Nachdem der Sommer entgültig vorbei ist, kommt ein frischer herbstlicher Wind in die Säulen der Deutschen Telekom. Helmut Sihler, der neue Chef auf Zeit des Telekommunikationsunternehmens will zur Rettung des Konzerns eine völlig neue Marktlücke erschliessen: die Telepathie. In einem Interview verriet Sihler, wie er dieses übersinnliche Thema vermarkten will.
SPIEGEL: Herr Sihler, wie kamen Sie ausgerechnet auf Telepathie?
Sihler: Gehirnforscher haben unlängst bewiesen, daß das menschliche Gehirn durchaus zur
Gedankenübertragung fähig ist; es fehlt eben nur noch der richtige Anstoß. Ich habe es ja selbst erlebt! Nach fast 45 Jahren Ehe kann ich die Gedanken meiner Frau lesen wie ein Buch, auch wenn ich manche Seiten am liebsten rausreißen und verbrennen möchte, aber das tut hier nichts zur Sache.
SPIEGEL: Wie fügt sich die Telepathie in die übrigen Dienstleistungen der Deutschen Telekom ein?
Sihler: Es entsteht eine fünfte Säule, die sogenannte T-Mental. Allerdings ist der Name noch nicht entschieden, denn T-Pathie und T- Mind wurden noch nicht verworfen. Die Mitarbeiter dieser neuen Konzernsäule werden in dafür entworfenen Assesment-Centern ausgewählt und..
SPIEGEL: Assesment Center?
Sihler: Ja, die üblichen Tests: Verdeckte Spielkarten erraten, Konzentrationsübungen, Sag-mir-an-welche-Zahl-ich-denke, Tarot, Glaskugeln usw.
SPIEGEL: Herr Sihler, denken Sie wirklich, daß dieser Hokuspokus zur Stärkung des konservativen Images der Deutschen Telekom beiträgt, geschweige denn der Konzern in Zukunft noch ernst genommen wird?
Sihler: Genau das ist es! Wir möchten weg von diesem Altmännerimage und auf den Jungunternehmerzug aufspringen, das erfordert manchmal völlig neue Denkweisen, deshalb..
SPIEGEL: Gestatten Sie eine persönliche Frage.. wie alt sind Sie?
Sihler: 72, wieso fragen Sie?
SPIEGEL: Nur so... aber ich habe Sie unterbrochen!
Sihler: Unsere Marketing-Abteilung hat schon wundervolle Slogans und Werbespots entworfen. "Think Pink!" zum Beispiel, oder...
SPIEGEL: Pink? Ist die Konzernfarbe nicht Magenta?
Sihler: Erklären Sie mir den Unterschied!
SPIEGEL: Ähm, das kann ich nicht, weil ich..
Sihler: Sehen Sie! Und unseren Kunden ist das auch egal, die sehen Rosa, wenn Sie unser Logo sehen, und daher soll es mir recht sein. "Think Magenta" hört sich irgendwie kränkelnd an.
SPIEGEL: ..farbenblind bin.
Sihler: Wie bitte?
SPIEGEL: Ach nichts, erzählen Sie mir mehr davon, wie Sie Ihre Kunden auf den neuen Service aufmerksam machen wollen.
Sihler: Da wäre dieser Werbespot: Jan Ullrich fährt gerade in der Tour De France, als zur gleichen Zeit seine Putzfrau das benutzte Kondom von letzter Nacht findet und empört denkt "Dieser Herr Ullrich, so ein Schwein!". Jan radelt unterdessen vor Schreck und Scham die Böschung hinunter. Oder der mit Manfred Krug und Charles Breuer, wie beide im Theater stehen und von den Vorteilen der neuen T- Mental-Services singen, als sich plötzlich Punkt 20:00 der Saal leert und Krug fragt "Wo wollen die denn alle hin?". "Mensch, ich habe gerade daran gedacht, daß die Kneipe hier um die Ecke um 20:00 Happy- Hour hat: das Bier für 1 Euro!".Sensationell, nicht wahr? Außerdem bekommen die ersten 1.000 Abbonementen 50 Gedankenübertragungen pro Monat gratis.
