Deutsche Aktien soielen in der zweiten Liga


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Deutsche Aktien soielen in der zweiten Liga

 
27.09.03 21:53
Aktienmarkt
Deutsche Aktien spielen in der zweiten Liga

26. September 2003 Deutsche Aktiengesellschaften sind im internationalen Maßstab Federgewichte. Die Deutsche Telekom, mit einer Marktkapitalisierung von 53 Milliarden Euro das schwerste börsennotierte Unternehmen in Deutschland, rangiert in der Rangliste der größten Aktiengesellschaften der Welt nur auf dem 36. Platz. Allein im europäischen Ausland gibt es insgesamt 15 Unternehmen, denen die Anleger an der Börse eine höhere Marktbewertung zugestehen.

Auch wenn man den Marktwert aller deutschen Aktiengesellschaften addiert, wird der Blick auf Deutschland nicht vorteilhafter. Nach einer Statistik des Börsenverbandes World Federation of Exchanges lag der Marktwert aller Aktiengesellschaften auf dieser Welt per Ende August bei 26,8 Billionen Dollar. Hierzu steuerte die Deutsche Börse mit 693 inländischen Aktiengesellschaften lediglich 840 Milliarden Dollar bei, also 3,1 Prozent. Dies vergleicht sich mit einem deutschen Anteil von mehr als 6 Prozent am Bruttoinlandsprodukt der Weltwirtschaft. Dominiert wird die internationale Börsenstatistik von den Vereinigten Staaten (48 Prozent), Japan (9,5 Prozent) und Großbritannien (7,5 Prozent).

Schlechtes Abschneiden

Daß der deutsche Aktienmarkt vergleichsweise unterentwickelt ist, liegt vor allem an dem nach wie vor geringen Stellenwert der privaten Altersvorsorge und der immer noch starken Stellung der Banken in der Unternehmensfinanzierung. Daneben hängt das schlechte Abschneiden in der Kapitalisierungsrangliste mit der geringen Profitabilität vieler deutscher Industriezweige zusammen. Dies zeigt beispielsweise das Ranking der Banken.

Die Deutsche Bank, der hiesige Marktführer, zählt nach Geschäftsvolumen und Marktanteilen zu den größten Banken der Welt. An der Börse wird das Institut wegen seiner relativen Ertragsschwäche aber lediglich mit 31 Milliarden Euro bewertet. Allein in Europa gibt es insgesamt zehn Banken, die eine höhere Marktkapitalisierung aufweisen, darunter fünf britische Institute. Die Allianz, nach dem Prämienvolumen einer der drei größten Versicherer der Welt, ist aus der internationalen Börsenperspektive ebenfalls nur mehr ein Mitläufer. Der Marktwert stellt sich trotz einer großen Kapitalerhöhung nur auf 28 Milliarden Euro. Die hierzulande kaum bekannte American International Group (AIG) bringt den fünffachen Wert auf die Waage.

Globaler Konzentrationsprozeß

Solche Vergleiche sind nicht nur Zahlenspiele, sondern auch ein Hinweis darauf, welche Unternehmen in dem globalen Konzentrationsprozeß mit den Muskeln spielen können. Denn Unternehmen, die an den Börsen hoch bewertet werden, haben auch mehr Kaufkraft für Übernahmen und Fusionen - etwa indem sie sich leichter bei der Kapitalaufnahme tun oder ihre hoch bewerteten Aktien als Übernahmewährung einsetzen. Demnach haben amerikanische Unternehmen die mit Abstand beste Ausgangsposition. Denn in der Rangliste der 100 größten Aktiengesellschaften der Welt befinden sich allein 56 amerikanische Unternehmen. In den "Top ten" brechen nur die beiden europäischen Ölriesen BP und Royal Dutch/Shell die amerikanische Vorherrschaft.

Um den Platz der größten Aktiengesellschaft der Welt streiten sich seit Jahren der Mischkonzern General Electric (GE) und das Softwarehaus Microsoft. Derzeit hat Microsoft mit 305 Milliarden Dollar knapp die Nase vorne. GE war über Jahrzehnte hinweg die Nummer eins gewesen. Während der Technologiehausse der späten neunziger Jahre hatten sich dann Microsoft und kurzzeitig auch der Netzwerkriese Cisco Systems an die Spitze gesetzt. Beide waren zwischenzeitlich mit rund 600 Milliarden Dollar bewertet worden. Cisco bringt es heute lediglich noch auf einen Marktwert von 121 Milliarden Dollar und ist damit in der Weltrangliste auf Platz 15 abgerutscht - hinter Vodafone und vor Glaxo-Smith-Kline.

Großbritannien zählt mit BP, HSBC, Vodafone, Glaxo-Smith-Kline und der britisch-niederländischen Kombination Royal Dutch/Shell immerhin fünf Unternehmen unter den "Top 20" dieser Welt. Die europäische Dominanz der Briten unterstreicht auch ihre Gewichtung im Stoxx-50-Index, der die Schwergewichte Europas abbildet. In diesem Index hat Großbritannien einen Anteil von mehr als 40 Prozent, während es Deutschland auf gut 10 Prozent bringt und damit gleichauf mit den Niederlanden, aber noch hinter der Schweiz rangiert.

Text: dri. / Frankfurter Allgemeine Zeitung
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