N E U E R M A R K T
Die Hoffnungsträger entpuppen sich als Schmuddelkinder
Immer wieder tauchen Meldungen über zweifelhafte Geschäftsmethoden und dreiste Tricks von Firmen aus dem Neuen Markt auf. Das Vertrauen ist im Keller, die Aktienkurse auch. Die Privatanleger haben viel Geld verloren.
Metabox, EM.TV oder Infomatec - sie stehen stellvertretend für viele der rund 300 am Neuen Mark notierten Firmen. Sie waren einst für die Privatanleger die Hoffnungsträger auf schnellen Reichtum an der Börse. Doch längst haben sich die einstigen Lieblinge als Schmuddelkinder entpuppt.
Sie haben die Anleger und Analysten geblendet - mit leeren Versprechungen, falschen Prognosen, geschönten Bilanzen. Das Vertrauen in die jungen Unternehmen und mit ihren jungen Unternehmern ist verspielt.
Beispiel Metabox: Am Dienstag hatte die Hildesheimer Firma eine Erfolgsmeldung zu verkünden. Ad hoc teilte das Unternehmen für Set-Top-Boxen für interaktives Fernsehen mit, dass es mindestens 100.000 Geräte nach Großbritannien liefere. Volumen und der Auftraggeber wurden nicht genannt –wieder einmal.
Metabox hatte auch schon Aufträge aus Israel und Norwegen gemeldet, die sich am Ende als Luftnummern erwiesen. Das riecht nach Kurspflege per Ad-hoc-Meldung.
Der Rest an Vertrauen entschwand spätestens am Donnerstag. Metabox informierte nach Börsenschluss über einen Konsolidierungsfehler im Konzernabschluss. Die Arthur Andersen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft habe den Abschluss testiert, der der Hauptversammlung vorgelegt wurde.
"Ein sehr peinlicher Vorgang", mit dem das Unternehmen offen umgehen wolle, versprach Vorstandschef Stefan Dormeyer. Das Versprechen nutzte der Aktie nichts: Der Kurs stürzte zunächst ab.
Beispiel EM.TV: Die Gebrüder Thomas und Florian Haffa waren Stars der New Economy. Der Kurs der Aktie des Medienunternehmen aus Unterföhring stieg bis zum Februar bis auf 120 Euro.
Doch als Anfang Oktober Fehler in der Bilanz eingeräumt werden mussten, war es Aus mit dem Vertrauen. In den vergangenen Tagen wurde schon über Liquiditätsprobleme gemunkelt – ausgelöst auch durch den teuren Rechtkauf am der Formel 1. Am Freitag wurde mit einer Gewinnwarnung gerechnet. Der Einstieg von Thomas Haffas Lehrmeister Leo Kirch gilt mittlerweile als sicher.
Beispiel Infomatec: Das Geschäftsgebaren des Augsburger Softewarehauses Infomatec ist längst Sache der Staatsanwaltschaft. Die Gründer Gerhard Harlos und Alexander Häfele wurden verhaftet. Die Vorwürfe lauten verbotene Insidergeschäfte, zweifacher Kursbetrug und eine unrichtige Darstellung der Verhältnisse der Aktiengesellschaft in der Hauptversammlung.
"Wir sind der festen Überzeugung, das Infomatec seine Anleger vorsätzlich belogen hat", sagte Klaus Rotter von der Münchener Kanzlei Rotter-Rechtsanwälte, der im Auftrag von 20 Privatanlegern eine weitere Klage gegen Infomatec vorbereitet.
Emissionbanken und die Deutsche Börse mitverantwortlich
Möglich gemacht haben eine solche Entwicklung am Neuen Markt nicht nur die von der Sehnsucht nach Reichtum berauschten Privatanleger, gierige Firmengründer oder Management-Amateure, auch die Emissionbanken tragen nach Ansicht von Aktionärsschützern einen Großteil der Schuld.
Die Devise vieler Geldinstitute: Je größer die Zahl der Bösenkandidaten, desto schöner klingelt es an der Klasse.
"Selbst Häuser wie Goldman Sachs oder die Deutsche Bank bringen Unternehmen zu irrwitzigen Preisen an den Neuen Markt. Unternehmen, für die der Börsengang viel zu früh kommt", sagte Markus Straub von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre.
In seine Kritik bezieht er aber auch die Deutsche Börse ein. Sie komme seiner Meinung nach ihrer Kontrollaufgabe nicht richtig nach. "Um die größte Wachstumsbörse Europas zu werden, haben die Frankfurter ihre ursprünglich strengen Zulassungsnormen offenbar über Bord geworfen."
