Die Reformbremser des Jahres


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Die Reformbremser des Jahres

 
22.12.03 15:41
Während die einen um Veränderung kämpfen, blockieren die anderen.
Eine kleine Rückschau auf 2003.

Kein anderer Politiker hat im Jahr 2003 so enttäuscht wie Guido Westerwelle, Parteivorsitzender der FDP. Und keine andere Partei wich so weit von ihrem Programm ab wie die Liberalen.

Sicherlich hat der Tod Jürgen W. Möllemanns einen Schock ausgelöst, der die führenden Köpfe der FDP monatelang beschäftigte. Menschlich ist es nachvollziehbar, dass Westerwelle nach Möllemanns tragischem Sprung lange zu wichtigen Fragen schwieg. Politisch aber bleibt unverständlich, warum die FDP bei grundlegenden Reformvorhaben auf Widerstandskurs ging und die Regierung daran hinderte, mehr Marktwirtschaft einzuführen.

Führende Liberale in der obersten Bundespolitik sind derzeit Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, SPD, sowie dessen Staatssekretäre Alfred Tacke, SPD, und Rezzo Schlauch, Grüne. Sie haben in diesem Jahr all die Forderungen aufgestellt, die eigentlich von der FDP kommen müssten: Lockerung von Kündigungsschutz, Tarifverträgen und Handwerksordnung, Schwächung der Gebührenordnung für Architekten, Ende des Rechtsberatungs-Monopols für Anwälte, Subventionsabbau sowie Entbürokratisierung.

Westerwelle und seine Parteifreunde haben nichts Nennenswertes zur Debatte beigetragen, sondern haben im Gegenteil Politik für ihre Klientel betrieben. Besonders ärgerlich ist, dass FDP-Politiker gegen die Abschaffung der staatlichen Gebührenordnung für mehrere freie Berufe zu Felde zogen, den Meisterzwang in zahlreichen Handwerkszweigen verteidigten, eine Reform der Besoldung von Staatsdienern aufhalten und - das ist die Spitze - gegen die Abschaffung der Eigenheimzulage waren, obwohl sie in Sonntagsreden den Abbau von Subventionen fordern.


Eigentlich ist die FDP keine richtige Partei mehr, sondern ein Lobbyist für Interessen einzelner Berufsgruppen. Da ist es nur folgerichtig, dass Fraktionsmitglied Günter Rexrodt im Vorstand einer Lobbyfirma sitzt und Aufsichtsratsmandate bei einer PR-Firma, einem Strukturvertrieb sowie Investmentgesellschaften innehat. Als Aufsichtsrat der Agiv Real Estate AG und der Maklerfirma DTZ Zadelhoff muss Rexrodt aus Loyalität gegen eine Änderung der Subventionen für die Bauwirtschaft sein. Rexrodt ist das Symbol der modernen FDP: nicht ein Parlamentarier, der nebenher noch seinem Hauptberuf nachgeht, sondern ein bezahlter Lobbyist, der anders als seine PR-Kollegen nicht im Foyer warten muss, sondern im Bundestag die Gesetzgebung selbst beeinflussen darf.

Kräftig gebremst haben auch die Handwerker. Dieter Philipp, Präsident des Zentralverbands, verdient eine Goldene Handbremse für seine Verhinderungsleistung 2003. Ihm ist es tatsächlich gelungen, 41 Berufe vor der Abschaffung des Meisterzwangs und damit rund 90 Prozent der Betriebe vor den Widernissen der freien Marktwirtschaft zu retten. In letzter Minute hatte er die Artenschutzliste von 39 auf 41 erweitert, indem er die Brunnenbauer und Büchsenmacher unter den Schutz des mittelalterlichen Handwerkskartells nahm. Stolz verkündete Philipp tags darauf: "Der Meisterbrief bleibt das Gütesiegel."

