sich aber dennoch keinen Jubel gönnt und nicht einmal gute Miene zum schlechten Spiel macht - dessen Herkunft ist bei dieser Weltmeisterschaft ziemlich leicht zu identifizieren: Freudloser Fußball des Jahres 2002 kommt aus Deutschland (...) Es wirkte fast so, als müsste sich die DFB-Auswahl für ihre Siege in der K.o.-Runde noch rechtfertigen, wenn Kahn und eine große Portion Glück ausreichen, um die Deutschen schon jetzt zum Low-Standard-Weltmeister in Asien zu machen. Freistoß, Kopfball, Tor."


"indirekter-freistoss" ist die tägliche Fußball-Presseschau des Zentrums für Medien und Interaktivität (ZMI) der Justus-Liebig-Universität Gießen. Unter der Leitung von Redakteur Oli Fritsch sucht ein Team aus jungen Wissenschaftlern in Tageszeitungen nach Neuigkeiten aus der Welt des Fußballs. Die Homepage bietet dem Fußballfreund aktuelle Hintergrundinformationen, zudem ein attraktives Gewinnspiel, Buchtipps und einen täglichen Newsletter.
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