...mit Blick auf die schwache Historie vorsichtig, was die alles entscheidende Ausführung der Pläne betrifft. Eoin Mullany von der Berenberg Bank rät Anlegern sogar, die Aktien aufgrund der ausbleibenden Kapitalerhöhung in eine Kursstärke hinein zu verkaufen - eben wegen "enormer Umsetzungsrisiken" und wenig Raum für Fehler mit Blick auf die Kapitaldecke.
Analyst Andrew Stimpson von der Bank of Amerika äußerte sich ähnlich und sieht in der Kapitalausstattung der Deutschen Bank weiter ein Problem. Das Finanzhaus begebe sich mit seiner Strategie in die Hände der Regulierungsbehörden. Ohne eine Reduzierung der Kapitalanforderungen oder eine Erlaubnis der Europäischen Zentralbank, die risikogewichteten Vermögenswerte im operativen Geschäft schneller verringern zu dürfen, könnte es der Deutschen Bank an dem nötigen Kapital für ihre Wachstumspläne mangeln. Die Kosten für das Abstoßen von Vermögensteilen seien ebenfalls noch nicht diskutiert worden.
Die Expertin Anke Reingen vom Analysehaus RBC gestand der Bank zwar zu, dass sie ihr Geschäftsmodell radikaler als gedacht überarbeitet habe. Die erhoffte Steigerung der Profitabilität aber sollte sich nun noch mehr verzögern. Insofern böten sich Anlegern mehr Chancen bei anderen Sektorwerten.
Skeptisch äußerte sich auch Analyst Jernej Omahen von der US-Investmentbank Goldman Sachs (NYSE:GS). Die strukturellen Herausforderungen für die Deutsche Bank seien nicht vom Tisch. So zögen die Finanzierungskosten deutlich an und es herrsche immer noch Unsicherheit darüber, wie groß denn das Investment-Banking nach dem Umbau tatsächlich sein werde. Vor allem aber fehle es weiterhin an sehr renditeträchtigen Geschäftsfeldern.
Das Urteil des am Aktienmarkt sehr beachteten Analysten Kian Abouhossein von der US-Bank JPMorgan (NYSE:JPM) fällt milder aus. Die mutigen Umbaupläne seien das erste Mal nicht halbgar, sondern stellten einen echten strategischen Schwenk dar. Der Experte Daniele Brupbacher von der schweizerischen Bank UBS (SIX:UBSG) ergänzte: Wenn die Umsetzung klappe, könnte das Ergebnis je Aktie 2022 bei 2 Euro liegen.
Die Aktien der Deutschen Bank leiden bereits seit Jahren unter den Folgen der Finanzkrise, da das Billiggeld der Notenbanken das Zinsgeschäft einbrechen ließ. Als Belastung hinzu kamen diverse Rechtsstreitigkeiten. Nach dem geplatzten Traum von einer Fusion mit der Commerzbank (4:CBKG) war der Kurs zwischenzeitlich auf ein Rekordtief 5,801 Euro abgesackt. Seit Anfang Juni hat sich der Aktienkurs wieder ein Stück weit erholt.
Mit dem Rückschlag an diesem Montag jedoch hat sich das charttechnische Bild wieder etwas eingetrübt. Zwar liegt das bisherige Tageshoch von 7,49 Euro über dem höchsten Kurs am Freitag, doch gleichzeitig liegt aktuell auch das Tagestief von 6,762 Euro unter dem Tief vom Freitag. Chartexperten zufolge könnte eine solche Konstellation eines höheren Hochs und eines tieferen Tiefs darauf hinweisen, dass der jüngste Aufwärtstrend an Dynamik verliert.
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