Chancen 2006
Deutsche Aktien gelten als aussichtsreich
Das Jahr 2006 bietet an der Börse gute Chancen. Speziell deutsche Aktien gelten als aussichtsreich: steigende Gewinne, niedrige Zinsen und hohe Dividenden.
Egal, ob der Dax 2006 steigt oder fällt - eines ist jetzt schon sicher: Er wird schneller. 15-mal so schnell wie bisher, um genau zu sein. Vom 1. Januar 2006 an will die Deutsche Börse in Frankfurt ihren Leitindex nicht mehr alle 15 Sekunden berechnen, sondern jede Sekunde neu. Den Privatanlegern kann das wurscht sein, doch die vielen Termingeschäfte, die es mittlerweile auf Basis des Dax gibt, hätten das Tempo nötig gemacht, so die Börse.
Mehr Tempo für die Gehetzten, das ist das Einzige, was bei Dax und Aktien fürs neue Jahr schon jetzt feststeht. Die Diskussion zwischen Optimisten (Bullen) und Pessimisten (Bären) ist eröffnet. Die Prognosen der Bankprofis reichen von knapp 5000 Punkten (das wäre ein Rückgang um gut sechs Prozent) bis zu 6000 Punkten, ein Anstieg um zwölf Prozent, nachdem der Dax seit seinem Tief 2003 bereits um 143 Prozent zugelegt hat.
Auch darüber, welche Aktien besser laufen werden als der Durchschnitt und welche schlechter, gehen die Meinungen der Bankexperten weit auseinander. Die einen setzen auf Bank- und Versicherungswerte, den anderen sind gerade diese nach den starken Kursgewinnen in den vergangenen Monaten schon zu teuer. Sie favorisieren Aktien aus der Telekommunikationsbranche.
Die Großwetterlage 2006 für deutsche Aktien ist günstig
Die Großwetterlage 2006 für deutsche Aktien ist günstig: Die Gewinne der Unternehmen werden weiter steigen, bei gleichen Kursen werden sie also billiger gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis, dem KGV. Das lockt neue Aktionäre an und ebnet weiteren Kursgewinnen den Weg. Historische Höchststände seit Ende des Zweiten Weltkriegs bilanzieren nicht nur die Buchhalter der Unternehmen bei den Erträgen; auch die Aktionäre verbuchen Höchsteinnahmen, nämlich Rekorddividenden. Die meisten Dax-Werte wollen beim Bonus 2006 noch einmal einen Schnaps drauflegen. Das macht Aktien im Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren attraktiver.
Wo an der Börse investiert es sich 2006 am besten? Der Pullacher Vermögensverwalter Jens Ehrhardt rät zu räumlichem Feingefühl: "In Europa, speziell in Deutschland, aber auch in Asien, werden die Gewinne schneller wachsen als in Amerika, wo steigender Dollar, höhere Zinsen und wachsende Lohnkosten für Gegenwind sorgen."
Auch Roland Ziegler, Anlagestratege der BHF-Bank, favorisiert wie die meisten seiner Kollegen deutsche Aktien: "Die kurstreibenden Trends im Dax sind noch nicht abgefrühstückt." Dazu gehören die im internationalen Vergleich seit 2001 bemerkenswert gesenkten Kosten der deutschen Unternehmen und die - zwar zähe, aber nachhaltige - Flexibilisierung der Arbeitszeiten. "Bis 2004 wurden die Kosten gesenkt, jetzt kommt auch die Nachfrage in Schwung", sagt Klaus Schrüfer, Aktienstratege der schwedischen Bank SEB in Frankfurt, "unter dem Strich wird das die Gewinne der Unternehmen weiter steigen lassen."
"Entgegen der landläufigen Meinung können die Ausgaben noch weiter gekappt werden, wenn auch nicht mehr bei allen Unternehmen", ergänzt Gerald Kichler, oberster Portfoliomanager der Vermögensverwaltung Flossbach & von Storch. Während die Schlankheitskuren etwa bei Continental weit gehend ausgereizt seien, böten "die Kostenblöcke von Unternehmen wie DaimlerChrysler, VW oder auch der Allianz noch ziemlich viel Fett, das man absaugen kann".
