Die Börse dreht auf


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Nassie:

Die Börse dreht auf

 
24.01.04 21:59
Auch jetzt lohnt es sich noch, auf die Aktien-Hausse zu setzen. Der Dax wird weiter steigen, glauben die Experten der Finanzprognose
von Frank Stocker

 
Zehn Monate. So lange dauert die Hausse an den Aktienmärkten schon. Doch die meisten Privatanleger haben bislang nur zugeschaut. Zwar haben sich ihre Telekom-Aktien, die sie beim dritten Börsengang für 66,50 Euro erstanden haben, inzwischen ein klein wenig erholt. Doch das tröstet nur wenig. Denn mit neuem Geld bei den wirklichen Highflyern eingestiegen sind die wenigsten.


Doch seit der Dax elegant die 4000-Punkte-Hürde übersprungen hat, wächst das Interesse wieder. Sollte man also nun doch noch schnell auf den fahrenden Zug aufspringen?


WELT am SONNTAG hat zusammen mit der Münchener Forschungsgruppe Südprojekt 15 Banken zu ihren Kursausblicken befragt. Ergebnis: In seltener Einmütigkeit sehen sie für das nächste halbe Jahr weiterhin alle Ampeln auf Grün, Aktientendenz: steigend. Bis Ende Juli erwarten sie im Schnitt 4300 Punkte beim Dax und 10 800 Punkte beim Dow Jones. Das sind keine horrenden Steigerungen, aber die Aussage ist klar: Einbrüche sind nicht zu erwarten.


"Die guten Konjunkturdaten und positive Unternehmensmeldungen sorgen für eine anhaltende Aufwärtsdynamik", ist sich Günter Senftleben von der Bankgesellschaft Berlin sicher. So wird beispielsweise bei den Unternehmensgewinnen in den USA für das abgelaufene Quartal ein Zuwachs von 20 bis 25 Prozent erwartet. Das ist gigantisch.


Zwar sind viele gute Nachrichten bereits in den Kursen eingepreist. "Die Rückschlaggefahr ist aber deutlich zurückgegangen", so der Aktienstratege. Hinzu komme, dass der Konjunkturaufschwung simultan in allen drei großen Wirtschaftsregionen stattfinde - USA, Europa und Japan. Dadurch verstärkt sich die wirtschaftliche Erholung auf den drei Kontinenten gegenseitig.


Frank Bulthaupt von der Dresdner Bank teilt dieses Bild. Auch er sieht im ersten halben Jahr weiter steigende Aktienkurse. "Erst im zweiten Halbjahr erwarten wir eine Abflachung", sagt er. Dann dürften die Gewinnsteigerungen bei den US-Unternehmen deutlich nachlassen, da einfach die Basis des Vorjahrs schon deutlich höher ist. Zudem dürfte die Fed dann ernsthaft daran denken, die Zinsen zu erhöhen. "Das wird zu einem Dämpfer führen", sagt er voraus. "Erst 2005 geht es dann wieder aufwärts."


Wie einheitlich die Erwartungen der Aktienexperten sind, zeigt ein Vergleich. Die höchste Prognose für den Dax auf Sechsmonatssicht kommt von der Bankgesellschaft Berlin und liegt bei 4400 Punkten - das sind gerade mal 100 Punkte mehr als der Durchschnittswert. Bei der Finanzprognose vom September letzten Jahres betrug die Bandbreite der Ausblicke dagegen noch 1000 Punkte und der höchste Wert lag 400 Zähler über dem Durchschnitt.


Doch: "Wenn alle das Gleiche denken, denkt keiner richtig", wusste schon Georg Christoph Lichtenberg. Und siehe da, auch einigen wenigen Aktienstrategen ist die Einmütigkeit verdächtig. "Wenn alle das Gleiche erwarten, kommt es erfahrungsgemäß doch anders", sagt Rolf Elgeti von der Commerzbank. Er ist daher aus der Phalanx der Börsenpropheten ausgebrochen. "Ich gehe davon aus, dass die Korrektur eher kommt, als die meisten denken", sagt er. Elgeti glaubt, dass die Hausse zwar noch ein oder zwei Monate weiterläuft. Dann aber, schon im zweiten Quartal, werden die Kurse seiner Meinung nach wieder einbrechen.


"Die Unternehmensberichte für das erste Quartal dürften schlechter ausfallen als erwartet", sagt er. Dies liege daran, dass die Erwartungen inzwischen schon deutlich hochgeschraubt wurden. Sie lassen die nach wie vor vorhandenen Risiken weitgehend außer Acht - vom schwachen Dollar, über den hohen Ölpreis bis hin zur mangelnden Preisbildungsmacht der Unternehmen.


Elgeti fürchtet außerdem, dass die Fed schon im zweiten Quartal die Zinsen erhöht. Dies könnte den Markt nicht nur psychologisch treffen. "In den USA ist die Zahl der Aktienkäufe auf Kredit inzwischen schon wieder auf sehr hohem Niveau", warnt Elgeti. Besonders Nasdaq-Aktien werden von den Anlegern zunehmend auf Pump gekauft. "Eine Zinserhöhung könnte daher zu stressartigen Verkäufen führen", sagt er.


Immerhin ist aber auch Elgeti kein wirklicher Pessimist. In der zweiten Jahreshälfte sieht er die Aktienkurse wieder zulegen. "Dann kehrt der Bullenmarkt zurück", glaubt er. Für das Jahresende erwartet er wieder Kurse auf dem derzeitigen Niveau. Letztlich streiten die Experten also nur, wann die Hausse weitergeht, nicht ob. Denn die Bären scheinen endgültig ausgestorben.


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