Deutschland kann beruhigt in die Weihnachtsferien fahren, denn auch künftig dürfen Brunnen nicht von Gesellen gebohrt werden, auch wenn sie seit 20 Jahren nichts anderes tun, als Brunnen bohren. Brillen kommen weiter vom Optiker-Meister. Und Schwerhörige atmen auf, weil auch in Zukunft nur zertifizierte Akustiker Hörgeräte verkaufen. Für 2004 sollte Philipp sich vornehmen, den Handy-Akustiker als Meisterberuf einzuführen, denn Millionen Deutsche werden von ungeprüften Handy-Händlern zum Kauf teurer Geräte verführt, dabei ist die einwandfreie Leistung von Telefonen mindestens so überlebenswichtig wie die von Hörgeräten.

Die Riege der Unions-Ministerpräsidenten von Edmund Stoiber bis zu Roland Koch steht auf der Bremser-Liste, weil sie es geschafft hat, Kanzler Schröders Reformagenda neun Monate lang im Ungewissen zu halten und den Effekt der Steuersenkung völlig verpuffen zu lassen. Wenige Tage vor Jahresende halbierten sie das Volumen der Einkommensteuersenkung, womit das Volk ohnehin schon gerechnet und deshalb vorsichtshalber gar nicht erst zu viel Geld in Geschenke investiert hatte. Auf das Scheitern einer mutigen Reform zu setzen ist in Deutschland immer eine sichere Wette. Gewonnen haben wieder diejenigen, die erst gar nicht gehofft hatten, Schröder könne mit seinem Plan durchkommen.

Unbestrittene Oberbremser waren 2003 die Gewerkschaften. Souverän verteidigten sie ihren angestammten ersten Platz. Metaller Jürgen Peters wäre es fast gelungen, der ostdeutschen Wirtschaft mit Hilfe der 35-Stunden-Woche den Garaus zu machen, scheiterte zum Glück am Unverständnis der Öffentlichkeit, bekam zum Trost aber den Ersten Vorsitz der IG Metall zugesprochen. DGB-Chef Michael Sommer kämpfte einen verbissenen Kampf gegen Schröders Agenda 2010, verkündete nacheinander einen "heißen Sommer", "heißen Herbst" und "heißen Winter", konnte das Publikum allerdings nicht recht mobilisieren. Ausgebremst haben die Gewerkschaften in diesem Jahr vor allem sich selbst.

In wenigen Tagen beginnt ein neues Spiel. Auch das Jahr 2004 wird für die Bremser viele Herausforderungen bereithalten. Freuen wir uns auf weitere Spitzenleistungen.

www.ftd.de/pw/de/1071904449199.html?nv=sky
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54reab:

Union zerhäckselt das Merz-Modell

 
22.12.03 16:52
STEUERREFORM 2.0

Union zerhäckselt das Merz-Modell


Von Severin Weiland

Mit seinen Vorschlägen für eine radikale Vereinfachung des Steuersystems erntete Unions-Fraktionsvize Friedrich Merz viel Beifall. Am Wochenende zeigte sich auch Kanzler Schröder verhandlungsbereit. Nur die Union weiß noch nicht so recht, ob sie das von ihrem eigenen Steuerexperten entworfene Modell gutheißen soll.

Berlin - Von vorweihnachtlicher Stimmung war am Montag in der Bundespressekonferenz wenig zu spüren. Als hätte es nicht vor vier Tagen die Verabschiedung der dritten Stufe der Steuerreform im Bundesrat und Bundestag nicht gegeben, ging es schon mit dem nächsten Großprojekt weiter: Dem von CDU-Fraktionsvize Friedrich Merz noch vor kurzem als "Große Steuerreform" apostrophierten Vorhaben. Die Bundesregierung sei "sehr interessiert" daran, den Gesprächsfaden für eine "Vereinfachung des Steuerrechts" aufzunehmen, versicherte Vize-Regierungssprecher Hans Langguth.
Erst am Wochenende hatte sich der Kanzler dazu in einem Interview mit einem Massenblatt geäußert und flugs selbst dafür gesorgt, dass über die gerade eben vollzogene Steuerreform 2003 schon nach wenigen Tagen kaum mehr die Rede ist. "Jetzt lassen Sie erst einmal die vielen neuen Gesetze, die wir mit dem Vorziehen der Steuerreform gerade beschlossen haben, Wirklichkeit werden", zeigte sich Gerhard Schröder zwar gegenüber der "Bild am Sonntag" ein wenig genervt darüber, dass ihm sein Weihnachtsthema schon nach 48 Stunden zerredet wurde. Weil aber in der Politik nie Stillstand herrscht, ging Schröder gleich in die Offensive: Er sei durchaus dafür, sich mit der Union zusammenzusetzen und eine "Vereinfachung des Steuersystems" zu erarbeiten.

