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proxicomi:

"Die Anleger wurden betrogen"

 
02.12.00 01:49
N E U E R   M A R K T  


Jetzt droht eine Klagewelle von Anlegern  


Nach Infomatec geraten weitere Unternehmen ins Visier von Anwälten. 56 Millionen Mark sollen Infomatec-Vorstände ins Ausland geschafft haben.

Dem Neuen Markt droht eine Klagewelle. 20 Privatanleger fühlen sich von der skandalumwitterten Infomatec um ihr Vermögen gebracht und haben die Münchener Kanzlei Rotter-Rechtsanwälte mit einem Mandat beauftragt. Die Klage richtet sich gegen das Software-Unternehmen und seine inhaftierten Vorstandsmitglieder Gerhard Harlos und Alexander Häfele. Die Experten prüfen derzeit auch eine Klage gegen die Unternehmen EM.TV, Metabox und Teles.
"Die Anleger wurden betrogen"

"Wir sind der festen Überzeugung, dass Infomatec seine Anleger vorsätzlich belogen hat", sagt Kanzlei-Gründer Klaus Rotter im Gespräch mit manager magazin.de. Der Anspruch der Kläger beläuft sich nach seinen Aussagen auf 365.000 Mark. "Und es gehen laufend weitere Mandate in diesem Fall ein", ergänzt Kollege Michael Schulte.

Falsche Auftragslage vorgegaukelt
In der am Dienstag morgen beim Landgericht Augsburg eingereichten Klageschrift werfen die Anwälte dem Unternehmen vor, über Ad-hoc-Meldungen ein völlig falsches Bild von der Auftragslage vermeldet zu haben. Anstatt eines Volumens von 163 Millionen Mark hätten tatsächlich nur Orders im Wert von knapp acht Millionen Mark vorgelegen.

Staatsanwälte ermitteln

Gegen die inhaftierten Vorstände Harlos und Häfele ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft. Sie wirft ihnen unter anderem Kursbetrug und verbotene Insider-Geschäfte vor.

Aktionäre sollen für Kursverluste entschädigt werden

Rotter ist von einem Erfolg der Klage überzeugt: "Die Beweislage ist äußerst günstig. Wir werden dafür sorgen, dass die Anleger für enstandene Kursverluste entschädigt werden." Nach Aussagen des Kollegen Michael Schulte verfüge Infomatec noch über ein zweistelliges Millionen-Vermögen, aus dem gegebenenfalls Ansprüche der Anleger befriedigt werden könnten.

Mit einer Entscheidung des Gerichts rechnet die Kanzlei in sechs bis acht Monaten. Der Fall Infomatec ist laut Rotter der erste seiner Art in Deutschland, in dem Aktionäre wegen falscher Angaben eines börsennotierten Unternehmens jetzt vor Gericht ziehen.

Anwälte sprechen von geringem Prozessrisiko

Da es in Deutschland keine Sammelklagen wie in den Vereinigten Staaten gäbe, empfiehlt die Kanzlei anderen geprellten Anlegern, selbst Klage einzureichen. Das Prozessrisiko hält Schulte für gering. Die Kosten würde in der Regel jede Rechtsschutzversicherung übernehmen.

Die Kanzlei selbst erhebt für ihre Mandanten im Fall Infomatec ein gestaffeltes Pauschalhonorar. Bei einem Anspruch von unter 5000 Mark beträgt es 12 Prozent der Schadenssumme. Der Prozentsatz verringert sich mit einem Ansteigen der Schadenssumme.

Klage auch gegen EM.TV, Metabox und Teles möglich

Nach Angaben von Rotter prüft seine "Kanzlei zum Schutz des Privatvermögens" derzeit auch eine Klage gegen die ebenfalls am Neuen Markt notierten Unternehmen EM.TV, Metabox und Teles. Dem Medienunternehmen EM.TV werfen Rotters Mandanten vor, die Aktionäre über die Höhe der zu erwartenden Gewinne getäuscht zu haben.