Fundamentale Bewertungskriterien - kompetentes Management, herausragende Marktstellung, profitables Kerngeschäft - haben lange Zeit nicht mehr gezählt. Den Preis müssen vor allem die Anleger zahlen.
gruß proxi
Die Hoffnungsträger entpuppen sich als Schmuddelkinder
Immer wieder tauchen Meldungen über zweifelhafte Geschäftsmethoden und dreiste Tricks von Firmen aus dem Neuen Markt auf. Das Vertrauen ist im Keller, die Aktienkurse auch. Die Privatanleger haben viel Geld verloren.
Metabox, EM.TV oder Infomatec - sie stehen stellvertretend für viele der rund 300 am Neuen Mark notierten Firmen. Sie waren einst für die Privatanleger die Hoffnungsträger auf schnellen Reichtum an der Börse. Doch längst haben sich die einstigen Lieblinge als Schmuddelkinder entpuppt.
Sie haben die Anleger und Analysten geblendet - mit leeren Versprechungen, falschen Prognosen, geschönten Bilanzen. Das Vertrauen in die jungen Unternehmen und mit ihren jungen Unternehmern ist verspielt.
Beispiel Metabox: Am Dienstag hatte die Hildesheimer Firma eine Erfolgsmeldung zu verkünden. Ad hoc teilte das Unternehmen für Set-Top-Boxen für interaktives Fernsehen mit, dass es mindestens 100.000 Geräte nach Großbritannien liefere. Volumen und der Auftraggeber wurden nicht genannt –wieder einmal.
Metabox hatte auch schon Aufträge aus Israel und Norwegen gemeldet, die sich am Ende als Luftnummern erwiesen. Das riecht nach Kurspflege per Ad-hoc-Meldung.
Der Rest an Vertrauen entschwand spätestens am Donnerstag. Metabox informierte nach Börsenschluss über einen Konsolidierungsfehler im Konzernabschluss. Die Arthur Andersen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft habe den Abschluss testiert, der der Hauptversammlung vorgelegt wurde.
"Ein sehr peinlicher Vorgang", mit dem das Unternehmen offen umgehen wolle, versprach Vorstandschef Stefan Dormeyer. Das Versprechen nutzte der Aktie nichts: Der Kurs stürzte zunächst ab.
Beispiel EM.TV: Die Gebrüder Thomas und Florian Haffa waren Stars der New Economy. Der Kurs der Aktie des Medienunternehmen aus Unterföhring stieg bis zum Februar bis auf 120 Euro.
Doch als Anfang Oktober Fehler in der Bilanz eingeräumt werden mussten, war es Aus mit dem Vertrauen. In den vergangenen Tagen wurde schon über Liquiditätsprobleme gemunkelt – ausgelöst auch durch den teuren Rechtkauf am der Formel 1. Am Freitag wurde mit einer Gewinnwarnung gerechnet. Der Einstieg von Thomas Haffas Lehrmeister Leo Kirch gilt mittlerweile als sicher.
Beispiel Infomatec: Das Geschäftsgebaren des Augsburger Softewarehauses Infomatec ist längst Sache der Staatsanwaltschaft. Die Gründer Gerhard Harlos und Alexander Häfele wurden verhaftet. Die Vorwürfe lauten verbotene Insidergeschäfte, zweifacher Kursbetrug und eine unrichtige Darstellung der Verhältnisse der Aktiengesellschaft in der Hauptversammlung.
"Wir sind der festen Überzeugung, das Infomatec seine Anleger vorsätzlich belogen hat", sagte Klaus Rotter von der Münchener Kanzlei Rotter-Rechtsanwälte, der im Auftrag von 20 Privatanlegern eine weitere Klage gegen Infomatec vorbereitet.
Emissionbanken und die Deutsche Börse mitverantwortlich
Möglich gemacht haben eine solche Entwicklung am Neuen Markt nicht nur die von der Sehnsucht nach Reichtum berauschten Privatanleger, gierige Firmengründer oder Management-Amateure, auch die Emissionbanken tragen nach Ansicht von Aktionärsschützern einen Großteil der Schuld.
Die Devise vieler Geldinstitute: Je größer die Zahl der Bösenkandidaten, desto schöner klingelt es an der Klasse.
"Selbst Häuser wie Goldman Sachs oder die Deutsche Bank bringen Unternehmen zu irrwitzigen Preisen an den Neuen Markt. Unternehmen, für die der Börsengang viel zu früh kommt", sagte Markus Straub von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre.
In seine Kritik bezieht er aber auch die Deutsche Börse ein. Sie komme seiner Meinung nach ihrer Kontrollaufgabe nicht richtig nach. "Um die größte Wachstumsbörse Europas zu werden, haben die Frankfurter ihre ursprünglich strengen Zulassungsnormen offenbar über Bord geworfen."
Fundamentale Bewertungskriterien - kompetentes Management, herausragende Marktstellung, profitables Kerngeschäft - haben lange Zeit nicht mehr gezählt. Den Preis müssen vor allem die Anleger zahlen.
gruß proxi