So weit so gut. Doch bedeutet "Vereinfachung" schon gleich eine weitere Steuersenkung? In wie weit das möglich sei, hänge davon ab, ob die Union sich bei der Frage der Subventionskürzungen bewege, reagierte eher verhalten Vizeregierungssprecher Langguth.

Das Merz-Modell

Einfach liegen die Dinge also nicht. Zur Erinnerung: Merz' Modell einer vereinfachte Einkommensteuer mit drei Stufen - 12, 24 und 36 Prozent - und einem einheitlichem Grundfreibetrag von 8000 Euro im Jahr sowie einem Arbeitnehmerfreibetrag von 1000 Euro lässt nur durch kräftige Subventionsstreichungen gegen finanzieren. Denn irgendwo her muss das Geld für die öffentliche Hand her kommen, dass die Opposition dem Bürger in die Taschen geben will.

Doch in der Frage der Subventionskürzungen - die im Merz-Modell vorgesehen ist - zieht die Union in der Praxis - noch - nicht mit. Beispiel Vermittlungsausschuss: Die von Rot-Grün gewollte vollständige Streichung der Eigenheimzulage wurde in den Verhandlungen verhindert - jetzt fallen nur noch 30 Prozent dem Rotstift zum Opfer. Auch innerhalb der Union dürften so manche Ministerpräsidenten nicht allzu erfreut sein, wenn das Merz-Modell samt seinen radikalen Subventionskürzungen eines Tages wirklich vor dem Praxistest stünde. Was mancher CDU-Ministerpräsident hinter vorgehaltener Hand denkt, brachte der CDU-Haushaltsexperte Dietrich Austermann kürzlich auf die folgenden Formel: Der entscheidende Vorteil eines neues Steuerkonzepts werde die Vereinfachung sein, "nicht das Volumen der Entlastung". Im Klartext: Nicht mehr Geld in den Taschen, sondern im Zweifelsfall mehr Klarheit beim Ausfüllen von Steuererklärungen könnte am Ende bei Gesprächen über die "Große Steuerreform" herauskommen.

Denn eines ist unbestritten - und das bis in die Reihen der Union: Das Merz-Modell ist zwar bürgerfreundlich, aber teuer. 20 bis 25 Milliarden Euro, so der Sprecher des Bundesfinanzministerium am Montag, Jörg Müller, würde das Merz'sche Modell zur Lohn- und Einkommenssteuer kosten. Zudem warte man noch auf die Vorschläge der Union zur Kapitalbesteuerung. Ein indirekter Hinweis, dass das Gegenfinanzierungsvolumen aus Sicht der Bundesregierung dann noch höher ausfallen könnte. Wie auch immer: Das vielgepriesene Merz-Modell, das voraussichtlich im Frühjahr im Bundestag als Gesetzesantrag von der Union eingebracht wird, muss sich zudem erst noch dem CSU-Test unterziehen.