SPIEGEL: Sehr schön durchdacht! Aber WIE genau funktioniert das nun?
Sihler: Sehen Sie, jeder Kunde bekommt einen Decoder, der explizit auf seine Gehirnwellen eingestellt wird. Dafür kommt ein Servicetechniker - ein sogenannter Brainstormer - ins Haus und kalibriert das Gerät. Das sieht aus wie eine EEG-Sitzung und fühlt sich auch so an. Dieser Decoder zeichnet alle ausgehenden telephatischen Übertragungen auf und listet sie dann am Ende in der monatlichen Rechnung auf. Im Grunde das Gleiche wie bei einem Telefonanschluß auch. Wir haben sogar ein neuartiges Call-Center eingerichtet, an das Kunden jederzeit ihre Beschwerden und Fragen richten können. Eine Weltneuheit ist dabei, daß das Troubleticketing nicht nur per Fax, Telefon, Brief, online oder email durchgeführt werden kann, sondern auch telephatisch Störungsmeldungen entgegen genommen werden.
SPIEGEL: Herr Sihler, wie ich sehe, ist unsere Zeit um. Das ist sehr schade, denn ich hätte noch einige weitere Fragen gehabt, die unsere Leser sehr interessieren würden; schließlich ist das ein spannendes Thema. Ich bin mir sicher, daß diese brilliante Strategie der T-Aktie zu einem Rekordkurs verhelfen wird und ich denke..
Sihler: ICH WEISS, WAS SIE DENKEN, SIE JOURNALISTENRATTE. ICH KANN IHRE GEDANKEN LESEN, SIE SCHWEIN. SIE DENKEN ICH BIN EIN SENILER ALTER BOCK, DER EINEN NAPOLEON- JESUS-KOMPLEX HAT..
SPIEGEL: Herr Sihler, beruhigen Sie sich bitte!
Sihler: WARUM SOLL ICH MICH BERUHIGEN, SIE FALSCHER FUFFZIGER! WISSEN SIE, WAS ICH MIT IHNEN MACHEN WERDE? ICH WERDE IHNEN ..
SPIEGEL: Herr Sihler! Wenn Sie sich nicht sofort beruhigen, muß ich Ihren Pfleger holen und dann müssen Sie wieder die Nacht in der Zwangsjacke verbringen, das wollen Sie doch auch nicht, oder?
SPIEGEL: Herr Sihler, wie kamen Sie ausgerechnet auf Telepathie?
Sihler: Gehirnforscher haben unlängst bewiesen, daß das menschliche Gehirn durchaus zur
Gedankenübertragung fähig ist; es fehlt eben nur noch der richtige Anstoß. Ich habe es ja selbst erlebt! Nach fast 45 Jahren Ehe kann ich die Gedanken meiner Frau lesen wie ein Buch, auch wenn ich manche Seiten am liebsten rausreißen und verbrennen möchte, aber das tut hier nichts zur Sache.
SPIEGEL: Wie fügt sich die Telepathie in die übrigen Dienstleistungen der Deutschen Telekom ein?
Sihler: Es entsteht eine fünfte Säule, die sogenannte T-Mental. Allerdings ist der Name noch nicht entschieden, denn T-Pathie und T- Mind wurden noch nicht verworfen. Die Mitarbeiter dieser neuen Konzernsäule werden in dafür entworfenen Assesment-Centern ausgewählt und..
SPIEGEL: Assesment Center?
Sihler: Ja, die üblichen Tests: Verdeckte Spielkarten erraten, Konzentrationsübungen, Sag-mir-an-welche-Zahl-ich-denke, Tarot, Glaskugeln usw.
SPIEGEL: Herr Sihler, denken Sie wirklich, daß dieser Hokuspokus zur Stärkung des konservativen Images der Deutschen Telekom beiträgt, geschweige denn der Konzern in Zukunft noch ernst genommen wird?
Sihler: Genau das ist es! Wir möchten weg von diesem Altmännerimage und auf den Jungunternehmerzug aufspringen, das erfordert manchmal völlig neue Denkweisen, deshalb..
SPIEGEL: Gestatten Sie eine persönliche Frage.. wie alt sind Sie?
Sihler: 72, wieso fragen Sie?