Im Fall von Teles stehen Vorwürfe im Raum, der Vorstand habe die Aktionäre wiederholt mit überhöhten Kursprognosen getäuscht. "Hier stellt sich die Beweislage aber deutlich schwieriger dar", räumt Rotter ein. "Wenn sich die Vorwürfe erhärten und der Musterprozess gegen Infomatec gut ausgeht, dann werden wir auch gegen diese Unternehmen klagen", sagt der Rechtsanwalt und Betriebswirt.

"Anlegerfeindliche Rechtslage" in Deutschland

Im Zusammenhang mit Falschmeldungen von börsennotierten Unternehmen kritisiert der Anwalt eine aus seiner Sicht grundsätzlich "anlegerfeindliche Rechtslage" in Deutschland. Zwar sei die Verbreitung von Falschmeldung nach Paragraph 88 des Börsengesetzes ein Straftatbestand. Doch gelte dies nur, wenn ein Vorsatz nachweisbar sei.

Ein Recht auf Schadensersatz geprellter Anleger lasse sich daraus aber nicht zwingend ableiten, referiert Rotter die vorherrschende Meinung in der Rechtsliteratur.

Deshalb fordert der auf Börsenrecht spezialisierte Anwalt schon seit langem, den Tatbestand der "Fahrlässigkeit" mit in das Gesetz aufzunehmen und einen Anspruch auf Schadensersatz festzuschreiben.

Lutz Reiche
managermagazin

gruß proxi


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baanbruch:

Danke proxi! Übrigens zu RA Rotter ....

 
03.12.00 21:23

wer Kontakt aufnehmen will, dieser Rotter sitzt in Grünwald
BEI München.
Der RA Rotter in München selber ist ein ganz anderer
(und war vor 2 Jahren schon genervt ob der Namensgleichheit).
Ich finde leider meine Daten von damals nicht mehr, sonst würde
ich sie natürlich hier rein stellen.
Antworten
T.:

Wen's interessiert: Mein Anwalt beschäftigt sich

 
18.12.00 15:01
auch mit INFOMATEC und EM-TV, unabhängig von SDK und Rotter. Das habe ich sofort angeleiert, nachdem die Sachen mit den Falschmeldungen jeweils klar wurde.

T.
Antworten
1Mio.€:

Nach dieser Meldung ist es mir schon klar....

 
18.12.00 15:06
warum IFO so verliert!

Bin mal gespannt was aus dieser Klage wird!
Auf jeden Fall gehören die zwei Ganoven in den Knast und das ganze Geld eingezogen!

Gruss Mio.
Antworten
SchwarzerLor.:

Zum Thema Abzocke aus dem WO-Board

 
18.12.00 15:10
Dot.com 2000: Maßlose Übertreibung und verwirrende Analysen

Anfang des Jahres war die Welt für die zahlreichen Internet-Werte noch in Ordnung: Anleger rissen den jungen Dot.com-Firmen die Aktien förmlich aus den Händen. Zeichnungsgewinne in nicht unerheblichem Maße waren an der Tagesordnung.
So strichen Investoren beim Börsengang der Popnet Internet AG im Februar wahnwitzige Gewinne von 340 % ein. Zu 12,50 € ausgegeben debütierten die Papiere mit 55 €, scheiterten kurz darauf an der 100 €-Marke. Erstzeichner der Web.de-Aktie konnten sich im Februar ebenfalls über gut 150 % Gewinn freuen. Bis auf 70 € zogen die zu 26 € ausgegebenen Papiere an. Und dann kam der Frühling...
Und mit dem Frühling kamen Unternehmen an die Börse, die von dem Internet-Boom schnellstmöglich profitieren wollten, ohne eine intakte Story vorweisen zu können; Unternehmen wie beispielsweise Lycos Europe. Stattliche 672 Mio. € sammelte das niederländische Online-Portal bei gutgläubigen Anlegern ein. Anleger, die sich scheinbar nicht für die offensichtlichen Risiken interessierten. Denn nicht nur die Branche Internet stand durch mangelnde Akzeptanz und die vergleichsweise hohen Zugangsgebühren zu Beginn dieses Jahres auf wackeligen Beinen. Lycos hatte - und hat - unter anderem mit dem Online-Zugang Commundo auch ein hauseigenes Problem. Ohne vertragliche Verpflichtung und ohne monatliche Grundgebühr ermöglicht der Dienst seinen Kunden den Zugang zum Internet zum Ortstarif. Gewinne waren dort beileibe nicht zu erwarten. Und doch zeichneten die Anleger und wurden schon kurz nach dem Börsendebüt bitter enttäuscht. Den Ausgabepreis von 24 € sahen Investoren seitdem nie wieder: rund 5 € sind die Aktien neun Monate nach dem Börsengang noch wert; ein Minus von rund 79 %.

