Natürlich hat Larry Rosen den Überblick und er weiß genau wieviel Geld noch für den Frachtbereich ausgegeben werden muss. Daher kann er sagen, dass sie Ziele 2016/2017 erreicht werden, weil die Ausgaben nur auf 2015 beschränkt sein werden. Ob allerdings dann wieder die Gewinne eingefahren werden ist damit nicht gesagt.
Dennoch muss man mal überprüfen wie sich die Ziele einzeln darstellen. Fangen wir mit 2015 an :
Das erwartete Ergebnis wird vom Vorstand um ca. 100 Mio. gekürtzt. Das kann durch die Halbjahreszahlen belegt werden. Die Belastung im Lieferkettenbereich ist von einem Minus im ersten Quartal (- 70 Mio.) auf einen Anstieg um +10 Mio. verbessert worden. Das wird auch im zweiten Halbjahr so fortgestet, weil dort alles langfristige Verträge sind. Der Streik ist beendet und hat langfristig günstige Lohnentwicklungen eingefahren. Die angeblichen Kosten sind damit auf das zweite Quartal beschränkt. Der Frachtbereich hat sich vom ersten zum zweiten Quartal stabilisiert. Der Expressbereich ist über alle Erwartungen deutlich gestiegen. Insgesamt sind alle Bereiche im Umsatz gestiegen.
Technisch würde ich sagen, dass das Geschäftsmodell gesund ist. Man kann nur hoffen, dass der Vorstand alle Belastungen in die Zahlen des zweiten Quartals "hineingetrixst" hat. Einen weiteren Streik wird es nicht geben, der so große Belastungen vertuschen kann. Bleibt das zweite Halbjahr ohne zusätzliche Belstungen, so wird sich schon dann der gestiegene Umsatz bemerkbar machen. Alle währungsbedingten Einflüsse finden im PeP-Bereich so gut wie gar nicht statt und auch im Expressbereich sind sie nur ganz gering vorhanden. Hier macht sich der Vorteil des Euroraumes bemerkbar.
Damit ist die Reduzierung um genau die 100 Mio. Euro aus dem zweiten Quartal auf das Jahresergebnis passend und wird durch die beginnende Stabilisierung der Ausgaben (nicht der Einnahmen !) im zweiten Halbjahr zum Erreichen der 2,95 bis 3,1 Milliarden Euro führen.
Wie sieht es mit 2016/2017 aus ?
Hier hat der Vorstand seine Erwartungen unverändert gelassen. Gerade so als ob es die Belastungen dieses Jahres nicht gegeben hätte. Von maximal 3,1 Milliarden in 2015 auf bis zu 3,7 Miliarden in nur zwei weiteren Jahren ist eine sehr hohe Latte. Allerdings hat die Post das Sprungbrett des Umsatzwachstums in allen Bereichen in 2015. Das hat zur Folge, dass in 2016 und 2017 sich die Umsätze an die gestiegenen Werte in 2015 anschließen müssen und nicht von einem Rückgang erst zur Aufholjagd angestetzt werden muss.
Finden jedoch zumindest die Ausgaben ihr Ende, so bleibt ein erhöhter Ertrag alleine wegen der erhöhten Umsätze. Das aber hätte die Aussichten für die Jahre 2016 und 2017 nicht verändert. Es wäre genau so wie vor den Zahlen des zweiten Quartals 2015. Für die Dividendenentwicklung ist bei allen diesen Zahlen gar keine Änderung zu sehen. Selbst die um 100 Mio. reduzierten Zahlen für 2015 ändern nichts an den laufenden Erwartungen, denn sowohl die jetzigen 85 Cent als auch die 90 Cent für das Geschäftsjahr 2015 sind mit dem EBIT von 2,95 bis 3,1 Millarden realisierbar, denn selbst diese Wetrte liegen noch über den Zahlen von 2014.
Zumindest das kann man als schlüssigen Vortrag akzeptieren.
Alles Gute
Der Chartlord
P.S. Und ein Verkauf der sanierten Frachtsparte zum angemessenen Preis ist immer möglich. Nachfrage wäre jedenfalls genügend vorhanden.