Eichels fehlende Druckmaschine


In der Bundespressekonferenz wurde am Montag das Stichwort "Faltlhauser" fallengelassen, Bayerns Finanzminister. Der CSU-Politiker ist vom Merz-Modell nicht gerade angetan. Er möchte am bisherigen linear-progressiven Tarif festhalten - im Gegensatz zu Merz mit seinem Stufenmodell. Faltlhauser will einen höheren Spitzensteuersatz als Merz, der aber erst bei einem höheren Einkommen wirksam werden soll. Im Konzept von Merz greift der Spitzensteuersatz von 36 Prozent bei einem Einkommen von 40000 Euro. Im bayerischen Finanzministerium war erst vor wenigen Tagen via "Süddeutsche Zeitung" erklärt worden, das Merz-Modell würde 24 Milliarden Euro kosten. Kämen noch die CDU-Vorschläge zum Kindergeld hinzu, wäre man bei 40 Milliarden Euro. Unbezahlbar sei das, hieß es. CSU-Chef Edmund Stoiber hatte zwar kurz darauf Merz in der "Welt am Sonntag" für sein Modell gelobt - zugleich aber auch auf die Lücke von 24 Milliarden hingewiesen, die Faltlhausers Ministerium errechnet haben will. "Die muss geschlossen werden", mahnte Bayerns Ministerpräsident.

Angesichts des Klärungsbedarfs zwischen CDU und CSU kann die Bundesregierung erst einmal abwarten. Man sei "gespannt auf eine geschlossenes Konzept" der Union, stichelte am Montag der Sprecher des Bundesfinanzministers in der Bundespressekonferenz. Und Vize-Regierungssprecher Langguth brachte es auf folgende Formel: Wenn es in Sachen Steuervereinfachung auch zu weiteren Entlastungen kommen solle, dann könne die Union nicht auf ihren Positionen bei den Subventionen beharren. Es sei ja nun nicht so, dass im Keller des Bundesfinanzministerium eine Druckmaschine stehe.

Quelle: www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,279521,00.html
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Alles Menschen guten Willens

 
22.12.03 18:16
Statt übers Wochenende ihren freitäglichen Harmoniekater auszupennen, wollen Regierung und Opposition jetzt gleich noch einen drauflegen und zügig mit einer großen Steuerreform anfangen. Die Generäle Söder (CSU) und Meyer (CDU) griffen einen entsprechenden Vorstoß des Kanzlers auf und gaben in der Welt zum Besten, nach dem Angebot müssten jetzt aber auch ernsthafte Taten folgen.

So läuft das nun mal: Wenn die Sozis Unionskonzepte übernehmen, müssen sie schon konkrete Vorschläge machen, ehe die Union die wieder zerfleddern kann.
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Kritiker:

Hallo Happy!

 
22.12.03 18:35
Seit 5 Jahren regiert verantwortlich die SPD!! - und nicht:
die FDP oder die CDU. Hast Du das mitgekriegt? - Dann sortier doch diese Erkenntnis richtig ein.
Daß der Schröder ohne die Opposition nichts zuwege bringt, ist doch wohl nicht sein Können? Und was macht er ohne Fremd-Kommisiionen??
Was tun eigentlich seine 360 Leute im Kanzleramt den ganzen Tag außer Kosten machen?
Trotzdem ein schönes Weihnachten - das ist wenigstens wahr! - Kritiker.
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Happy End:

Moin!

 
22.12.03 18:37
Bundesrat!
Ohne meinen Anwalt sach ich nichts mehr ;-)
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54reab:

die fdp ist eine echte lachnummer

 
22.12.03 18:44
- schon seit jahren. die größten sprücheklopfer der republik. die grünen verströmen nur verlogene moralinsäure. die größte lehrerveranstaltung deutschlands.

bei cdu/spd/csu habe ich bewertungsschwierigkeiten. aber
ich hatte schon vor der wahl einen traum. und es ist so gekommen:

Die Reformbremser des Jahres 1315983


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Müder Joe:

Diese gesamte Ankündiger- und Arschlöcher-

 
22.12.03 19:01
veranstaltung ist schon seit Jahren sowas von gar nicht mehr lustig, daß einem echt die Spucke wegbleibt. Und jeder letzte Rest von Humor, mit dem man das noch ertragen könnte.

Ich habe langsam das Gefühl, nachzuempfinden, wie es anno 32 war: Hauptsache irgendeinen Depp wählen, auch wenn es ein Österreicher ist, damit sich wenigstens irgendwas ändert. Weil: schlimmer kann es wohl nicht mehr werden.
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Happy End:

Nu aber

 
23.12.03 11:51
;-)
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