Die Marathon-Aktien


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Die Marathon-Aktien

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01.12.02 13:54
Die Marathon-Aktien

Ob geringes Wachstum oder Baisse, die Stunde der Langläufer schlägt immer. Es gibt Aktien, die seit Jahren konstante Zuwachsraten aufweisen
von Frank Stocker
 
Fit durch die Krise: Einigen Aktien geht auch in schlechten Zeiten nicht die Luft aus

  Mark Munroe gab sich alle Mühe. Der Bankdirektor im verschlafenen amerikanischen Städtchen Quincy wollte einem Freund helfen, der Kapital zur Expansion seines Geschäfts brauchte. Daher überredete er hunderte von Einwohnern, Aktien des Unternehmens zu kaufen. Bald besaß fast jeder Farmer von Quincy Anteilsscheine einer Firma, die er kaum kannte.


Was Munroe damals, im Jahre 1919, nicht ahnte: Er machte das Städtchen in Florida, das zeitweise sogar das höchste Pro-Kopf-Einkommen der USA aufwies, zu einem Hort von Millionären. Die Firma des Geschäftsfreundes hieß Coca-Cola und erlebte in den folgenden Jahren einen beispiellosen Aufstieg. Aus einer Aktie, die Munroe damals für 40 Dollar verkaufte, wären bis heute nach diversen Splits 4608 Anteilsscheine mit einem Wert von über 200.000 Dollar geworden. Wer auch noch alle Dividenden reinvestiert hätte, würde heute weit über drei Millionen Dollar sein Eigen nennen.


Munroe und seine Farmer sind lange tot. Doch auch heute gibt es noch ähnliche Geschichten ­ Erfolgsstorys von Aktien, die über lange Zeit hinweg eine erstaunliche Performance aufweisen. Es sind meist Unternehmen, die ein klares Geschäftsmodell haben und über Jahre hinweg konstant wachsen. Und solche Aktien sind gerade in der aktuellen Börsenphase interessant.


„Der säkulare Bärenmarkt der vergangenen drei Jahre geht zu Ende", glaubt Richard Davidson, Chefstratege bei Morgan Stanley. Es werde aber auch keinen neuen Bullenmarkt geben. Vielmehr erwarte uns eine lange Phase geringen Wachstums wie im Japan der vergangenen zehn Jahre. „Dadurch geraten echte Wachstumsaktien wieder stärker ins Blickfeld", so Davidson. „Die Bedingungen für eine neue Nifty-fifty-Phase sind ideal."


Die „schicken fünfzig" kamen Anfang der 70er-Jahre in Mode. Dabei handelte es sich um Aktien großer Unternehmen, die schon über eine lange Zeit stetige Gewinn- und Umsatzsteigerungen aufwiesen. Kurz davor, Ende der sechziger Jahre, war die so genannte „tronics-Blase" geplatzt. Highflyer wie Astron, Transitron oder Supronics verschwanden nach einer kurzen Begeisterung wieder von der Bildfläche.


Die Parallelen zu heute liegen auf der Hand. Nach der Internet-Blase könnten auch nun wieder Aktien langfristig wachsender Unternehmen, die Marathonläufer der Börse, zur ersten Wahl werden. Doch wer sind die neuen „nifty fifty"?


Erstrangige Kandidaten sind jene Aktien, die den rapiden Aufstieg und den jähen Fall der vergangenen zehn Jahre am besten überstanden haben. Ganz vorn rangiert dabei ein amerikanisches Unternehmen: Dell. 4938 Prozent konnten Anleger in der zurückliegenden Dekade mit der Aktie gewinnen. Das mag auf den ersten Blick verwundern: ausgerechnet ein High-Tech-Unternehmen als bester Marathonläufer?


Dell stellt zwar Computersysteme her. Der Schwerpunkt des Geschäfts liegt jedoch auf der Vermarktung. Das Unternehmen ist damit eher Händler als Produzent. In den vergangenen Jahren hat es sich zudem erfolgreich auf Online-Bestellungen und den Versandhandel konzentriert und kann damit besonders kostengünstig agieren.


Auch auf den Plätzen hinter Dell folgen Händler, wie Kohl's Corporation und Bed Bath & Beyond, die beide in den vergangenen zehn Jahren rund 1600 Prozent zulegten. Während Kohl's sich auf Bekleidung konzentriert, verkauft Bed Bath & Beyond ­ wie der Name sagt ­ alles rund ums Badezimmer. Gerade Kohl's hat in den vergangenen Jahren ständig neue Filialen eröffnet. Und der Discounter aus Wisconsin hat noch viel vor: Nachdem er sich bisher auf die Westküste konzentrierte, plant er nun generalstabsmäßig auch die Ostküste zu erobern. Filippe Goossens von Crédit Suisse First Boston glaubt daher, dass Kohl's Umsatz im kommenden Jahr das siebte Mal in Folge um 30 Prozent wachsen könnte. Ein wenig Sorge bereitet allerdings die schon recht hohe Bewertung der Aktie.
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www.wams.de/data/2002/12/01/21174.html?s=2


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