SPIEGEL: Nur so... aber ich habe Sie unterbrochen!
Sihler: Unsere Marketing-Abteilung hat schon wundervolle Slogans und Werbespots entworfen. "Think Pink!" zum Beispiel, oder...
SPIEGEL: Pink? Ist die Konzernfarbe nicht Magenta?
Sihler: Erklären Sie mir den Unterschied!
SPIEGEL: Ähm, das kann ich nicht, weil ich..
Sihler: Sehen Sie! Und unseren Kunden ist das auch egal, die sehen Rosa, wenn Sie unser Logo sehen, und daher soll es mir recht sein. "Think Magenta" hört sich irgendwie kränkelnd an.
SPIEGEL: ..farbenblind bin.
Sihler: Wie bitte?
SPIEGEL: Ach nichts, erzählen Sie mir mehr davon, wie Sie Ihre Kunden auf den neuen Service aufmerksam machen wollen.
Sihler: Da wäre dieser Werbespot: Jan Ullrich fährt gerade in der Tour De France, als zur gleichen Zeit seine Putzfrau das benutzte Kondom von letzter Nacht findet und empört denkt "Dieser Herr Ullrich, so ein Schwein!". Jan radelt unterdessen vor Schreck und Scham die Böschung hinunter. Oder der mit Manfred Krug und Charles Breuer, wie beide im Theater stehen und von den Vorteilen der neuen T- Mental-Services singen, als sich plötzlich Punkt 20:00 der Saal leert und Krug fragt "Wo wollen die denn alle hin?". "Mensch, ich habe gerade daran gedacht, daß die Kneipe hier um die Ecke um 20:00 Happy- Hour hat: das Bier für 1 Euro!".Sensationell, nicht wahr? Außerdem bekommen die ersten 1.000 Abbonementen 50 Gedankenübertragungen pro Monat gratis.
SPIEGEL: Sehr schön durchdacht! Aber WIE genau funktioniert das nun?
Sihler: Sehen Sie, jeder Kunde bekommt einen Decoder, der explizit auf seine Gehirnwellen eingestellt wird. Dafür kommt ein Servicetechniker - ein sogenannter Brainstormer - ins Haus und kalibriert das Gerät. Das sieht aus wie eine EEG-Sitzung und fühlt sich auch so an. Dieser Decoder zeichnet alle ausgehenden telephatischen Übertragungen auf und listet sie dann am Ende in der monatlichen Rechnung auf. Im Grunde das Gleiche wie bei einem Telefonanschluß auch. Wir haben sogar ein neuartiges Call-Center eingerichtet, an das Kunden jederzeit ihre Beschwerden und Fragen richten können. Eine Weltneuheit ist dabei, daß das Troubleticketing nicht nur per Fax, Telefon, Brief, online oder email durchgeführt werden kann, sondern auch telephatisch Störungsmeldungen entgegen genommen werden.
SPIEGEL: Herr Sihler, wie ich sehe, ist unsere Zeit um. Das ist sehr schade, denn ich hätte noch einige weitere Fragen gehabt, die unsere Leser sehr interessieren würden; schließlich ist das ein spannendes Thema. Ich bin mir sicher, daß diese brilliante Strategie der T-Aktie zu einem Rekordkurs verhelfen wird und ich denke..
Sihler: ICH WEISS, WAS SIE DENKEN, SIE JOURNALISTENRATTE. ICH KANN IHRE GEDANKEN LESEN, SIE SCHWEIN. SIE DENKEN ICH BIN EIN SENILER ALTER BOCK, DER EINEN NAPOLEON- JESUS-KOMPLEX HAT..
SPIEGEL: Herr Sihler, beruhigen Sie sich bitte!
Sihler: WARUM SOLL ICH MICH BERUHIGEN, SIE FALSCHER FUFFZIGER! WISSEN SIE, WAS ICH MIT IHNEN MACHEN WERDE? ICH WERDE IHNEN ..
SPIEGEL: Herr Sihler! Wenn Sie sich nicht sofort beruhigen, muß ich Ihren Pfleger holen und dann müssen Sie wieder die Nacht in der Zwangsjacke verbringen, das wollen Sie doch auch nicht, oder?