Der Weg zur Erleuchtung...


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Der Weg zur Erleuchtung...

 
01.03.01 11:45
Das Nirwana der Buddhisten fühlen
Mit Askese zur Erleuchtung

Kein Sex, nur eine Mahlzeit pro Tag, kaum Schlaf - für die Gläubigen des Klosters Wat Pah Nanachat, unter ihnen viele Ausländer, ist dies das reine Glück.

Zuerst haben wir das Scharren der Besen gehört. Wie auch zuletzt, als wir Wat Pah Nanachat wieder verließen. Dazwischen lagen die Tage im Waldkloster; auf der Suche nach jenem Ort, wo es kein Ich mehr gibt, aber eine strahlende Leere, das Nirwana der Buddhisten.

Ankunft am Kloster der Waldmönche
Die Luft im Wald war feucht, die Bäume dampften. Ihre Kronen bauten dem Weg ein Dach. Überall sahen wir orangefarbene Kleckse, Mönche in ihren Roben beim Fegen. Vor dem Tempel stand ein Mönch, dürr, barfuß und auf einen Besen gestützt. "Jenseits unserer Klostermauern verschwinden die Wälder", sagte er. "Unseren Wald aber haben die Geister der Toten gerettet." Es war eine seltsame, rätselhafte Begrüßung.

Vom Taxifahrer zum Mönch
Irgendwann verstummte das Fegen im Wald, und Surren der Mücken ertönte. Ein wenig später tauchte Jianto auf. Er sprach das Amerikanisch der Ostküste, war 32, Stellvertreter des Abtes und seit elf Jahren Mönch. Davor war er Taxifahrer in Boston gewesen. Er brachte uns zu einem Bungalow inmitten von Bambus, in dem wir wohnen sollten. Später führte er uns durch den Wald.

Meditieren im Lotussitz

Unser Pfad bog nach links, eine Lichtung öffnete sich; vor uns ragte ein Klotz aus Glas und Stein auf. Die Schritte der Mönche, die vor dem Rundbau eintrafen, waren gemessen, ihre Stimmen gedämpft, die Bewegungen ihrer Hände wirkten kontrolliert, und irgendwie erinnerten sie an Soldaten. Die Robe, die Glatze, die rasierten Brauen - das war ihre Uniform und das Kloster ihre Kaserne. Im Gänsemarsch betraten sie das Gebäude, knieten nieder auf dem Steinboden, verbeugten sich mit gefalteten Händen und nahmen den Lotussitz ein. Auf dem Altar stand eine Statue Buddhas.

Vibrierende Stille beherrschte den Raum  
Manchmal öffnete ein Mönch die Augen. Doch der Blick war auf einen sehr fernen Punkt gerichtet. Bis irgendwann die Sonne zwischen den Bäume verschwand.

Die Stunde des Tees
Am Abend nippten die Mönche am Tee und sprachen über den inneren Frieden. Draußen stülpte sich die Nacht über das Kloster, und die Zikaden füllten die Luft.

Beten im Moskitonetz
Auf dem Rückweg zu unserem Bungalow sahen wir unter einem Baum eine Kugel aus warmem Licht. Es war ein Moskitonetz, in dem eine Laterne brannte und eine kniende Silhouette beleuchtete. Manche Mönche verbrachten ganze Nächte betend im Netz.

Die Nacht der Mönche ist kurz
Um drei Uhr standen sie auf. Dann wurden sie von Glockenschlägen zur Morgenandacht gerufen. Bis zur Dämmerung beteten und meditierten sie. Danach verließen sie mit ihren Schalen das Kloster und pilgerten ins Dorf.

Stunde des Almosengangs
Unterwegs warteten knieende Frauen, Kinder und Männer auf die Mönche. Sie füllten deren Schalen mit Reis. Mit diesen Almosen wurde die einzige Mahlzeit am Tag zubereitet. Die Zeit um den Hunger zu stillen war knapp bemessen: 20 - 25 Minuten. Denn, gegen halb neun, begann wieder die Stunde des Fegens.

www.geo.de/themen/kultur_politik/waldmoenche/index.html

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