Die Generation Mountainbike tritt ab

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Die Generation Mountainbike tritt ab Happy End

Die Generation Mountainbike tritt ab

 
#1
Die altgewordenen Wilden suchen jetzt Komfort - und entdecken das Fitnessbike  
 
Steile Pisten? Schweißnasse Hemden? Sehnsucht nach knöcheltiefem Schlamm? Das war einmal. "Die Generation Mountainbike gibt's nicht mehr", sagt der Fahrradkaufmann Stefan Plath vom Berliner "Bike-Market". "Der Fahrradfahrer wird erwachsen."

Die jungen Wilden sind in die Jahre gekommen. Fahrrad fahren sie immer noch, - schon, um den Bauchansatz zu bekämpfen - aber ein bisschen komfortabler darf es sein. "Der große Mountainbike-Hype ist schon seit fünf Jahren vorbei", sagt Plath. Um die Kunden bei Laune zu halten, hat sich die Fahrradindustrie zum Beginn der neuen Saison etwas einfallen lassen, was dem neuen Bedürfnis der früheren Querfeldeinfahrer entgegenkommt: Fitnessbikes. Das klingt immer noch sportlich, geht schon mehr in Richtung Jane-Fonda-Aerobik-Kurs.

Die Industrie jedenfalls ist von dem neuen Fahrrad sehr angetan - schon deshalb, weil der Markt nach dem Boomjahr 2000 etwas an Dynamik verloren hat. Daran ist neben schlechten Sommern auch die Konsum-Unlust nach dem 11. September Schuld.

"Das Fitnessbike ist ein ganz neues Konzept", schwärmt Siegfried Neuberger vom Zweirad-Industrie-Verband. Darin versuchen die Hersteller, die Vorteile verschiedener Fahrradtypen in einem einzigen Modell zu verschmelzen. Das Ergebnis liegt "irgendwo zwischen Mountainbike, Rennrad und Trekkingrad", sagt Neuberger.

Auf die Idee gekommen sind die Designer der Stuttgarter Fahrradfirma Paul Lange, die vor allem als Importeur von hochwertigen Shimano-Schaltungen bekannt ist. Die Kreativen wollten einen sportlichen Rahmen, der in Richtung Rennrad geht, aber einen geraden Lenker hat, weil das bequemer ist. Die Rennrad-Schaltung ist trotzdem geblieben. Das neue Rad sollte außerdem sehr leicht sein und - wie ein Mountainbike - in der Grundausstattung kein Schutzblech und keine feste Beleuchtung haben. "Es soll ein Fahrrad sein für Leute, die im Winter ins Fitnesstudio gehen und im Sommer auf der Straße trainieren wollen", sagt Zweirad-Experte Neuberger. Damit es auf dem Asphalt schneller vorangeht, haben Fitnessbikes im Gegensatz zu den meisten Moutainbikes keine 26, sondern 28-Zoll-Räder. Die Zielgruppe sind Leute zwischen 25 und 40 Jahren - aktive Menschen mit Geld.

Nicht alle Fitness-Bikes sehen gleich aus. Um den Bedürfnissen der Käufer so weit wie möglich entgegenzukommen, sind die einen näher am Rennrad ("Race-Fitness-Bike" heißt das beim Fahrradbauer Epple), die anderen näher am Mountainbike ("Cross-Fitness-Bike"). Die Normalos fahren ein Allround-Fitness-Bike, wahlweise mit Scheiben- oder V-Bremse. Was alle Typen verbindet, ist neben dem geringen Gewicht eine Voll-Federung. "Das ist auch 'was für Leute mit Bandscheibenproblemen", sagt der Regensburger Großhändler Helmut Stadler.

Stadler, der auch in Berlin eine Filiale hat, will das neue Rad für Käufer der mittleren Preisklasse attraktiv zu machen. "Für 359 Euro aufwärts gibt es schon gute Fahrräder", sagt der Händler. Sein Ziel ist es, den Preis bei 500 Euro zu etablieren. "Die sollen bezahlbar bleiben." Stefan Plath hält davon gar nichts. "Gute Qualität", sagt er, "gibt's erst ab 600 Euro aufwärts". Bei Epple etwa beginnt die Preispalette bei 600 Euro und reicht bis zu 1600 Euro für das Topmodell in der Shimano-Luxus-Ausstattung XT. Der US-Hersteller Cannondale fängt erst bei 800 Euro an - nach oben gibt es keine Grenzen. "Einige sind teurer als mein Auto", sagt Plath.

Während die Fitnessbikes die Straße erobern, rosten viele Mountainbikes im Keller vor sich hin. "Das Mountainbike ist für viele ein Zweitfahrrad geworden", sagt Plath. Oder ein Liebhaberstück. Großhändler wie Stadler bieten sie schon ab ab 250 Euro an. Die teuersten Exemplare verkauft er für rund 7000 Euro das Stück, sie kommen von den US-Herstellern Cannandale oder Scott.

Wer so was kauft? "Leute, die es sich leisten wollen", sagt Stadler. "Eher Männer, keine Frage." Und erzählt die Geschichte von dem älter werdenden Herrn, der jedes Jahr einmal in sein Geschäft kam, um ein noch teureres, noch ausgefeilteres Fahrrad zu kaufen. "Der hat mir erzählt, dass er seine fehlende Kondition durch Technik ausgleichen muss", sagt Stadler.

Als Zweitfahrrad für Städter empfiehlt der Großhändler noch eine anderes Rad, das er in sechs Wochen in den Handel bringen will: Das Handy-Bike. "Das ist so klein wie ein Handy und passt fast in jede Tasche." Dazu muss man es aber zusammenklappen: Das Handy-Bike ist ein Falt-Rad. Der Winzling hat so kleine Räder wie ein Scater-Roller und wiegt nur sieben Kilo - halb so viel wie ein Fitnessbike. "Das kann man im Flugzeug sogar im Handgepäck verstauen", sagt Stadler. Kosten soll es 399 Euro.  

tagesspiegel.de


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