die Lage ist viel schlimmer als die Stimmung. Lies den nachfolgenden Querschuss und sei BITTE gewillt, diesen auch richtig zu interpretieren. Zur Info, der Querschuss bezieht seine Daten aus Quellen die für jeden zugänglich sind.
Wer die Grafiken dazu noch sehen möchte hier der Link:
wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2008/12/...n-und-andere.html
Freitag, 26. Dezember 2008
"Erstanträge, Konsumausgaben und andere Überraschungen"
Die Finanzkrise hat die USA fest im Griff. Selbst am Heiligabend kam noch eine besonders schlechte Gabe auf den Tisch. Das US-Arbeitsministerium gab die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in der Woche bis zum 20. Dezember bekannt, sie sind um weitere 30'000 auf saisonbereinigte 586'000 gestiegen, dies ist der höchste Stand seit November 1982!
>Der steile Anstieg der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung. Quelle Chart: Bloomberg.com <
> Auch der Vier-Wochen Durchschnitt stieg auf 558'500 gestellte Erstanträge, der höchste Stand seit Dezember 1982. Quelle Chart: Calculatedriskblog.com <
Die Anzahl der Arbeitslosen die dauerhaft Arbeitslosenunterstützung erhält, sank in der Woche zum 20. Dezember leicht auf 4,37 Millionen bzw. auf eine Rate von 3,3%.
Das neue Hoch seit 1982 bei den erfassten Erstanträgen auf Arbeitslosenunterstützung deutet weiter auf eine zunehmende Schwäche auf dem US-Arbeitsmarkt hin. Die US-Wirtschaft hat in den 11 Monaten dieses Jahres bereits -1,911 Millionen Jobs abgebaut. Im November alleine -533'000 Stellen, der höchste monatliche Stellenabbau seit Dezember 1974!
Das Bureau of Economic Analysis (BEA) meldete ebenfalls am 24.12., einen Rückgang der persönlichen Konsumausgaben im November, Personal Consumption Expenditures (PCE) um nominale -56,1 Mrd. Dollar bzw. um nominale -0,6%, zum Vormonat! Im Oktober fielen die PCEs um nominale -102,6 Mrd. Dollar bzw. um -1%!
Dies ist ein Rückgang den fünften Monat in Folge:
Nov. 9,9737 Billionen Dollar
Okt. 10,0298 Billionen Dollar
Sep. 10,1324 Billionen Dollar
Aug. 10,1709 Billionen Dollar
Jul. 10,1871 Billionen Dollar
Jun. 10,1964 Billionen Dollar
> Die Entwicklung der Konsumausgaben (PCE) in % zum Vorjahresmonat - klar auf Rezessionskurs! Quelle Chart: Stlouisfed.org <
Dieser Einbruch ist besonders bemerkenswert, da die privaten Konsumausgaben die Hauptantriebskraft beim BIP sind. Noch im 3. Quartal 2008 trugen sie zu 70,5% des nominalen BIPs bei!
Die steigende Arbeitslosigkeit trägt auch zu einem Rückgang der persönlichen Einkommen (Personal Income) um -20,7 Mrd. Dollar bzw. -0,2% aufs Jahr hochgerechnet im November bei. Die Disposable Personal Income (DPI), Bruttoeinkommen minus Steuern, fielen um 11,8 Mrd. Dollar im November, im Vergleich zum Vormonat. Übrigens ist es das erste Mal das die Komiker der BEA von einem rückläufigen Personal Income berichten, dies obwohl schon seit Monaten die Arbeitslosigkeit stark ansteigt und seit einem Jahr die Vermögenswerte regelrecht verdampfen.
Im 3. Quartal 2008 nahmen die Vermögen der privaten Haushalte um -2,813 Billionen Dollar ab.