Die 30 Dax-Werte werden wohl auch 2006 von der wachsenden Weltwirtschaft profitieren, auch wenn sie das Tempo von 2005 vermutlich nicht mehr halten können. Bisher ziehen Deutschlands Größte rund 70 Prozent ihrer Umsätze aus dem Ausland. Die Weltwirtschaft ist für den Dax inzwischen weit wichtiger als die heimische Konjunktur.
Gefahren drohen in erster Linie aus den USA. Dort wachsen die Gewinne der Unternehmen nun schon seit neun Quartalen im Durchschnitt zweistellig, die Anleger sind entsprechend verwöhnt. Kichler: "Die Aktien in den USA sind teurer und die Zinsen höher, da kann es die eine oder andere Enttäuschung geben." Das glaubt auch Vermögensverwalter Ehrhardt: "In den USA drücken hohe Energie- und Rohstoffkosten wie überall auf der Welt, zusätzlich belastet der wieder erstarkte Dollar den Export, und die höheren US-Zinsen hemmen das Wachstum der Unternehmen und Aktien stärker als in Euroland und Japan."
Nicht zu vergessen die Sorge um den US-Wohnimmobilienmarkt. Die Preise sind so stark gestiegen, dass Experten einen Einbruch fürchten. Das würde die Vermögenswerte der Amerikaner wegspülen und ihnen die Lust am Konsum nehmen. Ehrhardt: "In England und Australien hat der Zusammenbruch des Immobilienbooms auch den Binnenkonsum einbrechen lassen. Wenn die US-Notenbank die Zinszügel zu straff anzieht, besteht diese Gefahr auch in den USA."
Ein schwächerer US-Konsum hätte Folgen, die weit über den Atlantik und den Pazifik hinweg zu spüren wären. "Das bedeutete auch weniger Produktion in Asien, vor allem in China, und wäre letztlich auch schlecht für die exportlastige deutsche Wirtschaft", so Kichler.
In den vergangenen drei Jahren konnte der Dax jedoch den US-Börsen enteilen. Auch 2006? "Das Aufholpotenzial ist kleiner geworden", meint BHF-Stratege Ziegler, "2006 dürfte es langsamer aufwärts gehen als 2003 und 2005." Aber die noch immer günstige Bewertung der deutschen Standardwerte macht sie international attraktiv: Der Dax liegt mit einem Durchschnitts-Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,5 auf Basis der Gewinne von 2006 noch immer weit näher am unteren Ende seiner historischen Preisspanne als am oberen. Das macht Aktien auch im Vergleich zu Zinspapieren attraktiv, zumal die Renditen Festverzinslicher zumindest in Europa wohl niedrig bleiben werden. Von dieser Seite droht dem Dax also kaum Konkurrenz.
Klaus Schlote, Leiter des Frankfurter Analysehauses Solventis Research, hält ein zweistelliges Plus im Dax daher erneut für möglich. "Der Aufwärtszyklus seit März 2003 ist noch nicht zu Ende; vor allem die Versicherungen sind als Großanleger noch immer nicht richtig in Aktien engagiert." Schlotes Kalkül: Sollte 2006 gut beginnen und sollten Katastrophen wie eine Vogelgrippe-Pandemie oder eine Eskalation im Iran ausbleiben, dann werden die Versicherer bald Aktien zukaufen und so die Kurse befeuern.
Schlote: "Versicherungen agieren immer mit dem Trend. Sie haben 2002 erst verkauft, als die Börsen schon seit zwei Jahren fielen, und sie werden auch erst spät in der aktuellen Aufwärtsbewegung wieder einkaufen."
