Die Kosten des Krieges

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Die Kosten des Krieges Happy End

Die Kosten des Krieges

 
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Millionen? Milliarden? Oder sogar Billionen? Die US-Regierung gibt sich bei Prognosen über den Preis des Waffengangs am Golf verschwiegen. Externe Schätzungen bringen Licht ins Dunkel.

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Hamburg – Es mag zynisch erscheinen, aber für die Börsianer war das Ultimatum von US-Präsident George W. Bush das Signal zur Kursrallye. Die Verunsicherung der vergangenen Monate wich der Euphorie. Dax und Dow gingen durch die Decke.

Nur: Nach jeder guten Party folgt der Kater. Hinsichtlich der Konfliktsituation im Irak stellt sich vor allem die Frage nach den Kosten des Krieges. Und auch danach, wer den Waffengang bezahlen soll.

Ausgerechnet die Bush-Administration, die ihre Rhetorik zuletzt mit allerlei martialischen Drohgebärden würzte, gibt sich größte Mühe, dieses Problem totzuschweigen. Man werde sich zu "gegebener Zeit" zu diesem Punkt äußern, sagte der US-Präsident lapidar Anfang des Monats in einem Pressegespräch.

Diese Haltung trug ihm harsche Kritik von der demokratischen Opposition ein, die um den ohnehin schon belasteten US-Haushalt fürchtet. Ein klares Statement zu den Kriegskosten aus dem Weißen Haus gab es dennoch nicht.

Experte: Kosten von 100 bis 200 Milliarden Dollar

Zumindest nicht von offizieller Seite. Regierungsnahe Vertreter äußerten sich indes zu diesem offenbar brisanten Punkt. Der Ökonom Larry Lindsey, der den US-Präsidenten berät, taxierte die Kriegskosten im vergangenen Herbst gegenüber dem "Wall Street Journal" zwischen 100 und 200 Milliarden Dollar, was demnach etwa einem oder zwei Prozent des amerikanischen Bruttoinlandsproduktes entspricht.

Die US-Regierung reagierte verschnupft auf die nicht abgesprochene Prognose. Prompt folgte die Distanzierung durch einen Sprecher des Weißen Hauses. Mitch Daniels, Direktor des präsidentennahen Office of Management and Budget, bezeichnete Lindseys Zahlen als "sehr, sehr hoch" – ohne allerdings eine eigene Einschätzung zu liefern.

Da die US-Regierung nicht willens ist, Licht ins Dunkel zu bringen, verbleibt die Betrachtung alternativer Studien. Mitte November nahmen sowohl das Democratic Stuff of the House Budget Committee als auch das Congressional Budget Office unabhängig voneinander Einschätzungen vor, die jedoch nur die Kosten für die militärische Intervention aufzählten. Die Aufwendungen für den Wiederaufbau des Irak oder Einbußen durch eine mögliche Schieflage der Weltwirtschaft durch hohe Ölpreise fehlen.

Beide Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen, zumal die Methodik unterschiedlich ist. Dennoch liegen die veranschlagten Kosten für den reinen Militäreinsatz bei etwa 50 Milliarden Dollar – bei einem kurzen Krieg. Die Congress-Studie rechnet im Falle eines länger andauernden Konfliktes mit Ausweitung auf die Nachbarländer des Irak mit Kriegskosten von 140 Milliarden Dollar.

Der Extremfall: 2 Billionen Dollar für den Krieg

Die American Academy of Arts & Science ergänzt die reinen Aufwendungen für den Militäreinsatz durch mögliche Kriegsfolgen für die Konjunktur und durch Kosten für den Wiederaufbau des Iraks.

Im günstigsten Fall rechnet die Academy mit Aufwendungen in Höhe von insgesamt 100 Milliarden Dollar, was etwa der optimistischen Prognose von Lindsey entspricht. In diesem Szenario könnte die USA sogar Kriegskosten durch positive Impulse auf die eigene Ökonomie teilweise finanzieren.

Im ungünstigsten Fall rechnen die Forscher mit Kosten von bis 1,9 Billionen Dollar. Der Wiederaufbau würde mit 500 Milliarden Dollar zu Buche schlagen, hohe Rohölpreise gar mit 778 Milliarden Dollar.

Wer muss zahlen?

100 Milliarden oder knapp zwei Billionen Dollar – irgendwo in diesem Korridor könnten die Kosten liegen. Offen ist indes, wer das bezahlen soll. Der besiegte Irak scheidet aus. Das Land wird sich zunächst um die Versorgung der eigenen Bevölkerung kümmern müssen. Zudem sind Reparationszahlungen an Kuwait, die noch aus dem vergangenen Golfkrieg resultieren, und Auslandsschulden im dreistelligen Milliarden-Dollar-Bereich offen.

Kosten des Krieges in Milliarden Dollar
KostenKurzer und regional begrenzter KriegLanger, eskalierender Krieg
Kosten für den Militäreinsatz50140
Besetzung und friedenserhaltende Maßnahmen75500
Wiederaufbau30105
Humanitäre Hilfe110
Auswirkungen auf den Öl-Markt-40778
Volkswirtschaftliche Auswirkungen-17391
Gesamt991924
Quelle: American Academy of Arts & Sciences


Dass der Erdölreichtum des Landes schnell dazu beitragen wird, den Wiederaufbau und die Kriegskosten der USA zu finanzieren, bleibt zweifelhaft. Tatsächlich wird die irakische Ölindustrie Jahre brauchen, um eine entsprechende Performance zu erreichen.

Goldman Sachs: US-Steuerzahler tragen die Hauptlast

Da die USA offenbar entschlossen sind, ohne Uno-Mandat anzugreifen, ist auch von den Vereinten Nationen keine Unterstützung zu erwarten. Die zunehmende Isolation Amerikas macht es zudem unwahrscheinlich, dass zuvor arg gescholtene Staaten wie Frankreich oder auch Deutschland plötzlich als Finanziers auftreten, um die Bush-Administration zu entlasten.

Zu diesem Ergebnis kommen auch die Investmentbanker von Goldman Sachs. Die amerikanischen Steuerzahler werden die Hauptlast tragen müssen, heißt es in einer aktuellen Studie über die Kosten des Krieges.



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