Wer nun darauf hoffte, Anleger und „Experten“ würden künftig vielleicht etwas sensibler mit Internet-Unternehmen umgehen und Chancen und Risiken gegeneinander abwägen, sah sich schon bald getäuscht. Plötzlich war alles das, was vor wenigen Wochen noch für gut befunden wurde, schlecht. Im Juni wurde der Internet-Boom für beendet erklärt; „The Game is over“ titelte eine amerikanische Börsenzeitung. Schlechte Nachrichten bestimmten das Tagesgeschäft, die guten gingen im Sumpf der Skandale um Letsbuyit.com, Ad Pepper, Adlink und GMX unter.
Untergegangen ist auch Pixelnet, digitaler Fotodienstleister aus dem Hause Lintec. Zu 14 € wurden die Aktien im Juni ausgegeben - für einen First Mover in einem aussichtsreichen Markt recht günstig. Doch die Vorteile wurden nicht erkannt, die Aktie geriet im allgemeinen Sog stark unter Druck. Mehr als 50 % musste das Papier zwischenzeitlich an Wert einbüßen. Mittlerweile kooperiert das Unternehmen mit AOL, hat Tochtergesellschaften in der Schweiz und in Norwegen gegründet und sich somit international gefestigt.
Nicht vergessen darf man die Rolle der Banken - gerade bei Internet-Werten. In unermesslicher Dreistigkeit werden Empfehlungen und Kursziele ausgesprochen, welche die Anleger in noch größere Verunsicherung treibt. So bescheinigte HSBC Trinkaus & Burkhardt dem Mini-Unternehmen Pixelnet beim Börsengang im Juni als Emissionsbegleiterin einen angemessenen Preis von 14 €. Drei Monate später sieht die gleiche Bank den Wert als Halteposition mit einem Kursziel von 11 €. Wieder einen Monat später spricht HSBC ein Kursziel von 8 € aus.
caatoosee ist der einzige Emittent dieses Jahres aus dem Bereich Internet, der über dem Emissionskurs liegt. 42-fach überzeichnet war die Emission im September, die Erstnotiz brachte eine Kursverdoppelung. Zum Jahresende kann die Gesellschaft noch ein wenig zulegen und liegt 130 % über dem Ausgabepreis. Guten Zahlen und konsequenter Ausweitung der Geschäftstätigkeit sei Dank.
Im kommenden Jahr suchen sicherlich wieder einige Dot.coms den Weg zum Kapitalmarkt. Was sie von den diesjährigen unterscheiden wird ist, dass sie ein ausgereiftes und breit aufgestelltes Geschäftsmodell und eine kurzfristige Tendenz zum Break Even aufweisen müssen, um Investoreninteresse zu wecken. Die Tendenz, dass ein Going Public als zusätzliche Finanzierungsrunde gesehen wird, wird es im kommenden Jahr hoffentlich nicht geben. Vielleicht gewinnen Anleger dann auch wieder Vertrauen in Internet-Werte; vielleicht schwimmen Analysten dann auch nicht mehr mit dem Strom, sondern orientieren sich an Chancen und Risiken.

Autor: Robert Sopella, 07:08 18.12.00
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