Kurse überhitzt - Quartalsberichte können hohe Erwartungen kaum erfüllen
von Beatrix Wirth
Berlin - An der Börse ist es wie in der Schule oder beim Job: Ein übersteigerter Erfolgsdruck kann zu einem rapiden Leistungsabfall führen. Dieses Gesetz bekommen Anleger in der laufenden Berichtssaison zu spüren. Viele der jüngst vorgelegten Unternehmensergebnisse wurden an der Börse mit deutlichen Kursabschlägen quittiert - vor allem die großer Technologiekonzerne wie IBM, Nokia oder SAP. Dabei waren die Daten nicht durchweg schlecht. Allerdings hatten die Aktien im Vorfeld extrem viele Vorschusslorbeeren erhalten. Die hoch gesteckten Erwartungen konnten die Unternehmen kaum erfüllen; Enttäuschungen und Kursverluste waren die Folge.
"Die Qualität der Ergebnisse deutet nicht auf eine grundlegende Erholung hin, die die hohen Bewertungen des Marktes rechtfertigen würde", moniert etwa Axa-Fondsmanager Franz Wenzel in seiner ersten Zwischenbilanz der Berichtssaison in Europa. Dieser strenge Blick gibt einen Vorgeschmack auf die nächsten fünf Handelstage, in denen der Kalender mit brisanten Terminen gefüllt ist. So präsentieren in Deutschland am Dienstag und am Donnerstag Infineon und Siemens Quartalszahlen, am Donnerstag folgen aus der Autobranche Daimler-Chrysler und Volkswagen. Hochkarätiges wird auch aus den USA erwartet: Dort legen 166 Firmen aus dem S&P ihre Ergebnisse vor, nachdem bereits rund ein Drittel der Firmen aus dem wichtigen Auswahlindex berichtet hat.
Vor allem verhaltene Ausblicke auf das Geschäft könnten die Stimmung am Aktienmarkt belasten, befürchten Analysten. "Die Anleger werden feststellen, dass die Euphorie im Vorfeld zu groß gewesen ist", sagt Christian Schmidt, Marktanalyst bei der Helaba in Frankfurt. Seiner Einschätzung nach wird der Dax auf Sicht von vier bis sechs Wochen nicht weiter steigen. Dabei verweisen die Helaba-Experten auch auf mangelnde Impulse aus den USA. Dort herrsche derzeit eher die Tendenz, erzielte Gewinne zu sichern, sagen sie mit Blick auf die Insider-Käufe und -Verkäufe: Die US-Unternehmenschefs trennten sich mit steigenden Kursen zunehmend von den eigenen Aktien. Auch aus charttechnischen Gesichtspunkten müsse von einer Konsolidierungsphase gesprochen werden, bemerken die Strategen der Bankgesellschaft Berlin. "Die Aufwärtsbewegung ist ins Stocken geraten."
Gleichzeitig sind sich die Experten jedoch einig, dass die möglichen Korrekturen überschaubar bleiben werden. Denn nicht nur im Vorfeld der Berichtssaison wurde übertrieben - auch die aktuelle Kritik ist teilweise überzogen. So konnten die US-Unternehmen trotz einiger Schwächen die Analystenprognosen für das zweite Quartal per saldo bislang leicht übertreffen. In Europa wiederum nahmen zwar einige Analysten die Reports zum Anlass, ihre Gewinnschätzungen für dieses Jahr leicht nach unten zu revidieren. Doch unterstellen sie damit immer noch einen Ergebnisanstieg um durchschnittlich 24,9 Prozent.
Rückenwind kommt zumal von der Konjunkturseite. So hat Fed-Chef Alan Greenspan mit seiner optimistischen Rede in der Vorwoche die Hoffnungen auf einen baldigen Aufschwung geschürt. Auch die Rentenmärkte zeigen sich von einer Zinswende in absehbarer Zeit mittlerweile überzeugt, verdeutlichen die Futures auf die Fed Funds Rate. Schließlich gäben die globalen Konjunkturdaten immer mehr Anlass zur Hoffnung, meinen die Volkswirte von M.M. Warburg. Positiv heben sie zudem die jüngste Abwertung des Euro zum Dollar hervor: Sie fördere eine grundlegend freundliche Börsentendenz. Vor diesem Hintergrund haben die Experten ihr Kursziel für den Dax auf 3700 Zähler hochgenommen. Roland Ziegler von ING BHF-Bank prognostiziert sogar einen Anstieg bis 3800 Punkte bis zum Jahresende, sollten sich die Konjunkturdaten in Richtung einer wirtschaftlichen Belebung verdichten.
Mit anderen Worten: Das Kurspotenzial dürfte trotz der deutlichen Gewinne der Weltbörsen in den zurückliegenden Monaten noch nicht ganz ausgeschöpft sein. So raten die Strategen der DZ Bank denn auch, bei zwischenzeitlichen Kursrückschlägen Engagements einzugehen. Korrekturen sehen sie ohne Einschränkungen positiv: "Sie helfen, spekulativen Übertreibungen vorzubeugen."
