Gewinne mitgenommen
"Nur realisierte Gewinne sind echte Gewinne", mag sich Peter Kabel gedacht haben. Der Firmengründer verkaufte seine Aktien zum richtigen Zeitpunkt und heimste ein Vermögen ein. Wer dem Unternehmen treu blieb, verlor seinen Einsatz.
Der smarte Chef des heute insolventen Multimedia-Dienstleisters hatte offenbar den richtigen Riecher. Auf dem Höhepunkt der Internet-Euphorie soll er vergangenes Jahr 700.000 Kabel-Aktien im Wert von rund 100 Millionen Mark verkauft haben.
Geld genug, um von einem Bauerngehöft in Mecklenburg aus einen Neuanfang zu planen. Über die nötige Zeit verfügt Kabel auch: Im September trat er als Vorstandschef von Kabel New Media zurück. Jetzt wird das Unternehmen abgewickelt, und die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Börsengesetz, gegen das Wertpapierhandelsgesetz sowie Herbeiführung des Bankrotts nach Paragraf 283 des Strafgesetzbuches.
Das Nachsehen haben die Aktionäre des Unternehmens. Die Aktien, die im März 2000 noch 80 Euro kosteten, sind heute nahezu wertlos.