Geldanlage: Die Mär vom Preiswettkampf
In Deutschland buhlen mehr als 100 Fondsgesellschaften mit gut 4500 verschiedenen Fonds um die Gunst privater Anleger.
Wer in europäische Standardaktien investieren will, hat die Auswahl unter fast 280 Fonds, Freunde hoch rentierlicher Schwellenländer- und Unternehmensanleihen müssen sich mit 160 Fonds begnügen. Angesichts solcher Zahlen könnten sich Anleger die Hände reiben: Bei derart starkem Wettbewerb unter den Anbietern muss nicht nur die Qualität stimmen, es sollte auch ein kräftiger Preiswettbewerb herrschen.
Aufgeld
Auf den ersten Blick scheint es den tatsächlich zu geben: Ein Trend zu rückläufigen Ausgabeaufschlägen ist unverkennbar. Anleger können zudem viele Fonds bei Direktbanken mit deutlich niedrigerem Aufgeld erwerben, und eine Fülle von Fonds wird auch ganz ohne diese Gebühr verkauft. Als ein Beispiel sei Metzler Investment genannt, die im April werbewirksam die neue Gebührenstruktur eines ihrer Fonds bekannt gab: "Ausgabeaufschlag sinkt auf fünf Prozent."
Im Gegensatz zu den Ausgabeaufschlägen entwickeln sich die regelmäßig anfallenden Verwaltungsgebühren der Fonds jedoch meist nur in eine Richtung: nach oben. Metzler hat mit der Reduzierung des Aufgeldes die jährliche Verwaltungsgebühr von 0,9 auf 1,25 Prozent erhöht, zahlreiche andere Fondsgesellschaften nahmen während der letzten Monate bei einzelnen Fonds Gebührenerhöhungen vor - darunter auch viele große Anbieter wie DIT, DWS oder UBS. Unter Annahme eines jährlichen Wertzuwachses von zehn Prozent vor Kosten wird der Vorteil des geringeren Aufgeldes im konkreten Beispiel des Metzler-Fonds bereits nach drei Jahren durch die höheren Gebühren wieder aufgefressen. Mit zunehmender Anlagedauer müssen die Investoren nach der "Strukturänderung" erhebliche Renditeeinbußen hinnehmen.
Provisionen
Die Gebühren für Fonds fallen also nicht, sie steigen. Vertriebskosten, die bislang zum größten Teil durch den Ausgabeaufschlag gedeckt wurden, werden auf jährlich anfallende "Bestandsprovisionen" umgelegt. Ein Preiswettbewerb unter den Fondsgesellschaften findet derzeit nicht statt, obwohl der Konkurrenzkampf zunehmend härter wird.
Ein wichtiger Grund für diesen scheinbaren Widerspruch liegt darin, dass der Wettbewerb unter den Fondsanbietern sich derzeit in erster Linie in einem Kampf um Vertriebswege äußert. Nur wer hier die Nase vorne hat, kann darauf hoffen, in der unumgänglichen Konzentrationswelle der Fondsbranche als eigenständiges Unternehmen bestehen zu bleiben. Entsprechend teuer wird der Zugang zu erfolgreichen oder Erfolg versprechenden Vertriebskanälen. Und höhere Marketing- und Vertriebskosten bedeuten zwangsläufig niedrigere Renditen für die Anleger.
Versteckte Kosten
Unterstützt wird dies durch die Neigung vieler Investoren, "sichtbare" gegenüber "versteckten" Kosten eines Fonds überzubewerten: Ausgabeaufschläge, für die den Anlegern direkt die Rechnung präsentiert wird, beeinflussen die Kaufentscheidung wesentlich stärker als die Höhe der laufenden Kosten, die mit dem Fondsvermögen verrechnet werden. Solange die Wertentwicklung der Fonds nicht derart leidet, dass sie aus den Performance-Hitlisten verschwinden, stellt die Bestreitung eines höheren Vertriebskostenanteils aus den Verwaltungsgebühren für die Fondsgesellschaften den einfachsten Weg dar, gegensätzliche Interessen des Vertriebs und der Anleger unter einen Hut zu bringen. Ohne ein entsprechend geändertes Preisbewusstsein der Investoren wird es daher keinen echten Preiswettbewerb unter den Anbietern von Publikumsfonds geben.
