Die Rückkehr der Dinos


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Die Rückkehr der Dinos

 
27.04.03 12:34
Börsenbaisse, hohe Kosten und Konkurrenzdruck: Der Fondsbranche stehen schwere Zeiten bevor. Gewinner werden die Großen und Nischenanbieter sein
von Frank Stocker

Wir sind immer noch eine Wachstumsbranche." Wenn Axel-Günter Benkner, Chef des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI), über die Zukunft seiner Branche spricht, klingt es wie das Pfeifen im Walde. Denn das Vermögen in Publikums- und Spezialfonds ging im vergangenen Jahr um rund sechs Prozent auf 862 Milliarden Euro zurück. Die Netto-Mittelzuflüsse fielen um 18 Prozent auf etwas über 65 Milliarden Euro. Gegenüber dem Jahr 2000 haben sie sich sogar fast halbiert.


Doch so düster das Gesamtbild für die Branche auch wirkt, einige Gewinner gibt es auch in dieser Situation. So stieg beispielsweise das Vermögen des DWS Vermögensbildungsfonds I auch im vergangenen Jahr noch leicht an - obwohl die Performance alles andere als berauschend war. Fast ein Drittel ihres Geldes verloren die Anleger innerhalb eines Jahres. Und dennoch investieren sie weiter. "Diese stabilen Mittelzuflüsse stammen aus den hunderttausenden Sparplänen, die auf diese Produkte laufen", erklärt Lars Kolbe von der Fonds-Rating-Agentur Feri Trust das Phänomen. Damit verfügen viele große Fonds über ein sicheres Polster. Zwei andere Beispiele sind der Templeton Growth und der Fidelity European Growth Fonds. Auch hier sorgen Sparpläne, aber auch eine gewisse Bekanntheit im Markt für konstante Zuflüsse. "Diese Flaggschiffprodukte werden zudem entsprechend beworben und gehegt und gepflegt", ergänzt Kolbe.


Die großen, bekannten Fonds trotten also gemächlich durch die Börsenkrise. Die kleineren Fondsgesellschaften kommen durch die Baisse dagegen allmählich ins Wanken. Opfer wird es geben. "Ich erwarte in den kommenden Jahren eine Zunahme an Fusionen, Übernahmen und Konzentrationen", prophezeit beispielsweise Karl Stäcker, Chef der BHF-Tochter Frankfurt Trust, die den achten Platz am deutschen Markt belegt. Seiner Meinung nach arbeiten viele deutsche Fondshäuser schon lange mit Verlust. Denn die Anleger investieren nicht nur weniger in Fonds. Sie verschmähen zudem die Aktienfonds und setzen ganz auf Geldmarkt-, Renten- und Immobilienfonds. Hier liegen die Gebühren jedoch wesentlich niedriger.


Die Einnahmen vieler Fondsgesellschaften sind daher in den vergangenen Jahren noch wesentlich dramatischer gesunken, als es die Zahlen zu Fondsvermögen und Mittelzuflüssen vermuten lassen. Zu einigen Veränderungen am Markt hat das schon geführt. Nachdem die Allianz sich die Dresdner Bank einverleibt hatte, wurden auch die jeweiligen Fondsgesellschaften, Allianz Kapitalanlagegesellschaft und Deutscher Investment Trust (Dit), verschmolzen. Die Deutsche-Bank-Tochter DWS kaufte Zürich Invest und Franken Invest. Die Commerzbank verkaufte ihren US-Ableger Montgomery. Sal. Oppenheim gab sein Fondsgeschäft in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem US-Finanzdienstleister Prumerica.


Die meisten Banken schleppten ihre einstigen Geldvermehrer jedoch bislang unverändert mit durch. Doch seitdem die Mutterhäuser selbst in Schieflage gerieten, wird der Druck größer. So zückte die HypoVereinsbank-Tochter Activest, sechstgrößter Fondsanbieter, vor kurzem den Rotstift und strich jede zehnte Stelle. Rund 50 der 520 Mitarbeiter müssen gehen.


Dabei ist die Activest ein Musterbeispiel dafür, wie die Goldgräberstimmung der späten neunziger Jahre zum Aufbau von Überkapazitäten führte. Bis Februar 1999 hielten sich HypoVereinsbank und Commerzbank noch die Allgemeine Deutsche Investmentgesellschaft (Adig) als gemeinsame Fondsgesellschaft. Dann übernahmen die Frankfurter für 600 Millionen Mark den 43-prozentigen Anteil der Münchener, die sich dafür mit der Activest endlich ein eigenes Kind zulegten. Jetzt, nur vier Jahre später, verwünschen viele HypoVereinsbank-Manager jene Entscheidung und würden sie am liebsten rückgängig machen. Dieter Rampl, der neue Bankchef, bietet sich dem einstigen Partner auch schon wieder mehr oder weniger offen an: "Wenn ein Zusammengehen der Fondstöchter sinnvoll ist, bin ich gesprächsbereit."