Quelle: Wirtschaftswoche Nr. 52/2005
...be invested
Der Einsame Samariter
Deutsche Aktien gelten als aussichtsreich
Das Jahr 2006 bietet an der Börse gute Chancen. Speziell deutsche Aktien gelten als aussichtsreich: steigende Gewinne, niedrige Zinsen und hohe Dividenden.
Egal, ob der Dax 2006 steigt oder fällt - eines ist jetzt schon sicher: Er wird schneller. 15-mal so schnell wie bisher, um genau zu sein. Vom 1. Januar 2006 an will die Deutsche Börse in Frankfurt ihren Leitindex nicht mehr alle 15 Sekunden berechnen, sondern jede Sekunde neu. Den Privatanlegern kann das wurscht sein, doch die vielen Termingeschäfte, die es mittlerweile auf Basis des Dax gibt, hätten das Tempo nötig gemacht, so die Börse.
Mehr Tempo für die Gehetzten, das ist das Einzige, was bei Dax und Aktien fürs neue Jahr schon jetzt feststeht. Die Diskussion zwischen Optimisten (Bullen) und Pessimisten (Bären) ist eröffnet. Die Prognosen der Bankprofis reichen von knapp 5000 Punkten (das wäre ein Rückgang um gut sechs Prozent) bis zu 6000 Punkten, ein Anstieg um zwölf Prozent, nachdem der Dax seit seinem Tief 2003 bereits um 143 Prozent zugelegt hat.
Auch darüber, welche Aktien besser laufen werden als der Durchschnitt und welche schlechter, gehen die Meinungen der Bankexperten weit auseinander. Die einen setzen auf Bank- und Versicherungswerte, den anderen sind gerade diese nach den starken Kursgewinnen in den vergangenen Monaten schon zu teuer. Sie favorisieren Aktien aus der Telekommunikationsbranche.
Die Großwetterlage 2006 für deutsche Aktien ist günstig
Die Großwetterlage 2006 für deutsche Aktien ist günstig: Die Gewinne der Unternehmen werden weiter steigen, bei gleichen Kursen werden sie also billiger gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis, dem KGV. Das lockt neue Aktionäre an und ebnet weiteren Kursgewinnen den Weg. Historische Höchststände seit Ende des Zweiten Weltkriegs bilanzieren nicht nur die Buchhalter der Unternehmen bei den Erträgen; auch die Aktionäre verbuchen Höchsteinnahmen, nämlich Rekorddividenden. Die meisten Dax-Werte wollen beim Bonus 2006 noch einmal einen Schnaps drauflegen. Das macht Aktien im Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren attraktiver.
Wo an der Börse investiert es sich 2006 am besten? Der Pullacher Vermögensverwalter Jens Ehrhardt rät zu räumlichem Feingefühl: "In Europa, speziell in Deutschland, aber auch in Asien, werden die Gewinne schneller wachsen als in Amerika, wo steigender Dollar, höhere Zinsen und wachsende Lohnkosten für Gegenwind sorgen."
Auch Roland Ziegler, Anlagestratege der BHF-Bank, favorisiert wie die meisten seiner Kollegen deutsche Aktien: "Die kurstreibenden Trends im Dax sind noch nicht abgefrühstückt." Dazu gehören die im internationalen Vergleich seit 2001 bemerkenswert gesenkten Kosten der deutschen Unternehmen und die - zwar zähe, aber nachhaltige - Flexibilisierung der Arbeitszeiten. "Bis 2004 wurden die Kosten gesenkt, jetzt kommt auch die Nachfrage in Schwung", sagt Klaus Schrüfer, Aktienstratege der schwedischen Bank SEB in Frankfurt, "unter dem Strich wird das die Gewinne der Unternehmen weiter steigen lassen."
"Entgegen der landläufigen Meinung können die Ausgaben noch weiter gekappt werden, wenn auch nicht mehr bei allen Unternehmen", ergänzt Gerald Kichler, oberster Portfoliomanager der Vermögensverwaltung Flossbach & von Storch. Während die Schlankheitskuren etwa bei Continental weit gehend ausgereizt seien, böten "die Kostenblöcke von Unternehmen wie DaimlerChrysler, VW oder auch der Allianz noch ziemlich viel Fett, das man absaugen kann".
