Das Kapital: Die Parallelen zu 1991 sind an der Börse frappierend
Überraschenderweise gibt es Krieg. Und weil das keiner ahnen konnte, sind die Börsen durch die Decke geschossen. Immerhin haben wir Klarheit. Ein kurzes Gefecht, vielleicht garniert mit einer Zinssenkung der Fed, und alles wird gut.
Geschichte wiederholt sich - nicht
Die politische Weltordnung ist restauriert, sämtliche Unsicherheit passé. Firmen und Verbraucher, denen es ohne die Irak-Krise ach so gut gehen würde, schöpfen frischen Mut und profitieren von fallenden Ölpreisen. Alles schon gehabt. Am 17. Januar 1991, dem Tag der ersten Luftangriffe, ist der S&P 500 um 3,7 Prozent gestiegen, um dann für ein paar Tage zu verschnaufen - und schließlich binnen vier Wochen um gut zehn Prozent zuzulegen. In den Folgemonaten schnitten die Branchen Software, Pharma, Konsum, Einzelhandel und Kapitalgüter am besten ab, während der Ölsektor unter die Räder kam. Warum sollte es diesmal anders kommen? Schließlich wird die arabische Welt die alliierten Befreier feiern, während Nord-Korea oder Iran Muffensausen kriegen und unverzüglich von jedweden Atomprogrammen ablassen.
Auch sind die Aktien im S&P 500 mit dem 16fachen 2003er KGV kaum teurer als 1991, als sie laut CSFB mit dem 11,2fachen geschätzten Gewinn notierten. Und wen kümmert’s, dass die operativen Gewinne je Aktie laut S&P im vierten Quartal um 20 Prozent zulegten, während sie nach der Flow-of-Funds-Analyse der Fed um 6,1 Prozent unter dem Vorjahr lagen? Was soll’s, dass die Unternehmen außerhalb des Finanzsektors nach den unzuverlässigen Zahlen der US-Notenbank den 26fachen abgelaufenen Gewinn kosten. Vor allem ist ja beruhigend, dass der Marktwert des Finanzsektors mittlerweile auf 33,5 Prozent aller restlichen Branchen hochgeschnellt ist - was ein einsamer Rekord ist und sich mit einem Nachkriegsschnitt von 16 Prozent vergleicht.
Harmlos auch, dass die Schulden der privaten US-Haushalte seit Anfang 1991 von 82 auf 106 Prozent der verfügbaren Einkommen explodierten - und im Unternehmenssektor um 91 Prozent zulegten. Unbedeutend zudem, dass das Leistungsbilanz von plus 0,8 Prozent des BIP auf minus 5,2 Prozent gerutscht ist. Die paar zusätzlichen Auslandsschulden kann die US-Wirtschaft locker bedienen. Schließlich haben sich die industriellen Hochtechnologie-Kapazitäten seit Januar 1991 laut Fed nahezu verzweiundzwanzigfacht. Die Gebrauchsgüteraufträge werden auch bestimmt wieder über den Stand von Mitte 1997 steigen, sobald die US-Truppen kurzen Prozess gemacht haben. Da ist es schon sehr überraschend, dass Warren Buffett in ganz Amerika nicht eine Aktie finden kann, die er als kaufenswert erachtet.
Überraschenderweise gibt es Krieg. Und weil das keiner ahnen konnte, sind die Börsen durch die Decke geschossen. Immerhin haben wir Klarheit. Ein kurzes Gefecht, vielleicht garniert mit einer Zinssenkung der Fed, und alles wird gut.
Geschichte wiederholt sich - nicht
Die politische Weltordnung ist restauriert, sämtliche Unsicherheit passé. Firmen und Verbraucher, denen es ohne die Irak-Krise ach so gut gehen würde, schöpfen frischen Mut und profitieren von fallenden Ölpreisen. Alles schon gehabt. Am 17. Januar 1991, dem Tag der ersten Luftangriffe, ist der S&P 500 um 3,7 Prozent gestiegen, um dann für ein paar Tage zu verschnaufen - und schließlich binnen vier Wochen um gut zehn Prozent zuzulegen. In den Folgemonaten schnitten die Branchen Software, Pharma, Konsum, Einzelhandel und Kapitalgüter am besten ab, während der Ölsektor unter die Räder kam. Warum sollte es diesmal anders kommen? Schließlich wird die arabische Welt die alliierten Befreier feiern, während Nord-Korea oder Iran Muffensausen kriegen und unverzüglich von jedweden Atomprogrammen ablassen.
Auch sind die Aktien im S&P 500 mit dem 16fachen 2003er KGV kaum teurer als 1991, als sie laut CSFB mit dem 11,2fachen geschätzten Gewinn notierten. Und wen kümmert’s, dass die operativen Gewinne je Aktie laut S&P im vierten Quartal um 20 Prozent zulegten, während sie nach der Flow-of-Funds-Analyse der Fed um 6,1 Prozent unter dem Vorjahr lagen? Was soll’s, dass die Unternehmen außerhalb des Finanzsektors nach den unzuverlässigen Zahlen der US-Notenbank den 26fachen abgelaufenen Gewinn kosten. Vor allem ist ja beruhigend, dass der Marktwert des Finanzsektors mittlerweile auf 33,5 Prozent aller restlichen Branchen hochgeschnellt ist - was ein einsamer Rekord ist und sich mit einem Nachkriegsschnitt von 16 Prozent vergleicht.
Harmlos auch, dass die Schulden der privaten US-Haushalte seit Anfang 1991 von 82 auf 106 Prozent der verfügbaren Einkommen explodierten - und im Unternehmenssektor um 91 Prozent zulegten. Unbedeutend zudem, dass das Leistungsbilanz von plus 0,8 Prozent des BIP auf minus 5,2 Prozent gerutscht ist. Die paar zusätzlichen Auslandsschulden kann die US-Wirtschaft locker bedienen. Schließlich haben sich die industriellen Hochtechnologie-Kapazitäten seit Januar 1991 laut Fed nahezu verzweiundzwanzigfacht. Die Gebrauchsgüteraufträge werden auch bestimmt wieder über den Stand von Mitte 1997 steigen, sobald die US-Truppen kurzen Prozess gemacht haben. Da ist es schon sehr überraschend, dass Warren Buffett in ganz Amerika nicht eine Aktie finden kann, die er als kaufenswert erachtet.