Welt.de
von Beatrix Wirth
Berlin - An der Börse ist es wie in der Schule oder beim Job: Ein übersteigerter Erfolgsdruck kann zu einem rapiden Leistungsabfall führen. Dieses Gesetz bekommen Anleger in der laufenden Berichtssaison zu spüren. Viele der jüngst vorgelegten Unternehmensergebnisse wurden an der Börse mit deutlichen Kursabschlägen quittiert - vor allem die großer Technologiekonzerne wie IBM, Nokia oder SAP. Dabei waren die Daten nicht durchweg schlecht. Allerdings hatten die Aktien im Vorfeld extrem viele Vorschusslorbeeren erhalten. Die hoch gesteckten Erwartungen konnten die Unternehmen kaum erfüllen; Enttäuschungen und Kursverluste waren die Folge.
"Die Qualität der Ergebnisse deutet nicht auf eine grundlegende Erholung hin, die die hohen Bewertungen des Marktes rechtfertigen würde", moniert etwa Axa-Fondsmanager Franz Wenzel in seiner ersten Zwischenbilanz der Berichtssaison in Europa. Dieser strenge Blick gibt einen Vorgeschmack auf die nächsten fünf Handelstage, in denen der Kalender mit brisanten Terminen gefüllt ist. So präsentieren in Deutschland am Dienstag und am Donnerstag Infineon und Siemens Quartalszahlen, am Donnerstag folgen aus der Autobranche Daimler-Chrysler und Volkswagen. Hochkarätiges wird auch aus den USA erwartet: Dort legen 166 Firmen aus dem S&P ihre Ergebnisse vor, nachdem bereits rund ein Drittel der Firmen aus dem wichtigen Auswahlindex berichtet hat.
Vor allem verhaltene Ausblicke auf das Geschäft könnten die Stimmung am Aktienmarkt belasten, befürchten Analysten. "Die Anleger werden feststellen, dass die Euphorie im Vorfeld zu groß gewesen ist", sagt Christian Schmidt, Marktanalyst bei der Helaba in Frankfurt. Seiner Einschätzung nach wird der Dax auf Sicht von vier bis sechs Wochen nicht weiter steigen. Dabei verweisen die Helaba-Experten auch auf mangelnde Impulse aus den USA. Dort herrsche derzeit eher die Tendenz, erzielte Gewinne zu sichern, sagen sie mit Blick auf die Insider-Käufe und -Verkäufe: Die US-Unternehmenschefs trennten sich mit steigenden Kursen zunehmend von den eigenen Aktien. Auch aus charttechnischen Gesichtspunkten müsse von einer Konsolidierungsphase gesprochen werden, bemerken die Strategen der Bankgesellschaft Berlin. "Die Aufwärtsbewegung ist ins Stocken geraten."
Gleichzeitig sind sich die Experten jedoch einig, dass die möglichen Korrekturen überschaubar bleiben werden. Denn nicht nur im Vorfeld der Berichtssaison wurde übertrieben - auch die aktuelle Kritik ist teilweise überzogen. So konnten die US-Unternehmen trotz einiger Schwächen die Analystenprognosen für das zweite Quartal per saldo bislang leicht übertreffen. In Europa wiederum nahmen zwar einige Analysten die Reports zum Anlass, ihre Gewinnschätzungen für dieses Jahr leicht nach unten zu revidieren. Doch unterstellen sie damit immer noch einen Ergebnisanstieg um durchschnittlich 24,9 Prozent.
Rückenwind kommt zumal von der Konjunkturseite. So hat Fed-Chef Alan Greenspan mit seiner optimistischen Rede in der Vorwoche die Hoffnungen auf einen baldigen Aufschwung geschürt. Auch die Rentenmärkte zeigen sich von einer Zinswende in absehbarer Zeit mittlerweile überzeugt, verdeutlichen die Futures auf die Fed Funds Rate. Schließlich gäben die globalen Konjunkturdaten immer mehr Anlass zur Hoffnung, meinen die Volkswirte von M.M. Warburg. Positiv heben sie zudem die jüngste Abwertung des Euro zum Dollar hervor: Sie fördere eine grundlegend freundliche Börsentendenz. Vor diesem Hintergrund haben die Experten ihr Kursziel für den Dax auf 3700 Zähler hochgenommen. Roland Ziegler von ING BHF-Bank prognostiziert sogar einen Anstieg bis 3800 Punkte bis zum Jahresende, sollten sich die Konjunkturdaten in Richtung einer wirtschaftlichen Belebung verdichten.
Mit anderen Worten: Das Kurspotenzial dürfte trotz der deutlichen Gewinne der Weltbörsen in den zurückliegenden Monaten noch nicht ganz ausgeschöpft sein. So raten die Strategen der DZ Bank denn auch, bei zwischenzeitlichen Kursrückschlägen Engagements einzugehen. Korrekturen sehen sie ohne Einschränkungen positiv: "Sie helfen, spekulativen Übertreibungen vorzubeugen."
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