Die Leitzinsen werden steigen


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vega2000:

Die Leitzinsen werden steigen

 
21.03.02 10:36

Stimmungswechsel bei der US-Notenbank / Langfristige Renditen klettern schon seit Monaten


Die Phase sinkender Leitzinsen ist weltweit zu Ende, meinen Analysten übereinstimmend. Stattdessen sind in absehbarer Zeit Zinsschritte nach oben zu erwarten. Als ein wichtiger Beweis für diese Thesen gilt der optimistische Konjunktur-Ausblick, den die US-Notenbank am Dienstag Abend abgegeben hatte.

Die US-Notenbank Fed hatte bei der Sitzung ihres Offenmarktausschusses beschlossen, die Leitzinsen konstant zu halten. Damit liegt der wichtigste Wert, der Zielsatz für Tagesgeld, weiterhin bei 1,75 Prozent. In ihrer Stellungnahme, die sie nach jeder dieser Sitzungen abgibt, warnten die Notenbanker erstmals seit 15 Monaten nicht mehr vor einer weiteren konjunkturellen Abkühlung. Sie erklärten vielmehr, die Wirtschaft wachse mit einem „bedeutenden Tempo“. Die Gefahr von Inflation einerseits und einer weiteren Konjunkturabschwächung andererseits sei inzwischen gleich groß.

Die Fed hat in die Leitzinsen zuvor elf Mal gesenkt, um die Wirtschaft anzukurbeln (Grafik). In Aufschwungzeiten wird hingegen oft eine Anhebung der Leitzinsen nötig. Wichtiger Grund dafür ist, dass die Unternehmen bei guter Konjunktur die Preise erhöhen können, weshalb die Inflationsgefahr steigt. Höhere Zinsen dämpfen diesen Boom, weil die Finanzierungskosten für die Unternehmen zunehmen. Allerdings können die Notenbanken nur die kurzfristigen Zinsen direkt beeinflussen; bei den langfristigen sind andere Determinanten wichtiger.

Manuela Preuschl, Finanzmarkt-Analystin bei der Deutschen Bank, sieht die Stellungnahme der Fed denn auch als Zeichen dafür, dass die Leitzinsen in den USA auf absehbare Zeit nicht mehr sinken werden. In den nächsten Monaten sei sogar mit einer Anhebung zu rechnen; ihr Haus erwarte diesen Schritt für die übernächste Fed-Sitzung am 26. Juni. In diesem Sinne handle es sich um eine „Zinswende“. Nach den Worten Preuschls war der Inhalt der Stellungnahme nicht überraschend. Dies sei daran abzulesen, dass weder die Anleihen- noch die Aktienmärkte in nennenswertem Umfang reagiert hätten (der Dow Jones endete am Dienstag mit einem Plus von 0,54 Prozent; die Rendite der zehn Jahre laufenden Staatsanleihe fiel von 5,30 auf 5,28 Prozent). Fed-Chef Alan Greenspan habe sich bereits vor Wochen optimistisch zum Konjunkturverlauf geäußert und damit nach monatelanger Skepsis seine Meinung geändert. Wie stark die Leitzinserhöhungen ausfallen und wie schnell sie kommen, hängt aus Sicht der Analystin vor allem davon ab, wie dynamisch die US-Wirtschaft wächst. Für den Euro-Raum malt sie ein ähnliches Szenario – anziehende Konjunktur und steigende Leitzinsen. Allerdings sei zu erwarten, dass beide Bewegungen in Europa moderater ausfallen und die Europäische Zentralbank erst im September die Zinsen erhöht.

Schweden hat bereits erhöht

Die Vertreterin der Deutschen Bank sieht bereits die ganze Welt mitten in der Zinswende. „Die Serie von Leitzinssenkungen rund um den Globus ist nun vermutlich beendet, auch wenn es noch ein paar Ausreißer geben kann.“

Robert Prior, Volkswirt für Europa-Themen bei der Großbank HSBC in London, glaubt ebenfalls, dass 2002 „ein Jahr der Leitzinserhöhungen“ wird. Als Beleg für diese These sieht er die Entscheidung der schwedischen Reichsbank vom Dienstag, wegen Inflationsgefahren die Leitzinsen nach oben zu setzen. Das war seit Monaten die erste Zentralbank eines wichtigen Industrielandes, die eine solche Entscheidung fällte. Die Bank of England beschloss am Mittwoch hingegen, die Zinsen unverändert zu lassen.

Auch aus Sicht von Thomas Hueck, Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung bei der HypoVereinsbank, werden die Leitzinsen weltweit nicht mehr fallen, sondern steigen. Er sieht allerdings – vor allem mit Blick auf die USA – eher eine „Normalisierung“ als eine „Zinswende“. Begründung: Vor den Anschlägen des 11. September habe der Leitzins in den Vereinigten Staaten bei drei Prozent gelegen und sei anschließend als „Notmaßnahme“ heruntergeschleust worden. Bis der Wert sich wieder auf dieses Niveau normalisiere, werde noch einige Zeit vergehen.

„Keinesfalls“ von einer aktuellen Wende sprechen kann man laut Hueck bei den langfristigen Zinsen, wie sie die Rendite der zehn Jahre laufenden US- Anleihe zeigt. Immerhin habe der Wert seinen Tiefpunkt der vergangenen beiden Jahre bereits im November erreicht und sei seitdem deutlich gestiegen (Grafik). In diesem Plus sei sehr viel an Konjunkturhoffnungen enthalten. „Wenn das Wachstum in den USA stark zunimmt, könnten die Renditen weiter so schnell klettern. Das ist aber eher unwahrscheinlich.“

Quelle:Süddeutsche Zeitung
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