Die 30 Dax-Werte werden wohl auch 2006 von der wachsenden Weltwirtschaft profitieren, auch wenn sie das Tempo von 2005 vermutlich nicht mehr halten können. Bisher ziehen Deutschlands Größte rund 70 Prozent ihrer Umsätze aus dem Ausland. Die Weltwirtschaft ist für den Dax inzwischen weit wichtiger als die heimische Konjunktur.
Gefahren drohen in erster Linie aus den USA. Dort wachsen die Gewinne der Unternehmen nun schon seit neun Quartalen im Durchschnitt zweistellig, die Anleger sind entsprechend verwöhnt. Kichler: "Die Aktien in den USA sind teurer und die Zinsen höher, da kann es die eine oder andere Enttäuschung geben." Das glaubt auch Vermögensverwalter Ehrhardt: "In den USA drücken hohe Energie- und Rohstoffkosten wie überall auf der Welt, zusätzlich belastet der wieder erstarkte Dollar den Export, und die höheren US-Zinsen hemmen das Wachstum der Unternehmen und Aktien stärker als in Euroland und Japan."
Nicht zu vergessen die Sorge um den US-Wohnimmobilienmarkt. Die Preise sind so stark gestiegen, dass Experten einen Einbruch fürchten. Das würde die Vermögenswerte der Amerikaner wegspülen und ihnen die Lust am Konsum nehmen. Ehrhardt: "In England und Australien hat der Zusammenbruch des Immobilienbooms auch den Binnenkonsum einbrechen lassen. Wenn die US-Notenbank die Zinszügel zu straff anzieht, besteht diese Gefahr auch in den USA."
Ein schwächerer US-Konsum hätte Folgen, die weit über den Atlantik und den Pazifik hinweg zu spüren wären. "Das bedeutete auch weniger Produktion in Asien, vor allem in China, und wäre letztlich auch schlecht für die exportlastige deutsche Wirtschaft", so Kichler.
In den vergangenen drei Jahren konnte der Dax jedoch den US-Börsen enteilen. Auch 2006? "Das Aufholpotenzial ist kleiner geworden", meint BHF-Stratege Ziegler, "2006 dürfte es langsamer aufwärts gehen als 2003 und 2005." Aber die noch immer günstige Bewertung der deutschen Standardwerte macht sie international attraktiv: Der Dax liegt mit einem Durchschnitts-Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,5 auf Basis der Gewinne von 2006 noch immer weit näher am unteren Ende seiner historischen Preisspanne als am oberen. Das macht Aktien auch im Vergleich zu Zinspapieren attraktiv, zumal die Renditen Festverzinslicher zumindest in Europa wohl niedrig bleiben werden. Von dieser Seite droht dem Dax also kaum Konkurrenz.
Klaus Schlote, Leiter des Frankfurter Analysehauses Solventis Research, hält ein zweistelliges Plus im Dax daher erneut für möglich. "Der Aufwärtszyklus seit März 2003 ist noch nicht zu Ende; vor allem die Versicherungen sind als Großanleger noch immer nicht richtig in Aktien engagiert." Schlotes Kalkül: Sollte 2006 gut beginnen und sollten Katastrophen wie eine Vogelgrippe-Pandemie oder eine Eskalation im Iran ausbleiben, dann werden die Versicherer bald Aktien zukaufen und so die Kurse befeuern.
Schlote: "Versicherungen agieren immer mit dem Trend. Sie haben 2002 erst verkauft, als die Börsen schon seit zwei Jahren fielen, und sie werden auch erst spät in der aktuellen Aufwärtsbewegung wieder einkaufen."
Quelle: Wirtschaftswoche Nr. 52/2005
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Der Einsame Samariter