Die Probleme der schweizer Banken


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Die Probleme der schweizer Banken

 
23.02.03 22:28
Den Schweizer Privatbanken steht keine massive Konsolidierungswelle bevor. Davon ist Ivan Pictet, Partner des gleichnamigen Genfer Geldhauses, überzeugt.


Zwar seien einige Institute in den späten 90er Jahren zu rasch gewachsen, sagte Pictet im Gespräch mit der FTD. Doch mittlerweile hätten alle mit Kostenschnitten reagiert. Für sein eigenes Haus, das zu den drei größten unabhängigen Schweizer Vermögensverwaltern zählt, blickt Pictet vergleichsweise zufrieden auf das vergangene Jahr: "Gemessen am Neugeldzufluss war es das zweitbeste unserer Geschichte."

Auf den kleineren Häusern lasten zusätzlich zu den anhaltenden Problemen der ganzen Finanzbranche unter anderem hohe Fixkosten, etwa für unausweichliche IT-Investitionen oder die Einhaltung bankaufsichtlicher Regeln. Außerdem sind mehrere Institute erst zur Jahrtausendwende richtig in Expansionslaune gekommen.


Hartnäckig halten sich Gerüchte, dass einige Schweizer Häuser bald keine Wahl mehr haben, als in die Arme eines Partners zu flüchten. Jüngstes Opfer ist Vontobel. Über die Privatbank berichteten Schweizer Medien am Wochenende, sie verhandle mit Partnern über eine Überkreuzbeteiligung.


"Die Schweiz ist overbanked und die Zahl der Institute wird in den kommenden fünf Jahren sicher weiter abnehmen. Aber das heißt nicht, dass wir in Kürze überstürzte Übernahmen sehen", wiegelt Pictet ab. Veränderungen hat es im vergangenen Jahr bereits gegeben. Bei der Baseler Bank Sarasin ist die niederländische Rabobank eingestiegen. In Genf haben mit Lombard Odier und Darier Hentsch zwei renommierte Adressen fusioniert. Vergangene Woche teilte die UBS mit, sie organisiere die Privatbanken im Konzern in einer Holding, die aktiv an der Konsolidierung des Sektors in der Schweiz teilhaben solle.

Keine Konsolidierungswelle erwartet

Pictet verweist auf den Unterschied zwischen der Vermögensverwaltung und anderen Bereichen der Finanzbranche: "Das Asset Management ist ein eher stabiles Geschäft." Zwar leiden die Provisionen unter den abschmelzenden Anlagevolumina. Doch immerhin sei das Geschäft nicht komplett eingebrochen wie in Teilbereichen des Investmentbanking. "Ein Blutbad hat es in der Vermögensverwaltung nicht gegeben", urteilt Pictet.


Er rechnet mit einem weiteren schwierigen Jahr. "Selbst wenn 2003 für unsere Kunden erfreulicher ausfallen sollte als das vergangene Jahr, wird sich das bei den Banken wegen des Basiseffektes erst einmal kaum zeigen." Frühestens 2004 sieht er eine Erholung für die Kreditinstitute voraus.


Der Druck auf die Erträge sei in dem eher margenschwachen Geschäft massiv. Im Schnitt beziffert er ihn für 2002 auf 10 bis 15 Prozent. Gleichzeitig wurde die Kostenbremse erst verzögert gezogen. "Bis Anfang des vergangenen Jahres liefen in einigen Häusern noch die Investitionsprogramme aus den vorherigen Jahren", sagt Pictet. Beim Personal habe das teilweise zu dem "absurden Effekt" geführt, dass bis weit ins Jahr 2001 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt wurden.


Im vergangenen Jahr seien die Gewinne bei den Privatbanken in der Region Genf laut einer aktuellen Befragung um 20 bis 30 Prozent geschrumpft, sagt der Bankchef, der auch Präsident der Stiftung "Finanzplatz Genf" ist. "Pictet steht dabei auf der besseren Seite" - mehr verrät er nicht zum Ergebnis des abgelaufenen Jahres, das als "annus horribilis" der Finanzbranche gilt. Trotz dieses Erfolgs und obwohl er die Kosten unter Kontrolle sieht, will Pictet Entlassungen nicht ausschließen. "Viele Banken sind uns zwei Schritte voraus, sie mussten den Entschluss fassen zu entlassen." Pictet hofft, mit mehr Flexibilität über die Runden zu kommen. In den letzten Monaten habe sich das Haus bereits stärker konzentriert und Mitarbeiter mit neuen Aufgaben betraut. "Aber ob es dabei bleibt, kann ich heute nicht sicher sagen."


Zu den Lichtblicken gehört der Zufluss von neuen Geldern. Unter anderem hätten vermögende Araber Geld aus den Vereinigten Staaten abgezogen. Profiteure seien nicht nur die beiden großen Schweizer Häusern Credit Suisse und UBS gewesen.

Privatbankier zufrieden mit 2002

Im Vergleich zu den wenigen Privatbanken, die Zahlen veröffentlichen, haben diese beiden Institute 2001 und 2002 einen regelrechten Boom erlebt. 16,6 Mrd. Euro flossen der UBS im vergangenen Jahr in ihrem Offshore- und Europageschäft zu. Dagegen musste Vontobel im ersten Halbjahr einen Vermögensabfluss von 700 Mio. Schweizer Franken verkraften.


"2002 war ein sehr gutes Jahr für neues Geld. Das bestätigen auch die meisten der Genfer Privatbanken", sagt Pictet. Sein eigenes Haus habe im vergangenen Jahr den Wertverfall an den Aktienmärkten mit einem Minus der verwalteten Mittel von rund sieben Prozent zu spüren bekommen. Gleichzeitig seien aber rund fünf Prozent neue Mittel zugeflossen. Die Bank verwaltete zum Jahresende nach Angaben aus Schweizer Quellen 113 Mrd. Franken und liegt damit knapp vor Julius Bär mit 107 Mrd. Franken. Nur die neu fusionierte Lombard Odier Darier Hentsch ist mit 130 Mrd. Franken größer.

Geld zurück


Amnestie Vor der Steueramnestie der deutschen Regierung fürchtet der Privatbankier Pictet sich nicht. Er habe bisher noch von wenigen Deutschen gehört, dass sie erwägen, Geld zurückzuholen.


Aufschwung Gleichgültig ist Pictet die Entwicklung in Deutschland nicht. Der nördliche Nachbar ist der wichtigste Handelspartner der Alpenrepublik. Deutlichere Auswirkungen als die Amnestie auf die Vermögensverwalter habe ein Aufschwung hier zu Lande. "Was gut ist für Deutschland, ist auch gut für die Schweiz", sagt Pictet.

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