Schönen Mittwoch
mothy
In Deutschland buhlen mehr als 100 Fondsgesellschaften mit gut 4500 verschiedenen Fonds um die Gunst privater Anleger.
Wer in europäische Standardaktien investieren will, hat die Auswahl unter fast 280 Fonds, Freunde hoch rentierlicher Schwellenländer- und Unternehmensanleihen müssen sich mit 160 Fonds begnügen. Angesichts solcher Zahlen könnten sich Anleger die Hände reiben: Bei derart starkem Wettbewerb unter den Anbietern muss nicht nur die Qualität stimmen, es sollte auch ein kräftiger Preiswettbewerb herrschen.
Aufgeld
Auf den ersten Blick scheint es den tatsächlich zu geben: Ein Trend zu rückläufigen Ausgabeaufschlägen ist unverkennbar. Anleger können zudem viele Fonds bei Direktbanken mit deutlich niedrigerem Aufgeld erwerben, und eine Fülle von Fonds wird auch ganz ohne diese Gebühr verkauft. Als ein Beispiel sei Metzler Investment genannt, die im April werbewirksam die neue Gebührenstruktur eines ihrer Fonds bekannt gab: "Ausgabeaufschlag sinkt auf fünf Prozent."
Im Gegensatz zu den Ausgabeaufschlägen entwickeln sich die regelmäßig anfallenden Verwaltungsgebühren der Fonds jedoch meist nur in eine Richtung: nach oben. Metzler hat mit der Reduzierung des Aufgeldes die jährliche Verwaltungsgebühr von 0,9 auf 1,25 Prozent erhöht, zahlreiche andere Fondsgesellschaften nahmen während der letzten Monate bei einzelnen Fonds Gebührenerhöhungen vor - darunter auch viele große Anbieter wie DIT, DWS oder UBS. Unter Annahme eines jährlichen Wertzuwachses von zehn Prozent vor Kosten wird der Vorteil des geringeren Aufgeldes im konkreten Beispiel des Metzler-Fonds bereits nach drei Jahren durch die höheren Gebühren wieder aufgefressen. Mit zunehmender Anlagedauer müssen die Investoren nach der "Strukturänderung" erhebliche Renditeeinbußen hinnehmen.
Provisionen
Die Gebühren für Fonds fallen also nicht, sie steigen. Vertriebskosten, die bislang zum größten Teil durch den Ausgabeaufschlag gedeckt wurden, werden auf jährlich anfallende "Bestandsprovisionen" umgelegt. Ein Preiswettbewerb unter den Fondsgesellschaften findet derzeit nicht statt, obwohl der Konkurrenzkampf zunehmend härter wird.
Ein wichtiger Grund für diesen scheinbaren Widerspruch liegt darin, dass der Wettbewerb unter den Fondsanbietern sich derzeit in erster Linie in einem Kampf um Vertriebswege äußert. Nur wer hier die Nase vorne hat, kann darauf hoffen, in der unumgänglichen Konzentrationswelle der Fondsbranche als eigenständiges Unternehmen bestehen zu bleiben. Entsprechend teuer wird der Zugang zu erfolgreichen oder Erfolg versprechenden Vertriebskanälen. Und höhere Marketing- und Vertriebskosten bedeuten zwangsläufig niedrigere Renditen für die Anleger.
Versteckte Kosten
Unterstützt wird dies durch die Neigung vieler Investoren, "sichtbare" gegenüber "versteckten" Kosten eines Fonds überzubewerten: Ausgabeaufschläge, für die den Anlegern direkt die Rechnung präsentiert wird, beeinflussen die Kaufentscheidung wesentlich stärker als die Höhe der laufenden Kosten, die mit dem Fondsvermögen verrechnet werden. Solange die Wertentwicklung der Fonds nicht derart leidet, dass sie aus den Performance-Hitlisten verschwinden, stellt die Bestreitung eines höheren Vertriebskostenanteils aus den Verwaltungsgebühren für die Fondsgesellschaften den einfachsten Weg dar, gegensätzliche Interessen des Vertriebs und der Anleger unter einen Hut zu bringen. Ohne ein entsprechend geändertes Preisbewusstsein der Investoren wird es daher keinen echten Preiswettbewerb unter den Anbietern von Publikumsfonds geben.
Schönen Mittwoch
mothy