@ 18 Karat
"Wenn kein Spargeld da ist bekommt man das Geld von der EZB, der Sparer wird außen vor gelassen."
Schau dir die Bankbilanzen an und du siehst, dass das nicht korrekt ist. Die Zentralbankkredite sind nicht dominant. Die Bilanzsummen sind hoch und voll mit Kundengeldern. Auch Girokonten werden durch den Bodensatz zu einem gewissen %satz für Kredite genutzt. Aber wie gesagt: ein Blick auf die Bilanzen genügt.
Die Fristen- und Losgrößentransformation funktioniert nach wie vor. Die Funktion wird erfüllt und sie ist wichtig, siehe 2009.
"Steigt nun der Zinssatz, so werden die Sparer wieder zurückkommen, die Banken haben aber große Summen billig in den Markt gepresst u. müssen nun das Geld wieder teuer einkaufen.......
Zinsen dürfen also gar nicht steigen."
Das ist das Problem des Aktivüberhangs, allerdings ist es nicht so gravierend, schließlich ist es nur temporär, da durch Fälligkeiten auch die Aktivseite wieder im Zins steigt, was langfristig auch die Zinsspannen wieder erhöhen würde. Langfristig wäre es gut für die Branche, wenn die Zinsen steigen, nur belastet es kurzfristig die Gewinne und ggf. die Eigenmittel, die aber genau für solche Fälle ja seit der Finanzkrise aufgebaut wurden. Steigende Zinsen würden dazu führen, dass europäische Banken in Zukunft endlich wieder eine Rendite erzielen würden, die im Einklang mit dem Risiko steht.
"Es würden einfach andere gesundere Banken mehr Anteile übernehmen. Das ist der Selbe Quatsch, wie der Euro ist alternativlos! "
Das habe ich doch bereits empirisch widerlegt. Siehe Finanzkrise und 1929. Banken, die crashen führen zu Vertrauenskrisen und damit zu Bankruns, die die Liquidität (Aktivüberhang) der Banken aufzehrt, da die Aktivseite nicht direkt liquidiert werden kann. Die Geldmenge reduziert sich enorm durch die wegfallende Giralgeldschöpfung, Deflation entsteht, die Investitionen brechen damit zusammen und das doppelt, da keine Kredite mehr zur Verfügung stehen. Die Arbeitslosigkeit erreicht extreme Höhen, die Staaten ruinieren sich durch Sozialausgaben und fallende Steuern. So war es 1929. 2009 hatten wir keine Bankruns, allerdings ein Austrocknen des Kreditangebots, eben durch die angespannte Situation der Banken aufgrund von Ausfällen, die sich von Bank zu Bank ausbreiten (Verflechtung). Die Folge: fallende Investitionen, geringere Giralgeldschöpfung, fallendes reales BIP, Arbeitslosigkeit (bei uns weniger, dafür Lohndruck und Arbeitszeitenreduktion, anderswo deutlich extremer).
Ja, die Banken sind systemrelevant. Wenn du sagst, dass sie das System sind, dann wären sie ja ebenso relevant für das System. Daher ergibt der Einwurf für mich keinen Sinn. Unsere Wirtschaft benötigt ein funktionierendes Banksystem. Sozialismus? Nun, eher Sachzwänge. Allerdings haben die Aktionäre durchaus gehaftet, wenn der Staat die Anteile extrem verwässert. Darum ist das Moral Hazard Problem aus Sicht der Eigentümer auch geringer als angenommen wird. Es besteht aber natürlich beim Management. Die Herausforderung ist es, den Sektor so aufzustellen, dass solche Rettungsaktionen in Zukunft weitestgehend verhindert werden. Der anerkannte Weg dazu ist es, höhere Anforderungen an das Risikomanagement zu stellen (qualitativ und quantitativ) und die Banken so zu Vorsicht zu zwingen.
Dein Weg ist der Weg von 1929. Der Weg, der genau in die wirtschaftliche Depression führt, heute durch starke Verflechtung noch viel stärker als damals. Dein Weg ist der, der versucht wurde und der für falsch befunden wurde.