Der Wirtschaftsaufschwung ist verschoben


Thema
abonnieren
Beiträge: 2
Zugriffe: 346 / Heute: 2
mod:

Der Wirtschaftsaufschwung ist verschoben

 
08.01.02 14:59
08.01.02 13:12  
 
Der Wirtschaftsaufschwung ist verschoben
 
DIW und HWWA rechnen erst 2003 mit einer nachhaltigen Erholung der Konjunktur.
 
Ob das Bundeskanzler Gerhard Schröder in den Kram passt? Pünktlich in die „Show“ um die Kanzler-Kandidatenkür bei der Union platzen das Hamburgische Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mit ihren Konjunkturprognosen für 2002. Und die sind, gelinde gesagt, grottenschlecht.

Auf 0,6 Prozent schätzt das DIW das Wachstum im laufenden Jahr ein; das HWWA ist mit 0,7 Prozent ebenso pessimistisch. Das bedeutet, dass die Wirtschaft im laufenden Jahr lediglich so stark wachsen wird wie 2001 – und die Meldungen über Massenentlassungen haben noch alle Beteiligten in den Ohren. Auch die Wachstums-Prognose der Bundesregierung, die bei 1,25 Prozent liegt, dürfte nun nach unten angepasst werden. Und die Herbst-Prognosen der Wirtschaftsinstitute lagen mit 1,3 Prozent Wachstum noch deutlich über den nun erwarteten Zahlen.


Antworten
mod:

DIW:

 
08.01.02 15:01
DIW: Rezessive Entwicklung in Deutschland wird verhalten ausfallen
Berlin (vwd) - Das Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung DIW Berlin erwartet für 2002 ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in Deutschland um 0,6 Prozent und im Jahr 2003 um 2,1 Prozent. Das DIW betonte am Dienstag in Berlin, dass die gesamtwirtschaftliche Produktion im zweiten Halbjahr 2001 nach den Einschätzungen des Institutes "merklich zurückgegangen" sei. Die rezessive Entwicklung in Deutschland werde aber verhalten ausfallen. Die weltwirtschaftliche Lage insgesamt gibt aus Sicht des DIW "Anlass zu großer Besorgnis".

Auf Grund der gegenwärtigen tiefgreifenden Unsicherheit dürfte die Erholung etwas länger als üblich dauern. Ausdrücklich warnt das DIW vor Verwerfungen auf den Devisenmärkten wegen der von den USA mittlerweile im Außenhandel in bedenklicher Höhe akkumulierten Fehlbeträge. Die Geldpolitik wurde vom Institut aufgefordert, ihre Strategie im Lichte der jüngsten Entwicklungen zu überdenken. Die Maßnahmen der Europäischen Zentralbank müssten "noch mehr an der Zukunft orientiert und flexibler" sein als bisher.


Für das erste Quartal 2002 erwartet das DIW eine Leitzinssenkung um 25 Basispunkte. Das Institut unterstellt 2002 eine leichte Aufwertung des Euro und sieht zum Jahresende einen Kurs von etwa 0,95 Dollar je Euro und bis Ende 2003 von 1,10 Dollar je Euro.



Für die USA erwartet das DIW 2002 ein Wachstum um 0,5 Prozent und 2003 um 2,4 Prozent, für den Euroraum um 1,1 Prozent bzw 2,5 Prozent und für Japan 2002 ein Minus von 2,0 Prozent und 2003 Stagnation. Den konjunkturellen Wendepunkt sieht das DIW in Deutschland im zweiten Quartal 2002. Läge er ein Quartal früher, errechnete sich laut dem Institut für 2002 ein Wachstum von 1,1 Prozent, läge er ein Quartal später, schrumpfte das BIP um 0,1 Prozent. Ohne die kräftig anziehende Konjunktur in den USA würde nach Einschätzung des DIW in Deutschland "zumindest bis zur Mitte dieses Jahres Stagnation, wenn nicht gar Rezession herrschen". Erst dann nämlich würden die belebenden Impulse der gelpolitischen Lockerung vom Vorjahr voll wirksam.



Der zu erwartende Aufschwung werde in seiner Anfangsphase durchaus kräftig sein, ohne aber auch nur annähernd das Tempo von 1999/2000 zu erreichen. Dazu seien das weltwirtschaftliche Umfeld zu ungünstig und die binnenwirtschaftlichen Impulse zu schwach. Die Annahme eines 2,1-prozentigen Wachstums 2003 gelte nur unter der Voraussetzung, dass es zu keinen weiteren außenwirtschaftlichen Störungen komme, die Finanzpolitik die automatischen Stabilisatoren voll wirken lasse und die Gelpolitik ihren expanisven Kurs beibehalte. Beginne die EZB, ihren Kurs in den sich entfaltenden Aufschwung hinein zu straffen, werde die Entwicklung 2003 ungünstiger verlaufen.



DIW-Chefvolkswirt Gustav A. Horn kritisierte, dass die EZB die Zinsen im Sommer nicht schnell genug gesenkt habe. "Die Geldpolitik hätte Spielraum, für frühzeitige Zinssenkungen gehabt, um den Abschwung zu mildern", meinte er. Der damalige Preisauftrieb habe vor allem auf Einmaleffekten basiert. Horn forderte die EZB auch dazu auf, die herausgehobene Rolle des Geldmengenaggregats zu überdenken. Starke Verzerrungen führten hier zu falschen Schlussfolgerungen, und die Geldmenge habe sich als schlechter Indikator für die Inflationsentwicklung erwiesen. Sie dürfe deshalb "nur ein Indikator unter vielen" sein.



Bundesfinanzminister Hans Eichel muss nach Übrerzeugung des DIW seine Konsolidierungsstrategie überdenken und auf die Konjunkturentwicklung reagieren. So müssten die Kommunen unter Berücksichtigung der Maastrichter Grenze eines dreiprozentigen Budgetdefizits vom Bund kurzfristig Mittel für Investitionen erhalten, erklärte Horn. Alternativ könne auch die nächste Stufe der Steuerreform auf den 1. April vorgezogen werden, um Impulse zu schaffen. Der Lohnpolitik empfahl das Institut, den "verteilungsneutralen Spielraum in Höhe von etwa drei Prozent" auszuschöpfen. "Wir empfehlen keine Nullrunde, wir empfehlen aber auch keine sieben Prozent", machte Horn klar.



Das Ausmaß der weltwirtschaftlichen Krise führte er auf eine "Kumulation ungünstiger Einflüsse" zurück. Das unerwartet hohe Tempo, mit dem sich die Schwäche ausgebreitet habe, wirft für das DIW die Frage auf, "ob die Globalisierung eine neue Dimension erreicht hat". Horn verwies darauf, dass die traditionelle Übertragung von Zyklen über die Handelsströmne offensichtlich an Bedeutung verloren habe und sich Schocks nun wesentlich schneller durch die "Veränderung von Erwartungen" übertrügen.


+++ Andreas Kißler


vwd/8.1.2002/ak/ptr

8. Januar 2002, 13:35




Antworten
Auf neue Beiträge prüfen
Es gibt keine neuen Beiträge.


Börsen-Forum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--