Mega-Rettungsplan: Der Teufel im Detail
Eine gigantische Auffanggesellsc haft soll den Banken die Problempapiere abkaufen. Doch die Historie lehrt: Das ist einfacher gesagt als getan.
Die Anleger flüchten aus Geldmarktfonds und leihen dem Staat Geld für lau - und sind bereit, soviel für Sicherheit zu zahlen wie zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs. Das Problem ist, dass Paulson und Bernanke die Grundwurzel allen Übels nicht gepackt haben: Die Milliarden an problematischen Wertpapieren, die in den Portfolios von Banken und Fonds lauern. Deshalb greifen die beiden wichtigsten Finanzbeamten der Welt wahrscheinlich zum allerletzten Mittel: Dem direkten Kauf dieser Papiere durch eine Auffanggesellsc haft. Die Idee ist sinnvoll, wird aber in der Umsetzung teuflisch schwierig.
Bausparkassenkr ise: Viel einfacher, aber trotzdem noch schwierig
Das zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Historisches Vorbild ist die Resolution Trust Corporation (RTC). Die Auffanggesellsc haft wurde 1989 geschaffen, um der Krise der Bausparkassen Herr zu werden. Was nicht vergessen werden darf: Damals handelt es sich um eine rein amerikanische Angelegenheit, die Produkte waren einfach, die Bausparkassen mehrheitlich zahlungsunfähig .
Zudem konnte auf einen reichlichen Erfahrungsschat z gebaut werden. Schließlich währte die Krise schon seit drei Jahren, in Form der Federal Asset Disposition Association (FADA) hatte man bereits 1985 ein Vorgänger zu RTC geschaffen. Die US-Einlagenversich ung FDIC hatte profunde Marktkenntnis und übernahm im RTC-Verwaltungsrat die bestimmende Rolle.
Und trotzdem gestaltete sich der Prozess schwierig. Präsident George H. W. Bush stellte den Rettungsplan am 9. Februar 1989 vor. Binnen 45 Tagen sollte das Gesetzespaket verabschiedet werden. Das erwies sich als absolut unrealistisch: Erst am 9. August war es soweit, satte sechs Monate später. Das hatte auch damit zu tun, dass wichtige Details wie beispielsweise die Größe der Auffanggesellsc haft bis zuletzt heftig umstritten waren.
Die Uhr tickt
Wenn es schon damals Probleme gab, wird es diesmal erst richtig unangenehm. Die aktuelle Krise ist viel komplexer als die Bausparkassenkr ise. Sie ist global, die Finanzinstitute sind nicht zahlungsunfähig , die Instrumente sind vielschichtig. Viele Kreditausfälle werden zwar erwartet, sind aber noch gar nicht eingetreten - Stichwort Zwangsversteige rungen von US-Immobilien, die sich gerade häufen. Zu allem Übel gibt es auch keine Erfahrungswerte wie damals. Nicht zuletzt ist 2008 ein Wahljahr, was den politischen Entscheidungspr ozess enorm verzögern dürfte.
Paulson und Bernanke spielen Risiko - und setzen auf die im Prinzip richtige Karte. Doch die Zeit arbeitet gegen die Beiden. Solange die Details nicht festgezurrt sind, gibt es für die Anleger keinen Grund, allzu optimistisch zu sein. Mag der Plan auch noch so ehrgeizig sein