29. Juli 2004 Trotz des chronischen Handelsbilanzüberschusses und der „Erholungsphantasie“, die internationale Anleger der japanischen Konjunktur entgegenbringen, war der Yen in den vergangenen Wochen sowohl gegen den Euro als auch gegen den Dollar der „Loser“ des Monats.
Gegen den Dollar verlor die japanische Währung seit Beginn des Monats 2,52 Prozent auf aktuell 112,28 Yen je Dollar. Anfang April waren im Kurstief gerade einmal 103,42 Yen notwendig gewesen, um einen Dollar erwerben zu können. Im Moment sind dafür 8,6 Prozent mehr nötig. Im Verhältnis zum Euro sieht es ähnlich aus. Aktuell kann man mit 135 Yen einen Euro erwerben. Auf Sicht eines Monats hat die japanische Währung 1,64 Prozent verloren.
Abwertungstrend immer wieder von Kapitalflüssen unterbrochen
Langfristig befindet sich der Yen in einem Abwertungstrend gegen den Euro, während er gegen den Dollar eher an Wert gewinnt. In der Vergangenheit wurde dieser langfristige Aufwertungstrend gegen den Dollar allerdings immer wieder unterbrochen durch zum Teil massive Kapitalströme nach Amerika. Sie waren deutlich stärker als die eigentlich durch die Handelsbilanz induzierte Yenstärke. In den vergangenen zwei Jahren spielten dabei auch zum Teil sehr massiven Interventionen Japans gegen eine Aufwertung der eigenen Währung eine Rolle.
Trotz der jüngsten Kursverluste der japanischen Währung ist der im Februar des Jahres 2002 etablierte mittelfristige Aufwertungstrend der Währung gegen den Dollar weiterhin in Takt. Allerdings gelangt er so langsam in dessen „Reichweite“. Kurse von bis zu 115 Yen je Dollar scheinen im Rahmen des aktuell laufenden „Dollarrevivals“ nicht ausgeschlossen zu sein. Es stellt sich allerdings die Frage, in wieweit diese Entwicklung fundamental unterlegt ist. Denn außer der Zinsphantasie spricht so gut wie nichts für den Dollar.
Fakten sprechen eigentlich für den Yen
Gleichzeitig spricht beinahe alles für den Yen: Der Handelsbilanzüberschuß, die konjunkturelle Entwicklung und kurzfristig auch die Kapitalströme. Seit Mitte Juli scheinen internationale Anleger wieder japanische Aktien und Anleihen zu kaufen, so eine Analyse der Bank BNP Paribas. Das dürfte unter anderem mit der Tatsache zusammenhängen, daß die Renditen der japanischen Staatsanleihen in den vergangenen Wochen deutlich angezogen haben. Auf diese Weise hat sich die Renditedifferenz zwischen Amerika und Japan reduziert.
Die Renditeentwicklung wird untermauert durch den konjunkturellen Ausblick. Und der wird vor allem auch durch die Entwicklung im Binnenmarkt gestärkt. Im jüngsten Tankanbericht haben die Ausgaben der Haushalte, die Aufträge im Maschinenbau, die Entwicklung im Fahrzeugbau und insgesamt der Industrieproduktion positiv überrascht. Lediglich die Einzelhandelsumsätze enttäuschten. Die japanische Börse international betrachtet trotz der jüngsten Kursverluste immer noch zu den besten.
Dazu kommt, daß bei der Kursentwicklung der japanischen Währung gewisse Saisonalitäten zu beobachten sind. Seit dem Jahr 1998 tendierte sie im Juli immer leicht zur Schwäche, um dann im August wieder zuzulegen. Auch der hohe Ölpreis dürfte kurzfristig belasten. Insgesamt scheint jedoch vieles dafür zu sprechen, daß die Yenschwäche ein kurzfristiges Phänomen ist, welches früher oder später wieder von Kursgewinnen abgelöst wird. In diesem Sinne dürfte es ratsam sein, auf entsprechende Impulse zu achten.
Text: @cri
Bildmaterial: F.A.Z., FAZ.NET