Die gelbe Bank hat ihre Adig unterdessen mit dem Spezialfondsgeschäft der Commerzinvest und der Vermögensverwaltung CAM unter dem Dach der neuen Gesellschaft Cominvest Asset Management zusammengeführt. Das sollte Kosten sparen. Doch es reicht wohl nicht. Die Bank hat ihrer Tochter knallharte Ziele vorgegeben. Für den Fall, dass auch diese Hürde wieder gerissen wird, droht Friedrich Schmitz, Leiter des Geschäftsfeldes Asset Management der Commerzbank, schon mal mit dem bisher Undenkbaren: dem Verkauf. "Die Cominvest wird nicht mehr als Kernaktivität definiert", nennt er das neue Credo der Commerzbanker.


Das ist nur logisch in einer Zeit, da die so genannte "offene Architektur" ihren Siegeszug vollendet. Fast alle Großbanken verkaufen in ihren Filialen inzwischen Fonds fremder Anbieter. "In einer letzten Welle dürften sich bald auch Sparkassen und Volksbanken öffnen", sagt Klaus-Jürgen Baum, Geschäftsführer von Fidelity Investments in Deutschland. Dann sind die letzten Schranken für den Wettbewerb gefallen. Und dann könnte es auch für die Sparkassentochter Deka und die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, Union, ungemütlicher werden.


Baum kann sich darüber besonders freuen, denn zu seinen Produkten gehört mit dem Fidelity European Growth Fonds nicht nur einer der drei großen Dinos. Fidelity ist auch die erfolgreichste ausländische Fondsgesellschaft in Deutschland. Schon seit über zehn Jahren ist sie hier zu Lande aktiv und hat sich mittlerweile einen Marktanteil von fast zwei Prozent erobert. Doch auch all die anderen amerikanischen und britischen Gesellschaften, ob Janus, F & C, Schroder, JPMorgan Fleming, M&G oder T. Rowe Price, haben auf dem deutschen Markt Fuß gefasst. Sie dürften zu den Gewinnern einer weiteren Öffnung des Fondsmarktes gehören.


Aber auch deutsche Unternehmen, die bisher nicht im Privatkundengeschäft aktiv waren, greifen die Besitzstände der traditionellen deutschen Fondsfabriken an. So drängt HSBC Trinkaus, die bisher nur institutionelle Anleger betreute, seit einigen Monaten mit Macht auf den Markt. Im Rücken haben sie eine der größten Banken der Welt.


Doch egal ob Dino oder kleiner Nischenanbieter: Für alle wächst derzeit eine Konkurrenz, die eigentlich alle Argumente auf ihrer Seite hat: börsengehandelte Fonds. Diese Produkte, die auch als Exchange Traded Funds oder Indexaktien bezeichnet werden, steigerten ihren Monatsumsatz in den vergangenen drei Jahren an der deutschen Börse von 156 Millionen auf 3,1 Milliarden Euro. "Keine Frage, das ist eine echte Konkurrenz", bekennt daher auch DWS-Geschäftsführer Klaus Kaldemorgen, der auch seit Jahren den DWS Vermögensbildungsfonds I managt (siehe Interview, S. 2). Meist werden für die Indexprodukte nur 0,5 Prozent an Verwaltungsgebühren fällig. Einen Ausgabeaufschlag gibt es nicht, zudem werden sie an der Börse auch noch fortlaufend gehandelt. Für übliche Publikumsfonds hingegen wird nur einmal am Tag der Preis bestimmt. Und das entscheidende Argument: Nur wenige der aktiven Fondsmanager schlagen langfristig ihren Vergleichsindex. In den USA beherrschen passive Produkte folglich schon 40 Prozent des Marktes.


Bis dahin ist es in Deutschland noch ein weiter Weg. Doch der Trend geht unablässig weiter in diese Richtung. Die großen Fondsanbieter werden die wachsende Konkurrenz aushalten können. Auch einige Nischen-Player werden sich halten. Auf das breite Mittelfeld dürften dagegen schwere Zeiten zukommen.


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