> Zum Vergrößern bitte die Tabelle anklicken. In den letzten 12 Monaten verdampften Vermögen der privaten Haushalten, nach den offiziellen Daten der FED, in Höhe von -7,09 Billionen Dollar! Quelle: Flow of Funds Accounts PDF Seite 113 <
> Dagegen steigt nach langer Durststrecke, mal erwähnenswert die Sparrate der US-Bürger. Die Personal Savings betrugen im November 298,0 Mrd. Dollar bzw. 2,8% des DPIs nach 252,3 Mrd. Dollar im Oktober bzw. 2,4% des Disposable Personal Income! Quelle Chart: Stlouisfed.org <
Generell ist kein Ende des Abschwunges der privaten Konsumausgaben in Sicht - im Gegenteil. Das Wall Street Journal berichtet von einem drastischen Einbruch der Einzelhandelsumsätze im Weihnachtsgeschäft. Die Total Retail Sales ohne Autoverkäufe sanken im November um -5,5% zum Vorjahr und im Dezember bis Heiligabend sogar um -8% nach Angaben von MasterCard Inc.!
> Der Einbruch der einzelnen Sektoren im Einzelhandel. Beachtlich der Einbruch bei den Umsätzen der Luxuswaren, vermeintlich immun gegen den Abschwung. Quelle Chart: Wsj.com <
Angesichts eines kollabierenden Immobilienmarktes (Baubeginne), dramatischen Rückgängen bei den Autoverkäufen und einer zunehmenden Konsumzurückhaltung allgemein, stellt sich der verwunderte Beobachter die Frage, wie nur ein endgültiges Minus von 0,5% beim BIP der USA im 3. Quartal 2008 zustande kommen konnte?
Wohlstand durch kreative Buchführung gehört zum Standard-Repertoire der offiziellen Statistikverbieger. Positivistische Verzerrungen beim BIP sind ein Teil davon. Sie entstehen u.a. durch hedonische Berechnungsmethoden. Diese können das ausgewiesene Wachstum um bis zu 30% schönen! Mit Hilfe der Hedonik werden Leistungs- und Produktivitätsfortschritte mit in die Preise aufgerechnet und erhöhen somit künstlich das BIP. Die Hedonik ("Qualitätsbereinigung") schlägt seit 1985 bei EDV-Anlagen, 1987 bei Mieten , 1991 bei den Autopreisen, 1993 bei Mehrfamilienhäusern, 1997 bei digitalen Telefon-Großanlagen, 1998 bei Bekleidung, Personalcomputern und Software und seit 1999 sogar bei Fernsehern und Waschmaschinen zu. Weiterhin wird mit Hilfe des BIP-Deflators geschönt, welcher das nominale BIP um die Inflation bereinigt, er wird einfach zu tief angesetzt. Reloaded: "Das US-BIP aus der Wundertüte"
Während im 3. Quartal 2008 die privaten Konsumausgaben um real -3,8% sanken, die Investitionen in langlebige Güter um -14,8%, die Ausgaben für Equipment und Software um -7,5% und die Investitionen in den privaten Wohnungsbau um -16% einbrachen, wurde ein gewichtige Teil der Einbrüche beim BIP durch erhöhte staatlichen Ausgaben ausgeglichen.
Insgesamt betrugen sie in Q3 gewaltige 2,946 Billionen Dollar, ein plus von 5,8%. Am stärksten wuchsen die Ausgaben der US-Bundesregierung in Washington um plus 13,8% auf 1,098 Billionen Dollar. Ein großer Anteil davon floss in den Militärhaushalt mit einem gewaltigen Anstieg von real +18% im 3. Quartal auf 759 Mrd. Dollar, alle Zahlen sind aufs Jahr hochgerechnet! Quelle Daten: Bea.gov
Eine monströse Fehlallokation von Kapital, hinein in den militärisch-industriellen Komplex und dies angesichts der Komplexität der Probleme in den USA.
Die offizizielle Statistik hat auch ihren Anteil am wirtschaftlichen Desaster in den USA. In noch vermeintlich guten Zeiten haben diese Wohlstand und Prosperität vorgetäuscht und damit für einen stetigen Kapitalzufluss in die USA gesorgt, um die Löcher aus Leistungsbilanz und Staatshaushalt zu schließen. Am Beginn des Abschwunges haben sie mit zu einer Verharmlosung der desatrösen Lage beigetragen. Eine ehrliche Bestandsaufnahme und ein daraus resultierender Maßnahmekatalog war angesichts der Art und Weise der Datenerhebungen kaum möglich und nicht gewollt.
Quellen Daten:
DOL-Report, PDF Bea.gov Q3 2008, PDF Bea.gov November 2008, Retail Sales Wsj.com
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