Stand: 19.04.2015, 14:18 Uhr
Sollte sich die Deutsche Bank von der Postbank trennen, geht das wohl nur mit milliardenschweren Korrekturen in der Bilanz. Schlecht also für die Aktie der Deutschen Bank – aber auch für die der Postbank.
Noch will sich die Deutsche Bank bei ihrem großangelegten Umbau nicht in die Karten schauen lassen. Aber Finanzkreisen zufolge beabsichtigt sie, sich von der Postbank zu trennen. Die Aktien könnten entweder über eine großangelegt Aktienplatzierung an der Börse verkauft werden. Angesichts der Menge von Aktien dürfte das dem Postbank-Aktienkurs kaum zuträglich sein. Immerhin sind derzeit nur noch sechs Prozent der Aktien im Streubesitz, der Rest gehört der Deutschen Bank.
Ein Verkauf an eine andere Bank oder gar einen Finanzinvestor stehe ebenfalls zur Debatte, sagte ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Ob Börsengang oder Privatverkauf: Beides könnte die Deutsche Bank belasten.
Weniger als sechs Milliarden?
Bei dem aktuellen Postbank-Aktienkurs von 35,75 Euro ist das Bonner Institut 7,8 Milliarden Euro wert. Doch das ist ein spekulationsgetriebener Kurs. Anleger hatten darauf gesetzt, dass die Deutsche Bank versuchen würde, auch die restlichen Aktien einzusammeln. Zu sechs Milliarden Euro steht die Postbank in den Büchern der Deutschen Bank. Der bei einem Verkauf real zu erzielende Preis dürfte deutlich darunter liegen, womit der Deutschen Bank milliardenschwere Abschreibungen ins Haus stünden.
Leiden dürften nicht nur die Aktionäre, sondern auch den Mitarbeiter. Selbst wenn es so aussieht, als wenn sich die Deutsche Bank nicht vom gesamten Privatkundengeschäft trennt, ist das kein Grund für die Mitarbeiter der Filialen. Es drohten vielmehr, mehr Stellen wegzufallen als bisher geplant, sagten Insider. Die geplante Schließung von bis zu einem Drittel der 700 Filialen dürfte Tausende Arbeitsplätze kosten.
Die Deutsche Bank will sich zu all dem nicht äußern. Man wolle aber die Ergebnisse der laufenden Strategie-Debatte noch vor Ende Juni veröffentlichen. Medienberichte über eine Entscheidung durch den Vorstand dementierte die Bank. Nach Reuters-Informationen will der Vorstand sich formal erst am kommenden Freitag (24. April) kurz vor der außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrats fassen.
Wie stark bleibt das Investmentbanking?
Wichtige Investoren der Bank sollen die radikale Lösung favorisiert haben, eine komplette Abkehr vom traditionsreichen Privatkundengschäft. Doch Anshu Jain und Jürgen Fitschen, die beiden Chefs der Deutschen Bank, sind von der Konzentration auf Investmentbanking und Vermögensverwaltung abgerückt. Ob da ein Anruf aus Berlin eine Rolle gespielt hat? Vermutet wird, dass die Bundesregierung eine weiterhin deutsch geprägte Bank wünscht. Auch die Ratingagenturen könnten Druck gemacht haben. Sie favorisieren das Universalbankmodel, da die Einlagen der Privatkunden eine sichere Refinanzierungsquelle sehen.
Zur Debatte stehen beim Strategieschwenk auch stärkere Einschnitte im Investmentbanking als bisher gedacht. Das Geschäftsvolumen der Sparte könnte um bis zu 200 Milliarden Euro reduziert werden, berichtet die "Welt am Sonntag". Bislang war nur von 150 Milliarden die Rede.
Gegenwind im Zinsskandal
Derweil plagen die Bank noch die vielen anderen Probleme. Im Skandal um Zinsmanipulationen muss sich Anshu Jain laut "Spiegel" neuen Vorwürfen stellen. Die britische Finanzaufsicht FCA werfe der Führung der Bank unkooperatives Verhalten bei der Aufarbeitung des Falles vor, berichtete das Nachrichtenmagazin. Sie bezeichnete den Umgang des Instituts mit dem Thema als inakzeptabel.
Die Bank steuert auf einen Vergleich mit den Regulierern in den USA und Großbritannien zu, der bereits am Donnerstag kommen könnte. Eine mit der Sache vertraute Person hatte Reuters zuletzt gesagt, die Einigung werde vermutlich mehr als 1,5 Milliarden Dollar kosten.
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